Eine E-Mail brachte die Welt einer Integra-Mitarbeiterin ins Wanken

Lisa Maria Tschofen (35) arbeitet beim Sozialunternehmen Integra, welches in argen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Die Alleinerzieherin bangt um ihren Traumjob und um ihre Existenzgrundlage.
Feldkirch Lisa Maria Tschofen (35) ist geschockt. Sie und ihre Kollegen bekamen am Dienstagnachmittag von ihrem Arbeitgeber, der Sozialeinrichtung Integra, eine E-Mail. Darin wurde ihnen mitgeteilt, dass sich das Unternehmen in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet, keine Löhne mehr ausbezahlt werden können und die Firma in den nächsten Tagen den Konkursantrag stellen wird.
Findet keinen Schlaf mehr
Die Alleinerzieherin kann seither nicht mehr schlafen. Das E-Mail brachte Lisa schlagartig in Bedrängnis. „Wie geht es jetzt weiter? Wovon sollen mein Sohn und ich leben? Wie soll ich die Miete zahlen? Wie soll ich das meinem Kind erklären?“, fragt sich die Mutter eines 15-jährigen Buben. Lisa ist aufgewühlt. Mit einem Taschentuch wischt sie sich die Tränen weg. „Ich habe Angst um mich und Angelo. Ich will mich nicht verschulden.“ Als Mama möchte sie ihrem Kind ein Vorbild sein. Der Einzelhandels- und Bürokauffrau war es immer wichtig, ihrem Sohn vorzuleben, dass man im Leben tüchtig sein muss und nicht aufgeben darf.

Lisa ging in der Vergangenheit keinen leichten Weg. Vom Vater ihres Sohnes trennte sie sich, als dieser drei Jahre alt war. „Zum Glück hatte ich meinen Papa. Der passte oft auf meinen Sohn auf.“ Die Feldkircherin arbeitete hart, um sich und ihr Kind durchzubringen. Sie war Verkäuferin und kellnerte nebenher. Als ihr Vater im Jahr 2017 plötzlich starb, war sie von einem Tag auf den andern auf sich allein gestellt und geriet in eine Krise. Sie verlor die Arbeit und versank noch mehr in Verzweiflung.

Ein Transitarbeitsplatz bei Integra wendete ihr Leben im Jahr 2020 zum Positiven. „Integra hat mich übernommen und als Assistentin in der Produktion fix angestellt.“ Seit einem Jahr arbeitet die Alleinerzieherin, die kürzlich eine Ausbildung zur Sozialbegleiterin abgeschlossen hat, mit Jugendlichen, die oft aus zerrütteten Familien kommen. Sie hilft ihnen, ihren Weg zu finden und im Alltag wieder Fuß zu fassen. „Ich motiviere die Jugendlichen und mache sie für das Arbeitsleben fit.“ Mit ihnen zusammen betreut sie zum Beispiel einen Minigolfplatz, eine Autowaschanlage und eine Fahrradwerkstatt. „Wir arbeiten nicht nur zusammen, sondern unternehmen auch in der Freizeit einiges miteinander. Wir malen und kochen zum Beispiel gemeinsam.“#

Die Arbeit inspiriert Lisa jeden Tag aufs Neue. „Es ist schön zu sehen, wie sich die Teenager entwickeln. Anfangs sind sie oft noch verschlossen, dann beginnen sie sich wohlzufühlen und ihren Wert zu erkennen.“ Lisa fragt sich: „Wo sollen diese jungen Menschen hingehen, wenn sie nicht mehr zu uns, zu Integra, kommen können?“ Schon allein ihretwegen hofft sie, dass das Sozialunternehmen gerettet wird. „Für die Jugendlichen würde es mir am meisten leidtun, wenn die Firma nicht mehr weitergeführt wird.“ Lisa ist nervös und ängstlich, kaut an den Fingernägeln. Auch bei ihr geht es um viel. Die Alleinerzieherin bangt um ihren Traumjob und um ihre Existenzgrundlage. Die Sorgen der Mutter beschäftigen auch Angelo. „Er will mich mit einem zweiten Aushilfsjob unterstützen.“