So geht es der Familie von Janine G.

Vorarlberg / 02.03.2023 • 05:55 Uhr
So geht es der Familie von Janine G.

“Sie befindet sich in der zweiten Trauerphase. Prozessabschluss wäre wichtig”, sagt Opferanwalt Stefan Denifl.

Dornbirn Die Familie von Janine G. hat Unvorstellbares durchgemacht. Ihre Tochter wurde getötet, der Schmerz war unendlich. Die enorme Öffentlichkeit rund um den Fall ließ sie lange nicht zur Ruhe kommen. Jetzt, ein Jahr nach der Tat, erinnern sich viele an das, was in jener verhängnisvollen Nacht geschah.

Die Tragödie vom 3. März des Vorjahres bleibt unvergessen, die Erinnerung an Janine G. wird entsprechend gewürdigt. <span class="copyright">VN</span>
Die Tragödie vom 3. März des Vorjahres bleibt unvergessen, die Erinnerung an Janine G. wird entsprechend gewürdigt. VN

Wie geht es Janine G.’s Liebsten ein Jahr nach der furchtbaren Tat? “Sie befinden sich in der zweiten Trauerphase”, sagt Opferanwalt Stefan Denifl. Sie können den Alltag bewältigen und auch arbeiten. Aber es ist alles sehr schwer für sie.” Denifl weiß: Eine echte seelische Verbesserung der Situation kann erst dann eintreten, wenn der Prozess vorbei ist, der/die Täter verurteilt.

Menschliche Dimension

Denifl steht der Familie mit Rat und Tat zur Verfügung. “Ich gebe ihnen Antworten auf alle Fragen, die sie in Bezug auf die weitere Entwicklung der Sache haben. Es ist klar, dass für mich, den Anwalt, alles auch eine menschliche Dimension hat. Du kannst bestimmte Informationen nicht 1:1 einfach so weitergeben. Du musst Dinge schon entsprechend aufbereiten bevor du sie verständlich und einfühlsam kommunizierst.

<p class="caption">Rechtsanwalt Stefan Denifl ist Privatbeteiligtenvertreter der Angehörigen von Janine G. Er weiß, wie sich die Familie fühlt. <span class="copyright">VN/Sohm</span></p>

Rechtsanwalt Stefan Denifl ist Privatbeteiligtenvertreter der Angehörigen von Janine G. Er weiß, wie sich die Familie fühlt. VN/Sohm

Am meisten belaste die Angehörigen, wenn Details der Tat öffentlich breitgetreten werden. Hilfe brauchen sie immer. “Am besten helfen können Angehörigen eines Verbrechenopfers Personen aus ihrem persönlichen oder familiären Umfeld”, weiß Denifl.

In dieser Wohnung geschah das Verbrechen am 3. März des Vorjahres. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
In dieser Wohnung geschah das Verbrechen am 3. März des Vorjahres. VN/Hämmerle

Warten auf Anklageschrift

Der Anwalt kann auf reiche Erfahrung im Umgang mit Angehörigen von Verbrechensopfer zurückgreifen. Das hilft ihm. “Du bekommst ein Gefühl für die Personen. Du lernst einzuschätzen, wie du mit ihnen am besten kommunizierst.”

Juristisch beurteilt Denifl die ganzen Vorgänge bis zur Erstellung einer Anklageschrift als normal. “Bis die Anklageschrift steht, müssen bei einem Mord alle Details beachtet werden. Hier war es so, dass ein Verdächtiger erst später Aussagen gemacht hat. Das muss dann natürlich alles berücksichtigt werden.” Ein Jahr von der Tat bis zu einer Anklageschrift sei keine außergewöhnlich lange Zeit.

Seine Mandanten hält er stets auf dem Laufenden. “Ich erkundige mich in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand.”

Spezielle Belastung

Dass der Prozess für die Angehörigen eines Mordopfers ein ganz spezielle Belastung darstellt, ist Denifl bewusst. Ob die Eltern von Janine G. diesem Prozess beiwohnen werden, kann der Jurist nicht beantworten. “So lange kein Termin feststeht, ist das auch kein Thema.” Grundsätzlich rät er seinen Mandanten, sich das nicht anzutun. “Aber letztlich entscheiden sie selber. Die einen gehen, viele nicht.”