KZ-Pläne in Lochau

In einem Brauereigebäude sollte eine Außenstelle des KZ Dachau errichtet werden.
Lochau Im Katalog der NS-Opferlager in Österreich, der vom Bundesdenkmalamt veröffentlicht wird, sind in Vorarlberg 100 Orte in 34 Gemeinden aufgelistet. Eine besondere Rolle nahm für die Nazis offenbar Lochau ein. Im Archiv des KZ Dachau gibt es jedenfalls Hinweise, dass in der Leiblachtalgemeinde ein Außenlager geplant war.

„Tatsächlich findet sich in einem Dokument in der Gedenkstätte Dachau ein Plan, auf dem Lochau als Außenstelle eingetragen ist. Sie wurde aber nicht in der Form eines Lagers mit Stacheldraht und Hütten und Krematorien für die Ermordeten und Geschundenen realisiert, sondern lediglich durch das Arbeitskommando in der Brauerei Reiner“, schildert der Vorarlberger Historiker Wolfgang Weber (58). Das Arbeitskommando kam laut Weber aus Bad Schachen, wo es seit etwa 1943 tätig war. Der Umzug nach Lochau erfolgte im April 1945, rund zwei Wochen vor der Befreiung durch die 1. Französische Armee.


Der Historiker erläutert: „Sechs der acht Personen, die nach Lochau kamen, meldeten sich für dieses Arbeitskommando, weil sie über Lochau nach Höchst und von dort nach St. Margrethen wollten. Es gibt eine Mitteilung des Schweizer Zolls, dass bei Kriegsende täglich bis zu 9000 Menschen über Höchst/St. Margrethen in die Schweiz flüchteten. Angeblich waren die sechs unter diesen Flüchtlingen.“ Die 20 Häftlinge kamen aus Deutschland, Polen und Slowenien. Zeugenberichten zufolge waren darunter auch ein Medizinprofessor, ein Ingenieur und ein argentinischer Konsul, die in dem Brauereigebäude Versuche zur Herstellung von blutstillenden Tabletten fortsetzen sollten.


Auf dem Gelände in Lochau befanden sich außerdem ein Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) und ein Lager für osteuropäische Zwangsarbeiter. Aus dem RAD-Lager wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung von der NS-Herrschaft im Mai 1945 ein Anhaltelager für ehemalige Nazis. “Dort waren sehr viele prominente Vorarlberger Nationalsozialisten eingesperrt, die aus heute noch sehr einflussreichen Familien stammten”, ergänzt Weber. Das Anhaltelager wurde im Volksmund, aber auch im behördlichen Schriftverkehr, gerne als KZ bezeichnet. Der französische Militärgouverneur verbot diese Bezeichnung im Herbst 1945.
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SS-Scherge war in Lochau einquartiert
Im Jahr 2009 wohnte der mutmaßliche NS-Kriegsverbrecher Josias Kumpf kurze Zeit in Lochau. Der gebürtige Serbe soll im Zwangsarbeitslager Trawniki an der Ermordung von 8000 Juden beteiligt gewesen sein. Er selbst bestritt die Taten bis zu seinem Tod.
Der staatenlose Kumpf, der von den USA abgeschoben wurde, war am 19. März 2009 in Wien gelandet. Am 3. April 2009 erkundigte sich ein Mann im Amt der Landesregierung nach Sozialhilfe für den damals 83-Jährigen. Als die Mitarbeiter herausfanden, um wen es sich dabei handelt, wurde die Sicherheitsdirektion informiert. Am 16. April kam die Mitteilung, dass Kumpf in einem Haus in Lochau gemeinsam mit seinem Schwiegersohn zur Untermiete lebt. Am 24. April wurde der pflegebedürftige SS-Scherge schließlich in einem Rollstuhl vor dem LKH Bregenz abgestellt. Am 18. Mai erfolgte die Überstellung ins LKH Rankweil und am 6. Juni nach Wien, wo er im Oktober 2009 starb.