Attacken auf Gemälde: So schützen sich Museen in Vorarlberg
Bild-Schlitzerin und Störaktionen: Auch in Vorarlberg gab es in der Vergangenheit Angriffe.
Bregenz, Hohenems Sie wurde als Lichtenstein-Bild-Schlitzerin bekannt und sorgte für das wohl größte Aufsehen in der Geschichte des Kunsthauses Bregenz. Die Rede ist von jener damals 35-jährigen Frau, die ein Werk des US-Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein im Wert von mehreren Millionen Dollar schwer beschädigt hat.
Die Frau zerschlitzte das Gemälde “Nudes in Mirror” mit einem Klappmesser, bevor sie von Besuchern überwältigt worden war. Die an Schizophrenie leidende Frau wurde später in einem Prozess am Landesgericht Feldkirch in eine Anstalt eingewiesen.
Attacken auf wertvolle Gemälde und Störaktionen dominieren in jüngster Zeit wieder die Schlagzeilen. Zahlreiche europäische Museen haben ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, nachdem Klimaaktivisten wertvolle Werke mit Essen beschmiert hatten oder sich daran festgeklebt hatten. So wurde etwa ein berühmtes Gemälde von Van Gogh in der National Gallery in London mit Tomatensuppe beworfen. Im Potsdamer Museum Barberini gab es eine Kartoffelbrei-Attacke auf ein Werk von Claude Monet.

“Keinen Grund, verstärkt wirksam zu werden”
Im Kunsthaus Bregenz sieht man trotz der jüngsten Attacken keinen Grund, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. “Wenn das in Museen geschieht, dann handelt es sich bei den Täterinnen oder Tätern meist um Personen mit psychischen Problemen. So auch im Kunsthaus Bregenz damals. Da seit diesem Vorfall keine Schäden durch Personen aufgetreten sind, gibt es auch keinen Grund, hier verstärkt wirksam zu werden”, erläutert Kunsthaus-Direktor Thomas D. Trummer auf VN-Nachfrage. Solche Fälle können laut Trummer nicht vorhergesehen und kaum abgewendet werden.

Im Haus gebe es eine genügende Anzahl an Aufsichten, dazu Videoüberwachung und spezielle Schutzmaßnahmen, wenn das Haus geschlossen ist. Trummer ist es ein Anliegen, die Kunstwerke zugänglich zu halten. “Es ist ein Kennzeichen unserer Ausstellungen, dass die Werke präsent sind, nicht nur optisch sichtbar werden, sondern auch Eigenschaften wie Oberfläche, Material und Behandlung einsichtig werden. Kunst, insbesondere zeitgenössische Kunst, muss sich in Lebendigkeit zeigen, nicht unter einem Glassarkophag.”
Cobraeinsatz im Vorarlberg Museum
Auch das Vorarlberg Museum in Bregenz ist bisher nicht von Zwischenfällen verschont geblieben. “Es gab bereits Aktionen von Vertretern der rechten Szene” berichtet Museumsdirektor Andreas Rudigier. Eine Person habe sich vor einigen Jahren nach einer Veranstaltung auf dem Rednerpult das Mikrofon geschnappt und sich Gehör verschaffen wollen. “Das führte sogar zu einem Cobraeinsatz”, berichtet er. Seither stehe man bei Veranstaltungen, die einschlägig zeitgeschichtliche Themen behandeln, in engem Kontakt mit der Kriminalpolizei. Das habe sich auch mit den Coronademonstrationen am Kornmarktplatz fortgesetzt. “Einzelne Vertreter sind ins Haus gekommen und haben unsere Mitarbeiter an der Kassa angepöbelt”, erzählt Rudigier.

Im Vorarlberg Museum sehe man aktuell aber kein erhöhtes Risiko. “Wir werden natürlich hellhörig, wenn man aber schaut, welche Ziele sich diese Aktivistinnen und Aktivisten aussuchen, sind das eher prominente Häuser mit prominenten Kunstwerken.” Bei den kommenden Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Bregenzer Weihnachtsmarkt setze man auf zusätzliches Sicherheitspersonal. “Wir sind ein sehr öffentliches Haus mit unglaublich viel Bewegung. Da müssen wir sehr vorsichtig sein.”

Mit dem Museum “Arche Noah – Sammlung Kunst und Natur” hat Textilunternehmer Hans Bäumler im Jahr 2019 seine umfangreiche private Kunst- und Natursammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Sammlung “Kunst” trumpft mit 100 Meisterwerken von Spitzweg, Waldmüller, Monet, Renoir, Gauguin bis hin zu Picasso auf. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden angesichts der jüngsten Attacken verschärft, erläutert Museumsleiter Frederik Bäumler: “Wir haben die Problematik natürlich zu Kenntnis genommen und Maßnahmen ergriffen.” Details möchte Bäumler aus Sicherheitsgründen jedoch nicht verraten.

Die Gemälde befinden sich in einem eigens errichteten Sicherheitsraum. “Wir verwenden hochmoderne Sicherheitstechnik und sind direkt mit der Polizei verbunden”, berichtet Bäumler. Zudem arbeite man Hand in Hand mit einer Restauratorin zusammen, sollte es zu einem Angriff kommen. Die jüngsten Angriffe verurteilt der Museumsleiter aufs Schärfste: “Mit dem Museum Arche Noah, Sammlung Kunst & Natur beschäftigen wir uns auch intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und Natur. Es gibt aktuell kaum ein wichtigeres gesellschaftliches Thema. Anderseits ist es doch sehr befremdlich, wenn Kulturschätze, die zur öffentlichen Bildung beitragen, zerstört werden, um mehr Aufmerksamkeit für die Klimakrise zu bekommen. Das passt nicht zusammen.”