Wie ein Busfahrer seinen Alltag erlebt

Busfahrer werden gesucht. Chauffeur Markus Böhler ist vor fünf Jahren als Quereinsteiger in die Branche gewechselt.
Rankweil Wenn Markus Böhler über seinen Job als Linienbusfahrer spricht, steht ihm die Begeisterung deutlich ins Gesicht geschrieben. “Viele denken, wir fahren nur im Kreis. Aber der Beruf ist sehr abwechslungsreich”, sagt der 51-Jährige und schmunzelt.

Der Chauffeur hat es in seinem Arbeitsalltag mit Passagieren aller Altersgruppen und in verschiedensten Lebenslagen zu tun. Manche würden zwar ab und zu etwas nörgeln. Probleme gebe es im Smartphone-Zeitalter aber grundsätzlich nur mehr wenige. “Es ist meist ziemlich ruhig im Bus. Wenn ich nach hinten schaue, tippen die meisten jungen Menschen am Handy herum. Manche vergessen hin und wieder sogar auszusteigen”, erzählt er weiter und muss lachen.

Böhler war früher in einer Druckerei beschäftigt und ist vor fünf Jahren wie viele seiner jetzigen Kolleginnen und Kollegen als Quereinsteiger in die Branche gewechselt. Er ist als Fahrer und Teamleiter bei Niggbus angestellt. Das mehrfach ausgezeichnete Unternehmen hat aktuell 28 Busse im Einsatz und fährt für den Vorarlberger Verkehrsverbund einige Landbuslinien sowie Stadtbuslinien in Feldkirch.
Wir suchen natürlich immer Leute, die Ausbildung dauert auch eine Weile.
Gerhard Pertoll, Geschäftsführer Niggbus
“Im Moment ist unser Bedarf zwar gedeckt, aber wir suchen natürlich immer Leute und die Ausbildung dauert ja auch eine Weile”, sagt Geschäftsführer Gerhard Pertoll. Er schätzt, dass allein im Oberland im Hinblick auf den Ausbau von Landbuslinien den Busunternehmen im nächsten Herbst 30 Fahrerinnen und Fahrer fehlen werden. Um dem akuten Fahrermangel entgegenzuwirken, initiierten Vertreter der Branche beispielsweise gemeinsam mit dem AMS im Frühjahr eine Jobbörse. Auch auf Teilzeitangebote, zum Beispiel nach einer Babypause, wird gesetzt.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Vorarlberg keine Auswirkungen auf den neuen Fahrplan. “Österreichweit fehlen massiv Lenker”, sagt VVV-Sprecherin Cornelia Kleboth. Während andernorts aufgrund von Personalengpässen bereits Linien ausgedünnt werden müssen, kann in Vorarlberg das Linienbusangebot auch mit dem neuen Fahrplan, der im Dezember kommt, aufrechterhalten werden. Bis dato habe man von den Verkehrsunternehmen jedenfalls keine gegenteilige Information erhalten.

Die Gründe für den Mangel an Linien- und Reisebusfahrern sind vielfältig. Zum einen sind auch die Fahrschulen personell am Limit, sagt Nigg-Geschäftsführer Pertoll. Zum anderen sind auch Pensionierungen genauso wie in anderen Branchen Thema und auch das Gehaltsthema. Bei Nigg wird zwar deutlich über dem Kollektiv bezahlt, doch es gibt Grenzen. “Die Aufträge werden europaweit ausgeschrieben und das günstigste Angebot gewinnt”, sagt Pertoll.
Chauffeur Markus Böhler hat jedenfalls Freude mit seinem Job. “Es ist auch ein krisensicherer Beruf”, sagt er. Gerne steht er dafür um 4 Uhr früh auf, um seine Passagiere an ihr Ziel zu bringen. “Man muss halt mit dem ganzen Verkehr klarkommen”, sagt der Chauffeur.