Runter vom Abstellgleis

Der Verein “Pro Bahn Vorarlberg” bringt alte Schienenfahrzeuge wieder auf Vordermann.
wolfurt Dieses Hobby ist nichts für Menschen mit wenig Platz. Die Mitglieder des Vereins „Pro Bahn Vorarlberg“ fahren nämlich auf die ganz großen Gefährte ab. Die Halle am Güterbahnhof Wolfurt, in der die Besitztümer untergebracht sind, ist knapp 200 Meter lang. Das Gewicht jedes einzelnen geht weit in den zweistelligen Tonnenbereich.

Einst als verkehrspolitischer Verein gegründet, dreht sich bei „Pro Bahn Vorarlberg“ heute alles um den Erhalt von alten Schienenfahrzeugen. Angefangen hat alles mit einem Postwagen. Zu den jüngsten Anschaffungen zählen vier ehemalige ÖBB-Schlierenwagen, die der Verein Ende 2020 von der ungarischen Raaberbahn abgekauft hat. „Seit zwei Jahren sind wir voll dran“, sagt Obmann Markus Rabanser (56). Drei Wagen will der Verein in Betrieb nehmen, der vierte dient als Ersatzteilspender. „Die Wagen waren ab den 1970er-Jahren bei uns flächendeckend im Einsatz. Es gab dabei die kuriose Aufteilung, dass im Osten die neuen Loks und die alten Wagen und in Vorarlberg alten Loks und neue Wagen unterwegs waren“, erzählt Christian Kaizler (57), der das Projekt leitet.

In den vergangenen Monaten wurden die Schienenfahrzeuge mit dem plüschig-nostalgischen Charme in 6000 Arbeitsstunden technisch aufgearbeitet und im traditionellen ÖBB-Tannengrün neu lackiert. Bis im Sommer sollen sie einsatzbreit sein. „Sie bestechen durch einen bis heute nicht mehr erreichten Reisekomfort. Es ist ein Schweizer Patent. Die Österreicher haben den erste Klassewagen aus der Schweiz als zweite Klassewagen übernommen“, schwärmt Kaizler, der bereits bei der Renovierung der Rheinbähnle-Dampflok St. Gallen und des MS Oesterreich mit an Bord war.

























160 Mitglieder
“Pro Bahn Vorarlberg” zählt knapp 160 Mitglieder, rund 25 davon bringen sich aktiv ein. Die jüngsten sind im Teenageralter. Peter Schlacher ist mit seinen 75 Jahren einer der Ältesten im Verein. „Es tut gut, wenn man etwas zu tun hat in der Pension”, sagt der gelernte Elektriker und lacht.
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Demnächst steht die erste von insgesamt fünf öffentlichen Fahrten im Jahr an. Einmal im Jahr wird traditionell eine Mehrtagesfahrt angeboten. Auch für Charterfahrten sind die Mitglieder jederzeit zu haben. Im Einsatz ist auch heuer wieder der gelb-rote Triebwagen Baujahr 1935, der ab 1965 auf den Schienen der Montafonerbahn unterwegs war. “Das Fahrzeug ist 100 km/gelaufen. Es war der schnellste Privatbahn-Triebwagen Österreichs”, merkt Obmann Markus Rabanser an.