Alleinerziehende Mutter: Wenn Wohneigentum zur Belastung wird

Vorarlberg / 28.03.2023 • 15:25 Uhr
Alleinerziehende Mutter: Wenn Wohneigentum zur Belastung wird

Zwischen Resignation und Hoffnung: Corinna Alge (46) aus Lustenau kämpft als Alleinerziehende mit steigenden Kreditraten und immer höheren Betriebskosten.

Lustenau Während sich die Politik bei Wohnkosten streitet, wird für viele Betroffene die Luft finanziell immer dünner. Corinna Alge (46) ist alleinerziehende Mutter. 2014 hatte sich die Lustenauerin den Traum der eigenen vier Wände verwirklicht. Heute kämpft sie mit massiv gestiegenen Kreditraten und Betriebskosten. “Es gibt Phasen, wo ich nur noch weine, weil es so nicht weitergehen kann. Dann denke ich wieder, es wird sich die Situation schon wieder verbessern”, erzählt die 46-Jährige. Wie ihr geht es immer mehr Menschen im Land.

Corinna Alge (46) kämpft mit den stark gestiegenen Kreditzinsen und den deutlich höheren Betriebskosten. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Corinna Alge (46) kämpft mit den stark gestiegenen Kreditzinsen und den deutlich höheren Betriebskosten. VN/Gasser

Die Freude war groß, als Corinna Alge vor acht Jahren unweit ihrer Eltern in eine hübsche Neubauwohnung einzog. “Damals hat alles gepasst.” Sie hatte etwas Geld angespart, die langfristig angelegte Rückzahlung für einen empfohlenen variablen Kredit habe kein Problem dargestellt. “Ich wollte etwas Eigenes besitzen, damit ich später in der Pension keine hohen Wohnkosten mehr habe.”

Als alleinerziehende Mutter ist Corinna Alge mit einer angespannten finanziellen Situation konfrontiert. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Als alleinerziehende Mutter ist Corinna Alge mit einer angespannten finanziellen Situation konfrontiert. VN/Gasser

Mit der Geburt ihres Sohnes Max, heute sechs Jahre alt, schien das Glück im neuen Eigenheim perfekt. Dann kam die Trennung von ihrem Partner und mit ihr erste Existenzsorgen. Corinna Alge war jetzt alleinerziehende Mutter in Karenz. Geldsorgen habe sie aber keine gehabt. Mit den Einnahmen, Unterstützung der Eltern und Erspartem kam sie über die Runden. “Das ist auch heute noch so. Aber die finanziellen Reserven schmelzen dahin. Wenn es so bleibt, komme ich noch ein, zwei Jahre durch.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Corinna Alge arbeitet in einer 40-Prozent-Teilzeitanstellung in einem Speditionsunternehmen. Wie viele Alleinerziehende beschreibt sie einen schwierigen Spagat zwischen möglichst viel verdienen und doch genug Zeit fürs Kind zu haben. Max (6) ist der Lebensmittelpunkt der 46-Jährigen. Für ihn verzichtet sie gerne.

Auch die Betriebskosten sind in den letzten Monaten stark gestiegen. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Auch die Betriebskosten sind in den letzten Monaten stark gestiegen. VN/Gasser

Ihr Leben ist – je nach Tagesverfassung – geprägt von Resignation und Hoffnung. “Sparen, alles zusammenhalten oder sich doch etwas gönnen”, fragt sich Alge immer wieder. Ein bisschen was sei ihr noch geblieben. Die Preisspirale setzt den Finanzen aber kräftig zu. Allein die Kreditrate und die Betriebskosten hätten sich innerhalb eines Jahres um ein Drittel erhöht.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Der Blick ist nach vorne gerichtet. Vielleicht gehe ja irgendwo wieder eine Tür auf. Möglicherweise beruhige sich die Situation ja auch wieder, hofft Corinna Alge. Wahrscheinlich sind zuvor aber weitere Zinserhöhungen. Das würde das verbliebene kleine finanzielle Polster weiter schmelzen lassen. “Die eigenen vier Wände sind für mich zur Belastung geworden. Es ist keine Freude mehr. Auch nicht, dass ich dann etwas in der Pension habe, das mir gehört.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Mit der Politik geht Alge hart ins Gericht. So würden mit den verschiedenen Zuschüssen nur großzügig Zuckerl verteilt. Die Regierung sollte aber das Problem an der Wurzel packen und die Teuerung bekämpfen. Während die politischen Parteien bei den Wohnkosten streiten, geht es den Betroffenen immer schlechter. Corinna Alge weiß auch aus ihrem Umfeld, dass sie längst nicht die Einzige ist. Egal ob Miete oder zu finanzierendes Eigentum: Wohnen ist für viele – gerade auch in der Mittelschicht – kaum noch erschwinglich.

Trotz der finanziell schwierigen Situation will die 46-jährige Mutter weiter um den Traum vom Eigenheim kämpfen. “Ich möchte die Wohnung unbedingt halten – auch für meinen Sohn Max.”