Keine Lösung: Das Biomüllkarussell dreht sich weiter

Treffen in Ravensburg verlief ohne Ergebnis. Neue Umladestation in Rankweil soll Transportwege verringern.
Dornbirn, Ravensburg Der freie Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU treibt mitunter kuriose Blüten. Aktuelles Beispiel: Der Biomülltourismus zwischen Vorarlberger und Ravensburg.
Wie berichtet, wird der Biomüll aus dem Landkreis Ravensburg seit ein paar Jahren in Vorarlberg verwertet. Ab 1. Jänner 2024 soll der Bioabfall aus Vorarlberg außerdem in den Landkreis Ravensburg transportiert werden. Verantwortlich dafür ist das EU-Vergaberecht, das besagt, dass öffentliche Aufträge ab einem bestimmten Auftragswert europaweit ausgeschrieben werden müssen. Als der Kreis Ravensburg also nach dem laut Gesetztestext “wirtschaftlichsten Anbieter” für die Verwertung seines eigenen Bioabfalls suchte, wurde er bei der Firma Loacker in Lustenau fündig. Das Amtzeller Werk für Biogas (AWB) setzte sich wiederum als Bestbieter bei der Ausschreibung des Vorarlberger Gemeindeverbands durch.

So ein Mist
Im Ravensburger Kreistag gibt es seit Längerem Bestrebungen, dieses Müllkarussell zu stoppen und damit unnötige Transporte zu vermeiden. Am Montag fand ein Treffen zwischen dem Landkreis Ravensburg, den beteiligten Unternehmen und dem Gemeindeverband Vorarlberg statt.
“Wir haben diskutiert, ob es entsprechend dem Vergaberecht und den Ausschreibungsergebnissen in den Verträgen Möglichkeiten gäbe. Aber es ist sehr, sehr schwierig beziehungsweise faktisch unmöglich, da etwas anderes zu machen”, berichtet Peter Hohlbrugger, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt beim Vorarlberger Gemeindeverband, nach dem Gespräch. Weitere derartige Treffen seien in näherer Zukunft jedenfalls keine geplant. Wenn sich am EU-Recht nichts ändere, dann bleibe alles so wie es ist.

Das Landratsamt hatte vorgeschlagen, den Bioabfall über Subunternehmen zwischen den beauftragten Firmen auszutauschen. Alles in allem geht es um rund 18.000 Tonnen Haushaltsbiomüll, die ab dem kommenden Jahr jährlich per Lkw von Vorarlberg nach Deutschland geschickt werden. Umgekehrt landen 10.000 Tonnen Biomüll aus dem Landkreis Ravensburg in der Biogasanlage der Firma Loacker in Lustenau. “Man hat natürlich in der Theorie über Tauschmöglichkeiten gesprochen, aber die Bioabfälle werden anders gesammelt. Im Landkreis Ravensburg sammelt man in der Tonne. Bei uns wird in Säcken gesammelt. Das stellt auch die Verarbeitungsanlagen vor Herausforderungen”, hält Hohlbrugger fest. In Vorarlberg habe man generell alles auf die Sammlung in Deutschland ausgerichtet. Da jetzt die Bremse zu ziehen und alles auf komplett andere Füße zu stellen, sei praktisch unmöglich, ergänzt er.
Dass sich durch die neue Lösung eine Verkehrsmehrbelastung ergibt, glaubt man beim Gemeindeverband nicht. Mit der Umstellung am 1. Jänner 2024 soll auch eine neue Umladestation in Betrieb gehen. Statt in Lustenau-Königswiesen steuern die Lkw künftig Rankweil an.