Aufweitung der Kapfschlucht hat massive Auswirkungen auf Radverkehr in Feldkirch

Die anstehenden Bauarbeiten in Feldkirch haben gravierende Auswirkungen auf den Radverkehr. Für den Pendler Martin Mäser wäre eine zweite Behelfsbrücke eine gute Lösung.
Feldkirch Im Dezember fiel der Startschuss für die Vorarbeiten zur Aufweitung der Kapfschlucht in Feldkirch. Das mit 24 Millionen Euro veranschlagte Megaprojekt soll die Montfortstadt gegen ein mögliches 100-jähriges Hochwasser schützen. Die Innenstadtbewohner und Gewerbetreibende der 140 Wohn- und 170 Gewerbeobjekte dürften nach Abschluss der umfangreichen Bauarbeiten, die in den kommenden Jahren anstehen, besser schlafen. Anrainerinnen und Anrainer des Ardetzenbergs befürchteten jedoch schon im Vorfeld der Bauarbeiten negative Auswirkungen (die VN berichteten).


Radrouten betroffen
Auch Radfahrer wie Martin Mäser (40) wird die Sperre der Kapfstraße massiv betreffen. Der in Dornbirn wohnhafte Kinderarzt pendelt täglich mit seinem Faltrad vom Bahnhof Feldkirch zu seinem Arbeitsplatz am Landeskrankenhaus in Tisis.


Die Baumaßnahmen, bei denen denen unter anderem die Heilig-Kreuz-Brücke abgerissen wird, haben gravierende Auswirkungen für den Radverkehr. Die Kapfstraße ist Drehkreuz für sanfte Mobilität, durch sie ziehen zwei Landesradrouten zum einen in Nord-Süd und zum anderen in Ost-West-Richtung. Seit die Stadt Feldkirch im September 2021 die Churerstraße zu einer Fahrradstraße erklärt und die untere Carinagasse durch Einbahnregelungen deutlich verkehrsberuhigt hat, ist die Strecke für Fußgängern und Radfahrer noch attraktiver geworden, was der Eindruck beim VN-Lokalaugenschein bestätigt.
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Für Radfahrer und Fußgänger wird derzeit ein Behelfssteg von Gisingen, Nofels und Tosters kommend in den Stadtteil Kehr errichtet. Diese Rad- und Fuß-Verbindung verläuft dann über den Innenhof zwischen Gilmstraße und Graf-Hugo-Wuhrgang, die Finanzlandesdirektion und die Schillerstraße in Richtung Altstadt.

Gefährliche Alternativroute
“Während die Ost-West-Achse durch den provisorischen Steg weiterhin gut funktionieren wird, ist die Situation für die Nord-Süd-Achse nicht so gut gelöst”, zeigt sich Mäser beim Lokalaugenschein besorgt. “Radfahrer, die in Richtung Norden zum Beispiel zum Bahnhof unterwegs sind, treffen nach den aktuellen Umleitungsplänen auf Höhe Graf-Hugo-Wuhrgang auf die stark befahrene L191 (Liechtensteiner Straße).”


Als Pendler würde der Umweg durch die Altstadt ein hoher Zeitverlust bedeuten. “Für Radpendler, die zum Bahnhof wollen ist dies unattraktiv”, betont Mäser. Alternativ müsste die L191 gequert werden, um über die Montfortbrücke bis zum Churer Tor zu gelangen, um dort erneut die stark befahrene L191 zu queren, um schlussendlich wieder auf das Landesradroutennetz zu gelangen. Insbesondere für vulnerable Gruppen wie Kinder oder ältere Menschen ist das ein gefährlicher Abschnitt, betont der Kinderarzt. “Als weitere Möglichkeit Richtung Bahnhof bleibt die Bärenkreuzung, was für Radfahrer lebensgefährliche Situationen bedeuten kann”, sagt der erfahrene Radpendler.

Zweite Behelfsbrücke gefordert
Martin Mäsers Vorschlag wäre ein zweiter Behelfssteig parallel zur Montfortbrücke, der nur für Radfahrer und Fußgänger zugänglich ist. “Mir ist bewusst, dass so ein Steg nicht innerhalb von zwei Tagen gebaut werden kann. Aber gerade mit dem Argument, dass die Montfortbrücke 2026 ebenfalls abgetragen wird, wäre dieser neue Steg eine Alternative, die über mehrere Jahre bis zum Abschluss der Bauarbeiten genutzt werden könnte”, ist der Dornbirner, der seit drei Jahren auch Mitglied bei der Radlobby Vorarlberg ist, überzeugt. “Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass wenn sicherere Radinfrastruktur gebaut wird, diese auch genutzt wird. Beste Beispiele sind Utrecht oder auch Freiburg.”
