Darum sind Regen und Schnee genau jetzt ein Segen

Vorarlberg / 26.03.2023 • 17:00 Uhr
Ein Hundewetter ist das, denkt sich wohl dieser Vierbeiner in der Bregenzer Innenstadt. Doch der Regen tut der Natur sehr gut. <span class="copyright">VN/Serra</span>
Ein Hundewetter ist das, denkt sich wohl dieser Vierbeiner in der Bregenzer Innenstadt. Doch der Regen tut der Natur sehr gut. VN/Serra

Skigebiete, Landwirtschaft und Hobbygärtner freuen sich auf kurzes Winterintermezzo mit viel Niederschlag.

Schwarzach “Das ist ein Segen für die Alpen.” Josef Türtscher (62), Obmann des Alpwirtschaftsvereins, muss bei der Bewertung des aktuellen Wetters mit viel Niederschlag nicht lange überlegen. Den Älplern gefiel der viel zu trockene Winter gar nicht. “Umso besser, dass es jetzt auch noch eine Schneedecke gibt, die den Boden mit Flüssigkeit versorgt”, weiß der Großwalsertaler.

Ein Spaziergang im Regen kann auch Spaß machen. Dieses Frauenquartett scheint den Rundgang zu genießen.
Ein Spaziergang im Regen kann auch Spaß machen. Dieses Frauenquartett scheint den Rundgang zu genießen.
Josef Türtscher (r.) freut sich mit seinen Älplerkollegen über grüne Wälder und saftige Wiesen. "Dieser Niederschlag ist ein Segen."  <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Josef Türtscher (r.) freut sich mit seinen Älplerkollegen über grüne Wälder und saftige Wiesen. "Dieser Niederschlag ist ein Segen." VN/Lerch

Nicht vergessen haben die heimischen Älpler den Horrorsommer 2018. Damals trockneten viele Alpen förmlich aus, es musste hektoliterweise Wasser vom Tal zugeführt werden. Vom gefallenen Schnee in den Bergen profitieren die Alpen enorm. Die Schneeschmelze mit ihrer Feuchtigkeitsspende für den Boden kann längere Trockenperioden überwinden helfen. Kein Schnee im Winter sowie ausbleibender Regen im Frühling und Sommer sind allerdings eine fatale Kombination.

Für einen gemütlichen Hock im Freien war am Sonntag nicht der richtige Zeitpunkt. Aber das wird noch kommen.
Für einen gemütlichen Hock im Freien war am Sonntag nicht der richtige Zeitpunkt. Aber das wird noch kommen.

Bremse für Vegetation

Auch die Böden im Tal können die Feuchtigkeit gut brauchen. Die Heubauern registrieren schon längere Zeit einen sinkenden Grundwasserspiegel, die Hobbygärtner haben mit staubtrockenen Rasenflächen bereits im Frühjahr ebenso keine Freude.

<p class="caption">Vor einem Jahr am Alten Rhein in Lustenau. Damals legte der Wassermangel einen Teil des Gewässers trocken. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">VN/Stiplovsek</span></p>

Vor einem Jahr am Alten Rhein in Lustenau. Damals legte der Wassermangel einen Teil des Gewässers trocken.  VN/Stiplovsek

Bleibt der temporäre Temperaturrückgang mit einem Comeback des Winters als willkommene Bremse für eine bereits voll in Fahrt befindliche Vegetation. “Die ist zwei Wochen zu früh dran”, weiß inatura-Fachexperte und Biologe Klaus Zimmermann (63). Als bedenklich stuft er die Situation zuvor jedoch nicht ein. “Die Natur ist robuster, als wir denken. Man unterschätzt sie oft. Sie kann sich anpassen.”

Noch keine Frostgefahr

Bäume und Pflanzen würden nicht nur auf Temperaturen reagieren, sondern auch auf Taglängen. Entsprechend richten sie ihre Entwicklung aus. Allerdings: Das gilt nicht für kultivierte Pflanzen, wie etwa Obstbäume. Ein Frost zur falschen Zeit, und vieles geht kaputt. Davon können etwa die Kirschenbauern aus Fraxern ein Lied singen. “Es gibt eben robustere und empfindlichere Pflanzen”, kennt Klaus Zimmermann die Gesetzmäßigkeiten der Natur.

Biologe Klaus Zimmermann sieht die Situation noch entspannt. "Die Natur stellt sich auf bestimmte Situationen ein." <span class="copyright">VN/PEM</span>
Biologe Klaus Zimmermann sieht die Situation noch entspannt. "Die Natur stellt sich auf bestimmte Situationen ein." VN/PEM

Dass ein Frost jetzt vor dem Start der Obstblüte besser ist, als wenn alles schon ausgetrieben ist, versteht sich von selbst. Diesbezüglich gilt das Frühjahr 2017 als schreckliche Erinnerung. Ende April vernichteten Minustemperaturen nahezu die ganze Obsternte.

April läuft sich warm

Das Wetter der nächsten Tage wird winterlich, ganz sicher jedoch wechselhaft. Am Montag könnten Schneeflocken sogar das Tal erreichen. “Liegen bleiben wird der Schnee dort jedoch nicht”, prognostiziert Alexander Klee von der GeoSphere Innsbruck. Auf den Bergen könnten jedoch bis zu 30 Zentimeter der weißen Pracht dazukommen. Insgesamt gibt’s 10 bis Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Trocken und wärmer wird der Dienstag. Die Quecksilbersäule springt auf 10 Grad. Wechselhaft mit vereinzelten Niederschlägen und Temperaturen um die 10 bis 14 Grad geht es in den folgenden Tagen weiter. “Es gibt Aprilwetter, noch bevor der April da ist”, beschreibt Meteorologe Klee das Szenario.