Beton statt Edelkarosse

Der “Betonporsche”, das Vorarlberger Kunst- und Kultobjekt schlechthin.
bludesch 1971 war der berühmte Betonporsche in Vorarlberg das erste, anerkannte Konzeptkunstwerk. Zur Eröffnung einer Ausstellung von Gottfried „Göpf“ Bechtold wurde ein Porsche 911 in Beton, detailgetreu von einem realen Porsche abgegossen, auf einem Parkplatz vor der Galerie abgestellt.

Kunstgeschichte und Denkmal
Es handelt sich hierbei um eine sehr widersprüchliche Konstruktion: Die Marke Porsche steht gemeinhin für extrem schnelle Fahrzeuge, die Geschwindigkeit wird jedoch durch den Beton gehemmt, ja sogar komplett aufgehoben.

Damals war das Kunstwerk lange Tagesgespräch weit über kunstinteressierte Kreise hinaus. Wie Bechtold sagt, muss der Künstler provozieren und sucht dazu Mittel, um wachzurütteln. Was damals Provokation war, ist heute Kunstgeschichte und Denkmal, gerade weil heute der Autoverkehr zur problematischen Angelegenheit wird. 2006 wollte dann der ehemalige Direktor des Kunsthauses Bregenz (KUB), Eckhard Schneider, mit Bechtold eine Ausstellung machen. Schneider war von 2000 bis 2008 Direktor des Ausstellungshauses und für viele der bekanntesten KUB-Ausstellungen verantwortlich, darunter beispielsweise die Ausstellungen von Louise Bourgeois, Olafur Eliasson, Anish Kapoor und Jeff Koons.
Elfmal so viel Gewicht
Bechtold: „Sie sollte Bezug auf meine Geschichte haben. Da ich auch endlich mit meinem Porsche Schluss machen wollte, deckte ich diesmal den Porsche zu und machte ein Betonstilleben mit abgedecktem Porsche. Und diese neue Arbeit mit dem Titel „Elf /Elf“ entstand aus der Tatsache, dass ein Betonporsche elfmal so viel wiegt wie das Original und so definiert sich diese Ausstellung.“


Die elf Porsches des Künstlers wurden unter anderem im Museum Lentos ausgestellt, als Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas war. Heute können sechs der elf Porsches als Dauerleihgabe des Künstlers an das Kunsthaus auf Gaisbühel in Bludesch besichtigt werden, dort werden sie öffentlich zugänglich gelagert. Es ist auch für Institutionen möglich, solche Kunstwerke temporär für Ausstellungen auszuleihen. Angemerkt muss werden, dass der Autodidakt dem traditionellen Galeriebetrieb zeitlebens ähnlich kritisch gegenüberstand wie einem traditionellen Kunststudium. „Eine Uni habe ich erstmals als Gastprofessor von innen gesehen“, schmunzelt der Künstler. „Während der Pandemie habe ich über 200 Tierbilder gezeichnet und ein weiteres Großprojekt am Rüfikopf zum Thema Seilbahnen steht ebenfalls an.“ Auch als mehrfacher Großvater geht „Göpf“ seinen Weg unbeirrt weiter und rät dies auch jungen Künstlern: „Halte dich vom Mainstream fern und zieh dein Ding durch. Wenn es gut ist, wirst du garantiert erfolgreich sein!“ HAB
