Eine Rodel für das ganze Leben

Vorarlberg / 19.12.2022 • 11:00 Uhr
Werner und Edmund Johler haben das alte Rodelhandwerk voll im Griff. <span class="copyright"></span><span class="copyright">Alle VN/Paulitsch</span>
Werner und Edmund Johler haben das alte Rodelhandwerk voll im Griff. Alle VN/Paulitsch

Die Brüder Johler aus Alberschwende produzieren einzigartige Handwerksstücke.

Alberschwende “Andere Familien treffen sich zum Kaffeetrinken, wir zum Arbeiten”, sagt Werner Johler, grinst und tackert das nächste Band an die Rodel auf der Werkbank vor ihm. Nach und nach fertigt der Mann mit der braunen Latzhose und dem karierten Hemd dabei die Sitzfläche für das hölzerne Wintersportgerät.

Werner Johler verpasst der Holzrodel mit dem Tacker eine schwarze Sitzfläche.
Werner Johler verpasst der Holzrodel mit dem Tacker eine schwarze Sitzfläche.

Gemeinsam mit seinem Bruder Edmund taucht er an diesem Vormittag wieder in die Welt der Handwerkstradition ein. Mittlerweile fertigen die Brüder Johler seit 40 Jahren in ihrer Werkstatt in Alberschwende nebenberuflich in Handarbeit Rodel an. Wie üblich gibt es vor Weihnachten noch einiges zu tun.

Millimetergenaue Arbeit: Edmund Johler befestigt die Metallschienen.
Millimetergenaue Arbeit: Edmund Johler befestigt die Metallschienen.

“Die Saison ist heuer spät angelaufen, weil der Schnee gefehlt hat”, berichtet Edmund Johler, während er einen Aufsatz zum Schieben an einen der Schlitten montiert. “Das ist im Grunde wie ein Bausatz”, erläutert er seine Arbeit.

Für diese Rodel gibt es einen "Kindersitz".
Für diese Rodel gibt es einen "Kindersitz".

Bei den Brüdern ist alles Millimeterarbeit, der Anspruch ist hoch. “So eine Rodel soll im Grunde lebenslang halten. Das ist kein Wegwerfprodukt”, sagt Werner Johler, während sein Bruder ein 50 Jahre altes Johler-Modell herzeigt, für welches eine Kundin eine Erweiterung in Form einer Sitzlehne für Kinder bestellt hat.

Auch einen Aufsatz zum Schieben haben die Brüder Johler in ihrem Sortiment.
Auch einen Aufsatz zum Schieben haben die Brüder Johler in ihrem Sortiment.

Gearbeitet wird in der Werkstatt mit heimischem Eschenholz. “Wir haben gerade das Holz für übernächstes Jahr ausgesucht”, berichtet Werner Johler. Für ihn und die Familie braucht beim Rodelbau “Gut Ding Weile”. Das Holz wird im Winter geschlagen und danach luftgetrocknet.

Das Holz wird im Sommer mit Dampf gebogen und ein Jahr gelagert.
Das Holz wird im Sommer mit Dampf gebogen und ein Jahr gelagert.

“Das ist wie ein edler Wein, der hier reift”, sagt er und zeigt auf die geschichteten Holzbretter im Schuppen hinter dem Haus. Im Sommer treffen sich die Johlers, um das Holz für die Kufen im Dampf zu biegen, welche wieder ein Jahr lang gelagert werden. Imprägniert werden die Rodel schlussendlich mit Leinöl.

“Wir setzen im Prinzip schon seit 114 Jahren auf Kreislaufwirtschaft”, sagt Werner Johler im Hinblick auf den Trend zu Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit statt Wegwerfwirtschaft.

Eine Bildergalerie in der Werkstatt erinnert an Zusammenhalt und Liebe zur Tradition.
Eine Bildergalerie in der Werkstatt erinnert an Zusammenhalt und Liebe zur Tradition.

Die Johler-Rodel werden inzwischen in dritter Generation von den Gebrüder Edmund, Reinhard und Werner hergestellt. “Unser Großvater war Wagner und hat die Rodeltradition von Liechtenstein mit ins Land gebracht”, erzählt Werner Johler. Produziert wurden in der Werkstatt zu Beginn Heuwagen und Hornerschlitten. Danach folgten Rodel, die beispielsweise zum Milchliefern verwendet wurden, später folgten Modelle für die Freizeit.

“Meine Geschwister und ich haben im Volksschulalter Kochlöffel hergestellt. Mit diesem Geschäftsmodell wollten wir die ganze Gemeinde versorgen”, erzählt Werner Johler und muss über die Anekdote herzhaft lachen. Im Erwachsenenalter stiegen die Brüder Johler dann nach dem Tod ihres Vaters Artur ins Rodelgeschäft ein, um ihre Mama Anna zu unterstützen. Aus geplanten sieben Jahren sind inzwischen 40 geworden und alle helfen mit.

Heuer sind wieder zahlreiche Rodel in Arbeit. Farben für Sitzfläche und Gurte können bei der Bestellung ausgesucht werden. Bis zur Lieferung dauert es einige Tage.
Heuer sind wieder zahlreiche Rodel in Arbeit. Farben für Sitzfläche und Gurte können bei der Bestellung ausgesucht werden. Bis zur Lieferung dauert es einige Tage.

Mittlerweile ist auch schon die vierte Generation mit im Boot und unterstützt handwerklich wie auch im Umgang mit dem Onlinegeschäft und Sozialen Medien. “Im Vorjahr kam plötzlich ein E-Mail aus Estland. Auch Anfragen aus Kanada gab es schon”, erzählt Werner Johler. Aufgrund des Aufwands hinsichtlich der Importbestimmungen und der Kosten werde nach Nordamerika allerdings nichts verschickt. Grundsätzlich stammen die Kunden aus Vorarlberg und dem Bodenseeraum. Auch an den Fachhandel wird geliefert.

Da das Thema Sicherheit für die Rodelbauer eine wichtige Rolle spielt und Sportrodel im Trend sind, bauen die Johlers inzwischen speziell auch für Jugendliche Schlitten. “Das ist eine Mischung aus Familien- und Sportrodel”, erklärt Werner Johler und zeigt eines der Modelle her, das leichter zu heben ist und mit dem dadurch leichter gebremst werden kann.

Die Brüder appellieren an die Rodelfans “ordentliche Schuhe anzuziehen. Auch ein Helm schadet nicht und bremsen darf man durchaus.” Vor allem auf Alkohol sollte beim Rodeln verzichtet werden. “Ein Glas Glühwein ist okay, aber nicht zehn”, sagt Werner Johler.

Obwohl es auch im Rodelbau inzwischen technische Fortschritte gibt, bleiben die Johlers beim alten Handwerk, der Tradition und der Präzision bis ins Detail. Dies, weil es so viele positive Rückmeldungen für die Handwerksstücke gibt.

Für die Brüder haben ihre Rodel einen ideellen und emotionalen Wert. Deshalb führen sie auch Reparaturen durch. Ebenso tauschen sie Bespannungen aus oder machen eine Wunschgravur. Von der Bestellung einer neuen Rodel bis zur Lieferung dauert es in der Regel einige Tage. Für Kurzentschlossene gibt es immer Zweisitzer mit Jutebespannung auf Lager.