Aufweitung der Kapfschlucht hat massive Auswirkungen auf Radverkehr in Feldkirch

Vorarlberg / 22.01.2023 • 15:30 Uhr
Aufweitung der Kapfschlucht hat massive Auswirkungen auf Radverkehr in Feldkirch
Ende Dezember haben die Vorarbeiten für die Baustelle in der Kapfschlucht begonnen. Auch Radfahrer wie Martin Mäser sind von den Arbeiten betroffen.VN/Haller

Die anstehenden Bauarbeiten in Feldkirch haben gravierende Auswirkungen auf den Radverkehr. Für den Pendler Martin Mäser wäre eine zweite Behelfsbrücke eine gute Lösung.

Feldkirch Im Dezember fiel der Startschuss für die Vorarbeiten zur Aufweitung der Kapfschlucht in Feldkirch. Das mit 24 Millionen Euro veranschlagte Megaprojekt soll die Montfortstadt gegen ein mögliches 100-jähriges Hochwasser schützen. Die Innenstadtbewohner und Gewerbetreibende der 140 Wohn- und 170 Gewerbeobjekte dürften nach Abschluss der umfangreichen Bauarbeiten, die in den kommenden Jahren anstehen, besser schlafen. Anrainerinnen und Anrainer des Ardetzenbergs befürchteten jedoch schon im Vorfeld der Bauarbeiten negative Auswirkungen (die VN berichteten).

Martin Mäser fährt täglich mit dem Rad vom Bahnhof Feldkirch zum Landeskrankenhaus. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Martin Mäser fährt täglich mit dem Rad vom Bahnhof Feldkirch zum Landeskrankenhaus. VN/Haller
Bald wird die Kapfschlucht für Radfahrende gesperrt sein.<span class="copyright"> VN/Haller</span>
Bald wird die Kapfschlucht für Radfahrende gesperrt sein. VN/Haller

Radrouten betroffen

Auch Radfahrer wie Martin Mäser (40) wird die Sperre der Kapfstraße massiv betreffen. Der in Dornbirn wohnhafte Kinderarzt pendelt täglich mit seinem Faltrad vom Bahnhof Feldkirch zu seinem Arbeitsplatz am Landeskrankenhaus in Tisis.

Die Kapfstraße ist eine beliebte Route für Radfahrerinnen und Radfahrer. Bald wird sie gesperrt  sein. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Die Kapfstraße ist eine beliebte Route für Radfahrerinnen und Radfahrer. Bald wird sie gesperrt sein. VN/Haller
Dass die Stadt Feldkirch die Churerstraße 2021 zur einer Fahrradstraße gemacht hat, findet Mäser sehr positiv.
Dass die Stadt Feldkirch die Churerstraße 2021 zur einer Fahrradstraße gemacht hat, findet Mäser sehr positiv.

Die Baumaßnahmen, bei denen denen unter anderem die Heilig-Kreuz-Brücke abgerissen wird, haben gravierende Auswirkungen für den Radverkehr. Die Kapfstraße ist Drehkreuz für sanfte Mobilität, durch sie ziehen zwei Landesradrouten zum einen in Nord-Süd und zum anderen in Ost-West-Richtung. Seit die Stadt Feldkirch im September 2021 die Churerstraße zu einer Fahrradstraße erklärt und die untere Carinagasse durch Einbahnregelungen deutlich verkehrsberuhigt hat, ist die Strecke für Fußgängern und Radfahrer noch attraktiver geworden, was der Eindruck beim VN-Lokalaugenschein bestätigt.

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Für Radfahrer und Fußgänger wird derzeit ein Behelfssteg von Gisingen, Nofels und Tosters kommend in den Stadtteil Kehr errichtet. Diese Rad- und Fuß-Verbindung verläuft dann über den Innenhof zwischen Gilmstraße und Graf-Hugo-Wuhrgang, die Finanzlandesdirektion und die Schillerstraße in Richtung Altstadt.

Derzeit wird der Behelfssteg in den Stadtteil Kehr errichtet. Die Bauarbeiten werden die nächsten Jahre andauern. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Derzeit wird der Behelfssteg in den Stadtteil Kehr errichtet. Die Bauarbeiten werden die nächsten Jahre andauern. VN/Haller

Gefährliche Alternativroute

“Während die Ost-West-Achse durch den provisorischen Steg weiterhin gut funktionieren wird, ist die Situation für die Nord-Süd-Achse nicht so gut gelöst”, zeigt sich Mäser beim Lokalaugenschein besorgt. “Radfahrer, die in Richtung Norden zum Beispiel zum Bahnhof unterwegs sind, treffen nach den aktuellen Umleitungsplänen auf Höhe Graf-Hugo-Wuhrgang auf die stark befahrene L191 (Liechtensteiner Straße).”

Künftig müsste der Kinderarzt zwei Mal die stark befahrene Liechtensteinerstraße queren. "Radstreifen wie diese hier werden in den Benelux-Staaten nicht umsonst  als Todesstreifen bezeichnet", sagt Mäser. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Künftig müsste der Kinderarzt zwei Mal die stark befahrene Liechtensteinerstraße queren. "Radstreifen wie diese hier werden in den Benelux-Staaten nicht umsonst als Todesstreifen bezeichnet", sagt Mäser. VN/Haller
Mäser vor der stark befahrenen Bärenkreuzung, die für ihn als Alternativroute nicht in Frage kommt. <span class="copyright">VN/Haller</span>
Mäser vor der stark befahrenen Bärenkreuzung, die für ihn als Alternativroute nicht in Frage kommt. VN/Haller

Als Pendler würde der Umweg durch die Altstadt ein hoher Zeitverlust bedeuten. “Für Radpendler, die zum Bahnhof wollen ist dies unattraktiv”, betont Mäser. Alternativ müsste die L191 gequert werden, um über die Montfortbrücke bis zum Churer Tor zu gelangen, um dort erneut die stark befahrene L191 zu queren, um schlussendlich wieder auf das Landesradroutennetz zu gelangen. Insbesondere für vulnerable Gruppen wie Kinder oder ältere Menschen ist das ein gefährlicher Abschnitt, betont der Kinderarzt. “Als weitere Möglichkeit Richtung Bahnhof bleibt die Bärenkreuzung, was für Radfahrer lebensgefährliche Situationen bedeuten kann”, sagt der erfahrene Radpendler.

Aufweitung der Kapfschlucht hat massive Auswirkungen auf Radverkehr in Feldkirch

Zweite Behelfsbrücke gefordert

Martin Mäsers Vorschlag wäre ein zweiter Behelfssteig parallel zur Montfortbrücke, der nur für Radfahrer und Fußgänger zugänglich ist. “Mir ist bewusst, dass so ein Steg nicht innerhalb von zwei Tagen gebaut werden kann. Aber gerade mit dem Argument, dass die Montfortbrücke 2026 ebenfalls abgetragen wird, wäre dieser neue Steg eine Alternative, die über mehrere Jahre bis zum Abschluss der Bauarbeiten genutzt werden könnte”, ist der Dornbirner, der seit drei Jahren auch Mitglied bei der Radlobby Vorarlberg ist, überzeugt. “Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass wenn sicherere Radinfrastruktur gebaut wird, diese auch genutzt wird. Beste Beispiele sind Utrecht oder auch Freiburg.”

Einen zweiten Steg nur für Radfahrer und Fußgänger parallel zur Montfortbrücke zu errichten, wäre nach Martin Mäsers Ansicht die ideale Lösung.<span class="copyright"> VN/HAller</span>
Einen zweiten Steg nur für Radfahrer und Fußgänger parallel zur Montfortbrücke zu errichten, wäre nach Martin Mäsers Ansicht die ideale Lösung. VN/HAller

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