Von Vorarlberg nach Katar: “Das Land ist sehr pragmatisch”

Die Vorarlbergerin Caroline Adenberger ist Wirtschaftsdelegierte in Katar.
Schwarzach, Doha Im Jahr 2021 hat Österreich laut Außenwirtschaftsbericht Waren im Wert von 109 Millionen Euro nach Katar exportiert. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Autos, Feuerwehrfahrzeuge, Maschinen, Anlagen, Waren aus Eisen und Stahl sowie Möbel und Beleuchtungskörper. Auch Vorarlberger Firmen sind in dem Emirat erfolgreich unterwegs. Am Flughafen in Doha verbindet etwa eine Cable Liner von Doppelmayr das Terminal mit den Gates. Die Firma Haberkorn hat unlängst eine Hydraulikanlage für die Beschattung der Einkaufsstraße in der Al Hazm Mall in Doha geliefert. Erste Ansprechpartnerin vor Ort für österreichische Unternehmen ist ebenfalls eine Vorarlbergerin.

Caroline Adenberger (44) leitet seit August 2019 das Außenwirtschaftscenter in Doha. Die Katarer seien grundsätzlich sehr gastfreundlich und kontaktfreudig, erzählt sie. „Vor allem wenn man aus der Stadt rausfährt und sie in der Wüste trifft. In der kühleren Jahreszeit ist hier ,Camping-Saison‘ und viele Katarer verbringen Abende und das Wochenende in Camps in der Wüste wo man auch als ausländischer Gast willkommen ist.“ Die vielfach geäußerte Kritik an dem Land sieht sie differenziert.
„Armes Land“
Die 44-jährige Juristin ist in Fußach und Bregenz aufgewachsen. Nach dem Studium in Wien war sie beruflich in Washington, New York und Seoul unterwegs. Was sie an ihrem aktuellen Arbeitsort mag? „Mich interessiert das Land in seinem kulturellen und geopolitischen Kontext, und seine Entwicklung“, sagt die Wirtschaftsdelegierte. Katar sei sehr lange ein armes Land gewesen, in dem sich die Beduinen-Bevölkerung mit Perlenfischerei und Handel über Wasser hielt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde schließlich Erdöl entdeckt, 1971 das „North Field“-Gasfeld. „Katar hat es geschafft, sich mittels der Flüssiggas-Exporte innerhalb einer Generation wirtschaftlich zu stabilisieren. Parallel dazu hat die Frau von Alt-Emir Hamad Al Thani, Sheikha Moza, begonnen über die ,Qatar Foundation‘ Bildung in der Bevölkerung zu verankern“, merkt Caroline Adenberger an.

Die Vorgehensweise von Katar beschreibt die 44-Jährige als „sehr strategisch und pragmatisch“. Der Pragmatismus zeige sich nur in der Außenpolitik, sondern auch im täglichen Leben. „Während fast alle katarische Frauen in der Öffentlichkeit noch ein Kopftuch und einen weiten Mantel tragen, gibt es für ausländische Frauen keine Kleiderregeln“, berichtet sie. Auch was die Menschenrechtstandards und die Situation der Arbeitsmigranten betrifft, hätte sich in den letzten Jahren vieles getan. „Sie sind mit den zentraleuropäischen Standards zwar nicht vergleichbar, ich denke aber, man sollte Katar im historischen und regionalen Kontext betrachten und auch anerkennen, wie sich dieses kleine Land in weniger als einer Generation verändert hat. Statt pauschal zu verurteilen wäre es zielführender, den Dialog nach der WM weiterzuführen“, hält die Wirtschaftsdelegierte fest.