Darum fliegen viele Störche nicht mehr in den Süden

Vorarlberg / 07.11.2022 • 19:00 Uhr
Viele Störche fühlen sich bei uns schon längst auch im Winter wohl und bleiben hier. Auf Wanderschaft begeben sich die Jungvögel. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Viele Störche fühlen sich bei uns schon längst auch im Winter wohl und bleiben hier. Auf Wanderschaft begeben sich die Jungvögel. VN/Stiplovsek

An die 100 Exemplare der stolzen Vögel bevölkern derzeit noch die Wiesen im Rheintal.

Schwarzach Störche im Winter in unseren Breiten? Noch vor Jahren wäre ein solches Phänomen kaum denkbar gewesen. Doch die Zeiten haben sich verändert. Der Herbst und auch der Winter sind für viele der edlen Tiere kein Grund mehr, in den Süden zu ziehen. Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta und Mitinitiator des Storchenprojekts in Vorarlberg, bestätigt: “Ja, es sind derzeit viele Störche nicht in den Süden geflogen. Es könnten sich bis zu 100 Stück im Rheintal aufhalten.”

Es sind großteils nur noch die Jungvögel, die das für Störche typische Zugverhalten an den Tag legen und sich schon vor Wochen nach Sizilien, Spanien oder Marokko begeben haben.

Das Ried im Rheintal ist für Meister Adebar ein Paradies. Ein Nahrungsangebot besteht meist auch im Winter. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Das Ried im Rheintal ist für Meister Adebar ein Paradies. Ein Nahrungsangebot besteht meist auch im Winter. VN/Paulitsch

Flexibel und mobil

“Wir haben viele von diesen besendert und wissen genau, wo sie sich aufhalten”, berichtet Niederer. Die Jungvögel können in ihrem Mobilitätsverhalten durchaus flexibel sein. Es gibt welche, die fliegen in den Süden, kehren bald darauf wieder zurück, um dann erneut die Reise in die wärmeren Gefilde anzutreten. “Wenn’s bei uns plötzlich 15 Grad minus hätte, würden auch viele der jetzt anwesenden Störche spontan in den Süden fliegen”, weiß der Experte.

Eine geschlossene Schneedecke stellt für die Störche die größte Gefahr dar. Vor allem, wenn sie längere Zeit den Boden bedeckt.  <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Eine geschlossene Schneedecke stellt für die Störche die größte Gefahr dar. Vor allem, wenn sie längere Zeit den Boden bedeckt. VN/Hartinger

Immer mehr Störche

Grundsätzlich entwickeln sich die Störche im Rheintal prächtig. “Es werden immer mehr”, sagt Niederer. Zirka 80 Brutpaare registrierten die Vogelkundler heuer im Alpenrheintal, bis zu 300 Vögel gleichzeitig hielten sich zeitweilig bei uns auf. Niederer spricht von einer Fluktuation und meint damit auch Vogelzüge von Süddeutschland nach Vorarlberg. “Es ist einiges in Bewegung, und die Zahl der bei uns anwesenden Störche kann sich durch Zugbewegungen schnell verändern.”

Die Störche entwickeln sich im Rheintal prächtig. Wir konnten heuer bereits 80 Brutpaare registrieren.”

Walter Niederer, Begleiter des Storchenprojekts

Jene Störche, die überwintern, sind ältere Tiere. “Wenn sie zu brüten beginnen, werden viele sesshaft”, erzählt Niederer.

Walter Niederer ist einer der Mitbegründer des Storchenprojekts im Rheintal. Der Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheintal bemerkt Veränderungen. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Walter Niederer ist einer der Mitbegründer des Storchenprojekts im Rheintal. Der Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheintal bemerkt Veränderungen. VN/Hartinger

Genug Nahrung

Warum es sich für die Störche bei uns auch im Winter zumeist gut überleben lässt, ist offensichtlich. “Es ist wärmer geworden, und sie finden gut Nahrung.” Das habe auch mit der veränderten Form der Landwirtschaft zu tun. “Es wird mehr gemäht. Da finden die Störche leichter Kleintiere. Sie haben auch keine Angst vor Menschen. Das sieht man im Sommer, wenn sie hinter Mähtraktoren herlaufen, um dahinter Fressbares zu finden. Der Abfallverwerter Loacker ist ein zusätzlicher Nahrungsspender.”

So richtig eng kann’s für die Störche bei länger geschlossener Schneedecke werden. Aber wann gibt es die schon noch bei uns?