Achtung, die Lurche kommen!

Kröten und Frösche wandern wieder. Freiwillige Helfer sind ihre Lebensversicherung.
Dornbirn Wenn sie kommen, dann kommen sie in Scharen. Die Krötenwanderung ist derzeit wieder in vollem Gange. Für die Tiere bedeutet das eine gefährliche Zeit.

An der Bödelestraße, im Bereich des Kurhotels Rickatschwende, gibt es Stellen, an denen in einer Saison Hunderte Erdkröten und Grasfrösche überfahren wurden. Mittlerweile ist das nicht mehr so. Seit vier Jahren wird entlang der Gefahrenzone zur Wanderzeit ein Amphibienzaun aufgestellt.

Erich Zucalli (68) und seine Mitstreiter sorgen dafür, dass die Erdkröten und Grasfrösche gut und sicher über die Straße kommen. „Ich und meine Frau sind große Naturliebhaber. Es wird so viel Natur zerstört, da muss es ein ganz kleiner Ausgleich sein, dass man Teile davon rettet, damit die nächste Generation auch noch Frösche und Kröten hat“, sagt der 68-Jährige, der auch Naturschutzreferent beim Alpenverein Dornbirn und zweiter Vorsitzender beim Alpenschutzverein ist, über seine Motivation.


Unbedingt zurück
Die Kröten und Frösche verbringen den Großteil ihres Lebens in einem Wald oder auf einer Feuchtwiese. Zur Laichzeit wollen gerade die Kröten zurück in das Gewässer, in dem sie geboren wurden. Wenn eine stark befahrene Straße im Weg ist, wird das zum Problem.

Allein an der Bödelestraße haben die freiwilligen Helfer heuer seit 8. März schon 445 Amphibien gerettet. Im Vorjahr waren es knapp 600. Die Abteilungen Umwelt- und Klimaschutz und Straßenbau des Landes versuchen die neuralgischen Stellen zu entschärfen. Bislang werden in Zusammenarbeit mit den Straßenmeistereien und Gemeinden an zehn Stellen Zäune aufgestellt. Das Umweltbüro Grabher koordiniert das Projekt. „Es kann sein, dass mehr Stellen dazukommen. Derzeit laufen noch Erhebungen, ob es sich rentieren würde, einen permanenten Durchlass zu bauen. Das kostet etwas, entschärft das Problem aber dauerhaft“, erläutert Markus Grabher.

In Vorarlberg gibt es aktuell 14 Amphibienarten. Ein Großteil davon steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Der Straßenverkehr ist laut Grabher ein Grund, warum die eigentlich häufigen Arten wie Erdkröte oder Grasfrosch ebenfalls weniger werden. „So eine Kröte ist extrem langsam unterwegs. Es kann sein, dass sie für die Überquerung der Straße 15 Minuten oder länger braucht. Am gefährlichsten sind die Nächte, in denen es relativ warm ist und es regnet“, berichtet der Umweltbüro-Chef.

Der Zaun verhindert, dass die Tiere auf die Straße gelangen. Wenn Erich Zucalli Krötendienst hat, fährt er meist zwei Mal am Tag, am Morgen und am Abend Richtung Rickatschwende, um die Tiere aus einem der Kübel, die hinter dem Zaun eingegraben sind, zu holen und sie über die Straße zum Weiher zu tragen. „Amphibien stehen unter Schutz“, unterstreicht Erich Zucalli.

Im Tal ist heuer das Gröbste bereits überstanden. Grabher rechnet damit, dass nach dem Wochenende die Zäune abgebaut werden können. Im Gebirge beginnt die Wanderung erst Ende April, Anfang Mai. Nach der Hinwanderung kommt die Rückwanderung, die man mit den Zäunen nicht in den Griff bekommt. “Auch dort werden wieder Tiere überfahren, aber die Rückwanderung passiert nicht so konzentriert. Ein permanenter Durchgang hätte den Vorteil, dass auch diese Wanderung geschützt wäre”, merkt Grabher an.

