Alexander G.: „Mein Sohn ist nicht mehr derselbe“

Im Gespräch mit den VN: Was der Wiener Unternehmer und Vater des angeblichen Missbrauchsopfers zu sagen hat.
Wien, Lech Alexander G. aus Wien verbringt den Winterurlaub mit seiner Familie seit etlichen Jahren in Lech. So auch im vergangenen Jänner. Mit dabei war der dreijährige Sohn des Ehepaars.

Zustand verschlechtert
Im Gespräch mit den VN schilderte der Familienvater die unheilvollen Entwicklungen, die der Aufenthalt im Vorarlberger Nobelskiort mit sich brachte: „Vom 9. bis 13. Jänner wollten wird unseren Sohn einer speziellen Einrichtung zur Betreuung geben. Dann, ab dem 12. Jänner ging es dem Buben körperlich plötzlich schlechter. Er wollte auf keinen Fall mehr in die Einrichtung gehen. Daraufhin wurde ich sensibilisiert und betreute ihn selbst.“
Der Kleine habe am nächsten Tag noch an einem Skirennen teilgenommen. „Doch als wir danach die Medaille abholen wollten, weigerte sich unser Sohn, dort hinzugehen.“
Nach der Rückkehr nach Wien habe der Dreijährige am 16. Jänner seinen Eltern zum ersten Mal mitgeteilt, dass ihm ein Mann an das Gesäß gegriffen habe. Außerdem sei er von ihm auch geschlagen und gewürgt worden.

Bei diesem Mann handle es sich um einen „Pädagogen der betreffenden Kinderbetreuungseinrichtung“, so Alexander G. wörtlich. „Der Herr wurde uns in der Betreuungseinrichtung als Skilehrer vorgestellt“, fährt der Wiener Unternehmer fort und fügt hinzu: „In den vergangenen Jahren hatten sich dort nur Frauen um die Kinder gekümmert.“
“Kind weinen gehört”
Zuhause in Wien seien die Verhaltensstörungen bei seinem Kind immer auffälliger geworden, sagte der Vater gegenüber den VN. „Eines Morgens habe ich meinen Sohm im Bett liegend weinen gehört. Als ich ihn auf den Grund ansprach, gab er einen schlechten Traum an, über den er jedoch nicht berichten wollte. Dabei beschrieb er die Situation, die keinen Zweifel an einer möglichen Tat lässt“, schilderte G. und: „Seit drei Wochen gehe ich nicht mehr zur Arbeit und kümmere mich um meinen Sohn. Aber er ist nicht mehr derselbe.“ Bereits am 20. Jänner konsultierte der Unternehmer für den Dreijährigen eine Psychologin, die das Kind umgehend einer Therapie unterzog. Das psychologische Gutachten liegt den VN vor.
“Böser Mann”
Für Alexander G. steht der Schuldige fest. Es könne nur der betreffende „Pädagoge“ gewesen sein. Der Wiener verfügte über ein Foto des Mannes. „Mein Sohn konnte ihn insoweit als Tatverdächtigen identifizieren, als er ihn als bösen Mann bezeichnete.“ Am 25. Jänner erstattete G. bei der Polizei Wien Anzeige wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs. Gleichzeitig konsultierte er den Wiener Rechtsanwalt Nikolaus Rast als Rechtsvertreter.

Vertuschungsvorwurf
Der Vater des Dreijährigen befürchtet, die auf Kinder spezialisierte Betreuungseinrichtung wolle den Übergriff “vertuschen”, wie er in einer Zeugeneinvernahme gegenüber Wiener Kriminalisten erklärte, die den VN schriftlich vorliegt. Der tatverdächtige Betreuer und eine weitere Mitarbeiterin, die den Missbrauch möglicherweise mitbekommen habe, würden nicht mehr in der Einrichtung arbeiten. “Ich habe den Verdacht, dass die Verantwortlichen darüber in Kenntnis sind, dass Kinder missbraucht worden sind und dass die beiden Verdächtigen aus diesem Grund nicht mehr dort anwesend sind”, gab der Vater zu Protokoll.
Reaktion aus Lech: Bürgermeister meldet sich zu Wort
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen zu einem möglichen Missbrauchsfall eines Kindes in Lech, hat der Bürgermeister der Gemeinde Lech, Gerhard Lucian, umgehend eine Sitzung einberufen, um sich über die Sachlage zu informieren.
„Es ist ein schockierender Verdacht für uns alle in der Tourismusgemeinde Lech. Daher ist es in unser aller Interesse, dass es zu einer schnellen Aufklärung dieses Vorwurfs kommt. Nach unserem aktuellen Wissenstand wird gegen einen Mitarbeiter einer privaten Gästekinderbetreuungseinrichtung ermittelt, nicht gegen Skischulen. Ich habe mit der betroffenen Betreuungseinrichtung gesprochen. Deren Leitung ist ebenso entsetzt von diesem Verdacht und wird alles unternehmen, um die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen“, so Bürgermeister Lucian in einer Aussendung.
Wie Lucian mitgeteilt worden sei, arbeite der Mitarbeiter nicht mehr in dieser Einrichtung, da das Arbeitsverhältnis ohnehin bis Ende Jänner befristet war. „Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Polizei und der Behörden, hoffen auf eine schnelle Aufklärung und unterstützen nach allen Kräften“, unterstreicht Lechs Bürgermeister.
Stichwort: Kinderschutzpaket
Lange rang die türkis-grüne Bundesregierung um eine Einigung für ein neues Kinderschutzpaket, vergangene Woche präsentierte die Koalition dann doch noch einen fertigen Ministerratsvortrag. Ein „Maßnahmenpaket zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt mit dem Fokus auf sexuelle Gewalt“ beinhaltet verschiedene Aspekte, die nun in die gesetzliche Umsetzung gehen. Geplant ist unter anderem, die Strafdrohung bei Sexualdelikten zu erhöhen und eine Lücke beim Tätigkeitsverbot zu schließen.
Teil dieses Pakets sind auch die sogenannten Kinderschutzkonzepte, die nach internationalen Standards flächendeckend implementiert werden sollen. Verpflichtend sollen diese etwa an allen österreichischen Schulen erstellt werden und als „Instrument zur Prävention von Gewalt und Übergriffen“ dienen. Außerdem werden „entsprechende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen“ für Lehrpersonen und die Schulaufsicht implementiert.
Der Wunsch der Grünen war es zunächst auch, diese Konzepte in allen Feldern, wo mit Kindern zusammengearbeitet wird, verpflichtend einzuführen, etwa in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen, in Sportvereinen oder etwa in Skischulen. Dafür gab es keine politische Einigung – auch aufgrund legistischer Schwierigkeiten wegen der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern.
Vielmehr wurde festgeschrieben, die Organisationen bei der Implementierung von Kinderschutzkonzepten zu unterstützen. Diese müssten bestimmten Kriterien entsprechen; kontrolliert durch eine unabhängige Qualitätssicherungsstelle. Und obwohl es in nicht-staatlichen Betrieben keine Verpflichtung für solche Konzepte geben wird, soll mit Gütesiegeln „gerade für Eltern ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal geschaffen werden“.
Anlaufstellen bei sexueller gewalt
Häufig sprechen Kinder nicht über die ihnen zugefügte sexuelle Gewalt. Verhaltensauffälligkeiten wie Schlafstörungen, Angstzustände und Rückzug in eine Fantasiewelt können aber stumme Hilferufe sein.
ifs Institut für Sozialdienste:
https://www.ifs.at/missbrauch.html
+43 5 1755-505
Rat auf Draht:
www.rataufdraht.at/themenubersicht/gewalt/sexueller-missbrauch-hilfe-fur-betroffene