Wie Kardinal Schönborn Josef Ratzinger in Amt und Würden half

Vorarlberg / 18.01.2023 • 15:32 Uhr
Benedikt XVI. und Kardinal Christoph Schönborn 2007. Der in Vorarlberg aufgewachsene Kardinal gab den Ausschlag, dass Josef Ratzinger sich dem Amt gewachsen sah. <span class="copyright">EPA/Jäger</span>
Benedikt XVI. und Kardinal Christoph Schönborn 2007. Der in Vorarlberg aufgewachsene Kardinal gab den Ausschlag, dass Josef Ratzinger sich dem Amt gewachsen sah. EPA/Jäger

Der Privatsekretär des früheren Papstes betont in seinem Buch die Rolle des vorarlbergstämmigen Kardinals. Dieser ist davon wenig begeistert.

Vatikanstadt, Wien Erzbischof Georg Gänswein begleitete als Privatsekretär Josef Ratzinger über Jahrzehnte, sowohl durch das Pontifikat als Benedikt XVI. wie auch danach in dessen Altersruhesitz im Vatikan. Nun schlägt sein Buch über diese Zeit “Nient’altro che la verità” (Nichts als die Wahrheit) gerade in Österreich große Wellen.

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Denn Kardinal Christoph Schönborn bestärkte damals Joseph Ratzinger, eine mögliche Papst-Wahl anzunehmen. Dies erklärt Gänswein in dem Werk, das vergangene Woche auf Italienisch erschien. So habe der damals noch Münchner Kardinal Josef Ratzinger beinahe mit Panik reagiert, als sich eine mögliche Wahl zum Papst abzeichnete. “Als langsam der Gang der Abstimmungen mich erkennen ließ, dass sozusagen das Fallbeil auf mich herabfallen würde, war mir ganz schwindelig zumute”, zitiert Kathpress eine Rede Benedikts XVI. gegenüber einer Gruppe von deutschen Pilgern aus dem Buch. Schließlich gab es aus Ratzingers Sicht jüngere und damit mit mehr Elan geladenere Kandidaten für das Amt. Doch ein kleiner Brief aus dem Kollegium habe ich dann überzeugt, das Amt anzunehmen. Dass dieser Brief von Schönborn stammte, machte Gänswein nun durch das Buch publik.

Schönborn auf Besuch bei seinem früheren Lehrer und Papst Benedikt XVI. im Jahre 2010. Der Kardinal gab den Ausschlag, dass Josef Ratzinger das Amt annahm. <span class="copyright">AP Photo/Osservatore Romano</span>
Schönborn auf Besuch bei seinem früheren Lehrer und Papst Benedikt XVI. im Jahre 2010. Der Kardinal gab den Ausschlag, dass Josef Ratzinger das Amt annahm. AP Photo/Osservatore Romano

In dem Brief habe Schönborn Ratzinger an dessen Predigt zum Tode des Papstes Johannes Paul II. erinnert, welche er unter den Aufruf des Herrn an Petrus stellte, im nachzufolgen. “Wenn der Herr nun zu Dir sagen sollte ‘Folge mir’, dann erinnere Dich, was Du gepredigt hast. Verweigere Dich nicht! Sei gehorsam, wie Du es vom großen heimgegangenen Papst gesagt hast”, habe Schönborn ihn aufgefordert. Die Wege des Herrn seien nicht für die Bequemlichkeit geschaffen, sondern für das Große und Gute.

Schönborn ungehalten

Gegenüber Kathpress bestätigte Kardinal Schönborn am Mittwoch die Angaben Gänsweins, wonach er, Schönborn, Kardinal Ratzinger noch vor dem Konklave “ein Brieflein für den Fall des Falles” geschrieben habe. “Ja, das war so. Ich habe aber bisher bewusst darüber geschwiegen, obwohl es im Rahmen der Kardinalsversammlung geschehen ist, und nicht beim Konklave selbst”, sagte der Wiener Erzbischof.

2007 besuchte Benedikt XVI. seinen früheren Schüler in Wien. <span class="copyright">AP Photo/Robert Jaeger</span>
2007 besuchte Benedikt XVI. seinen früheren Schüler in Wien. AP Photo/Robert Jaeger

Kardinal Christoph Schönborn hat sich vom Buch von Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär des verstorbenen emeritierten Papstes Benedikt XVI., distanziert. Schönborn nannte “Nient’altro che la verità” über Gänsweins Leben an der Seite des deutschen Pontifex laut Kathpress vom Mittwoch eine “ungehörige Indiskretion”. “Ich finde es nicht richtig, dass so vertrauliche Dinge veröffentlicht werden, zumal vom persönlichen Sekretär.”

Gänswein begleitete Josef Ratzinger über Jahrzehnte hinweg und über das Sterbebett hinaus.<span class="copyright"> Vincenzo PINTO / AFP</span>
Gänswein begleitete Josef Ratzinger über Jahrzehnte hinweg und über das Sterbebett hinaus. Vincenzo PINTO / AFP

Auch darauf, dass Schönborn und Ratzinger per Du waren und sehr persönliche Gespräche führten, geht Gänswein in seinem Buch ein. Abgesehen von Benedikts Jugendfreunden sei Kardinal Schönborn, der dem Ratzinger-Schülerkreis angehörte, einer der wenigen gewesen, der seinen früheren Lehrer mit Du ansprach, schreibt Gänswein.

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Schönborn wuchs im Montafon auf. 1950 ließ sich seine aus der Tschechoslowakei geflohene Mutter Eleonore in Schruns nieder, geschieden und mit vier Kindern. Christoph Schönborn schlug die Priesterlaufbahn ein, seine Dissertation verfasste er an der Universität Regensburg bei Josef Ratzinger. Die beiden Priester blieben sich darüber hinaus verbunden: Der langjährige Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz ist, wie auch Ratzinger, langjähriges Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre. Eleonore Schönborn verstarb vergangenes Jahr kurz vor ihrem 102. Geburtstag.

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