Papst und Bischof prangern Gesetze gegen Homosexuelle an

Vorarlberg / 26.01.2023 • 04:55 Uhr
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Papst Franziskus fand klare Worte zur Ausgrenzung von LGBTQ-Menschen. AP.

Franziskus kritierte auch Bischöfe, die diese Gesetze tolerieren.

feldkirch rom Papst Franziskus (86) hat Gesetze zur Kriminalisierung von Homosexualität als ungerecht bezeichnet. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte er, Gott liebe alle seine Kinder so, wie sie seien. Dabei wurde Franziskus auch deutlich: “Homosexuell zu sein ist kein Verbrechen“, betonte der Papst und kritisierte, dass katholische Bischöfe in einigen Teilen der Welt Gesetze tolerieren, die Homosexualität kriminalisieren oder die LGBTQ-Gemeinschaft diskriminieren. Franziskus forderte diese Bischöfe auf, LGBTQ-Menschen in ihren Gemeinden willkommen zu heißen.

Große Unterschiede

Diözesanbischof Benno Elbs (62) unterstützt diese Aussage „voll und ganz“, wie er im Gespräch mit den VN erklärte. Das Thema sei auch bei der Familiensynode diskutiert worden, berichtet Elbs aber von großen Unterschieden in der Beurteilung dieser Frage. Wie sein oberster Kirchenhirte vertritt der Vorarlberger Diözesanbischof den Grundsatz, dass kein Mensch wegen seiner religiösen und sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf, sondern jedem Menschen mit der Haltung der Barmherzigkeit, der Liebe, des Respekts und der Wertschätzung begegnen soll. Die Realität sieht jedoch anders aus. Weltweit stehen einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivitäten laut The Human Dignity Trust, der sich für die Abschaffung solcher Gesetze einsetzt, in 67 Ländern oder Gerichtsbarkeiten unter Strafe. Elf von ihnen können sogar die Todesstrafe verhängen. Experten sagen, dass selbst dort, wo die Gesetze nicht zur Anwendung kommen, sie zu Stigmatisierung und Gewalt gegen LGBTQ-Menschen beitragen. Franziskus erklärte solche Gesetze für ungerecht. Die katholische Kirche könne und solle sich dafür einsetzen, dass sie abgeschafft werden: “Sie muss das tun.“

Bischof Benno Elbs unterstreicht die Haltung des Papstes mit eigenen Worten. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Bischof Benno Elbs unterstreicht die Haltung des Papstes mit eigenen Worten. VN/Steurer

Sorge wegen Ausgrenzung

Nach Meinung Benno Elbs denkt der Papst da an zivilrechtliche Regelungen, wie es sie hier für homosexuelle Menschen bereits gibt. Als Beispiele nennt er das Erb- und Vertretungsrecht und das Besuchsrecht im Spital, vor allem aber die Ablehnung der Kriminalisierung. „Es ist ein Thema, das polarisiert“, räumt Elbs ein, zeigt sich gleichzeitig jedoch überzeugt, „dass wir schon für eine Welt stehen, in der alle Menschen einen Platz haben und die Kirche eine Heimat für alle Menschen ist.“ Es stehe außerdem niemandem von uns zu, über die Lebensform anderer Menschen zu urteilen, zitiert er Franziskus, der einmal die Frage stellte: „Wer bin ich, dass ich das Leben eines anderen Menschen beurteilen kann? Das sollen und dürfen wir dem lieben Gott überlassen.“

Der Bischof führt immer wieder Gespräche mit homosexuellen Menschen. „Ihre größte Sorge ist es, ausgegrenzt zu werden“, erzählt er. Häufig bekomme er auch die Frage gestellt, wie die Kirche dazu stehe. Er kann beruhigen. Elbs verweist auf den von der Diözese eingerichteten Arbeitskreis der Homosexuellenpastoral: „Alle arbeiten an einer Gesellschaft mit, in der jeder in Würde leben kann.“