Energieautark leben: Familie Dona aus Schlins zeigt, wie das möglich ist

Energieautark zu leben ist angesichts der gestiegenen Energiepreise attraktiver denn je. Familie Dona aus Schlins ist schon seit einigen Jahren autonom unterwegs.
Schlins Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die Inflation sind schon seit einigen Monaten auch in Vorarlberg spürbar. Die Preise für Öl, Kohle, Gas und Strom sind in die Höhe geschnellt, Heizkosten erreichen neue Rekordwerte.
Nicht so bei Familie Dona aus Schlins. “Im gesamten Jahr 2021 haben wir für einen Drei-Personen-Haushalt 450 Euro für Energie gezahlt”, sagt Walter Dona nicht ohne Stolz. Damit betrieb er nicht nur das Einfamilienhaus, sondern auch den dazugehörigen Betrieb für Raumausstattung sowie das Elektroauto.

Mit den Themen Energie und Nachhaltigkeit beschäftigt sich der 64-Jährige schon länger. Angefangen habe es mit der Übernahme des elterlichen Hauses 1984, als das Thema Nachhaltigkeit noch gar nicht so präsent war. “Seither ist unser Haus zu 90 Prozent mit umweltfreundlicher Zellulose, hergestellt aus altem Zeitungspapier und Borsalz, gedämmt.” Denn jede eingesparte Kilowattstunde ist mindestens so viel wert wie eine produzierte, ist der Schlinser überzeugt.

“Andere haben mich belächelt”
Je eingehender sich Walter Dona mit der Materie befasste, desto stärker prägte sich seine ökologische Orientierung mit den Jahren aus. 2004 errichtete er eine erste, zwölf Quadratmeter große Brauchwasser-Solaranlage, die mittlerweile auf 25 Quadratmeter ausgebaut wurde. Zwei Jahre später folgte die Installation einer Wärmepumpe. 2012 errichtete er die nach Osten und Westen ausgerichtete Photovoltaikanlage (PV), die er vor zwei Jahren auf 14,86 kWp (elektrische Leistung von Solarzellen) erweitert hat.

2020 folgte eine Speicherbatterie mit 14,6 kWh. “Meine Frau Sonja und ich haben die Anlagen sogar selbst montiert. Lediglich der Anschluss muss vom Fachmann gemacht werden”, erzählt Walter Dona. Selbst bei Vollmond produziere die PV-Anlage noch ein wenig Strom. Im Dezember und Jänner reicht der Ertrag bei den Donas nicht für die Selbstversorgung und die Unterdeckung muss mit Strom aus dem Netz ausgeglichen werden.

Anfangs sei er von Bekannten für sein Vorhaben belächelt worden. “Viele meinten, dass sich das nie und nimmer amortisieren würde. Darum ging es mir in erster Linie aber gar nicht, sondern vielmehr um die Unabhängigkeit sowie den Nachhaltigkeitsgedanken”, erklärt der 64-Jährige, der in den Reparaturcafés Göfis und Klaus mitarbeitet und dort auch Interessierte berät.
Stromüberschuss
Heute ist das Haus der Donas energieautark. „Das ist ein irrsinnig gutes Gefühl”, strahlt der Unternehmer über das ganze Gesicht, wenn er von seiner Unabhängigkeit spricht. Rein rechnerisch bräuchten das Haus sowie der dazugehörige Betrieb keinen Strom mehr aus der Steckdose. Im Vorjahr betrug der Stromverbrauch für das Wohnhaus samt dem Gewerbebetrieb, die Wärmepumpe, die Brauchwassererwärmung und das Elektroauto 11.000 kWh, während die eigene Stromproduktion 14.300 kWh ausgemacht hat. Für das überschüssige Stromkontingent, das er einspeist, erhält er von der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG derzeit 51 Cent pro kWh.

“Wir müssen uns keine Sorgen mehr über die Energiekosten machen”, so der Schlinser. Mittlerweile fragen ihn Bekannte und Freunde um Rat. Andere mit seinem Konzept zu ermutigen, den Weg in die Energieunabhängigkeit zu gehen, das ist Walter Donas Ziel.

Dachfläche ausnutzen
Der Wunsch nach Energieautarkie ist in Vorarlberg bereits vor dem Krieg gestiegen. „Die Nachfrage nach PV-Beratungen und das Interesse an unseren Vortragsangeboten zur PV sind so hoch wie nie zuvor“, sagt Dieter Bischof, Photovoltaikexperte im Energieinstitut Vorarlberg. 2021 wurden laut Energieinstitut rund 1400 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 30.000 kWp installiert, so viele wie nie zuvor. Damit kann man den Strombedarf von über 6000 Durchschnittshaushalten decken. Um den eigenen Stromverbrauch mit einer PV-Anlage abzudecken, braucht es als Faustformel 1 kWp Leistung pro 1000 kWh Stromverbrauch. Im Durchschnittshaushalt im Einfamilienhaus sind das rund 5 kWp. So eine Anlage ist etwa 30 bis 35 m² groß. „Unabhängig vom Eigendeckungsgrad empfehlen wir, die Dachfläche auszunutzen und die PV-Anlage so groß wie möglich zu planen”, erklärt Bischof.
Die Errichtung einer PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus wird vom Bund in der Regel mit 285 Euro je kWp gefördert, informiert das Energieinstitut, das auch eine Vorortberatung anbietet. Je nach Technik und Größe der Anlage können es mehr oder weniger sein.
PV-Anlagen in Vorarlberg
Wie hoch der Eigendeckungsgrad (oder der „Autarkiegrad“) mit einer PV-Anlage (mit oder ohne Batteriespeicher) sein kann, lässt sich mit SUSI, der Strom-Unabhängigkeits-Simulation herausfinden: www.energieinstitut.at/susi
Die Errichtung einer PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus wird vom Bund in der Regel mit 285,- Euro je kWp gefördert. Je nach Technik und Größe der Anlage können es mehr oder weniger sein. Details und Förderinfos auf www.pvaustria.at
Das Energieinstitut Vorarlberg bietet eine Vorortberatung an, wenn man sich vor dem Gang zum Anbieter einen Überblick verschaffen will: www.energieinstitut.at/energieberatung. Außerdem finden regelmäßig kostenlose Infoabende statt. Termine unter www.energieinstitut.at/kalender