Warum das TBC-Gespenst im Montafon spukt, wie kaum zuvor

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger schlägt Alarm. “Rotwildabschussquote weit unter dem Soll.”
Schruns Es ist eine sattsam bekannte Rechnung: Gibt es in einer Region eine massive TBC-Durchdringung beim Wild, so ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung auf Nutztiere sehr hoch. Diese Erkenntnis treibt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger die Zornesröte ins Gesicht.

“Es ist ungeheuerlich, dass im heurigen Jagdjahr erst 171 Stück erlegt wurden. So kommen wir nicht weiter.”
Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammerpräsident
“Die Abschussvorgaben für Rotwild sehen in der gesamten Wildregion Bartholomäberg-Silbertal einen Mindestabschuss von 520 Stück Rotwild vor. Es ist ungeheuerlich, dass im heurigen Jagdjahr erst 171 Stück erlegt wurden. So kommen wir in der Seuchenbekämpfung nicht weiter. Ich habe den Eindruck, dass die Vorgaben der Behörden und Vereinbarungen mit der Interessenvertretung ignoriert bzw. nicht ernst genommen werden”, redet Moosbrugger Klartext.
Frage der Verlässlichkeit
Der Bludenzer Bezirkshauptmann Harald Dreher kann dem Bauernvertreter nicht widersprechen. “Es hat eine sehr schwache Frühjahrsbejagung gegeben. Das stimmt. Uns von der Behörde sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch die Hände gebunden. Wir können uns erst mit der Schlussbilanz auseinandersetzen. Die Jagdsaison geht ja noch bis zum 31. März kommenden Jahres”, äußert sich Dreher. Und fügt an: “Wenn jedoch zum wiederholten Mal die Abschussquote nicht erreicht wird, könnte es mit einer Strafe nicht mehr getan sein. Dann stellt sich die Frage nach der jagdlichen Verlässlichkeit”, macht der oberste Behördenvertreter deutlich. Gebe es diesbezüglich grobe Verfehlungen, sei sogar der Entzug der Jagdberechtigung möglich.

“Wenn die Abschussquote wiederholt nicht erreicht wird, könnte es mit einer Strafe nicht mehr getan sein.“
Harald Dreher, Bezirkshauptmann Bludenz
Mit der derzeitigen Entwicklung ist Dreher ganz und gar nicht zufrieden. Der Bezirkshauptmann hatte sich wiederholt bemüht, die verschiedenen Interessensgruppen an einen Tisch zu bringen, um verbindliche Lösungsmodelle zu erarbeiten.
Schwierige Bedingungen
Der Hegeobmann des TBC-Hotspotgebiets, der seinen Namen nicht in der Öffentlichkeit lesen möchte, räumt die Schwierigkeiten ein. Gerüchte, wonach ein mächtiger Jagdpächter die Frühjahrsbejagung bewusst auf Sparflamme gehalten habe, dementiert er vehement. “Das stimmt einfach nicht. Was stimmt, ist, dass wir mit schwierigen Rahmenbedingungen für die Jagd zu kämpfen haben. Vor allem das sehr warme Wetter hat die Bejagung enorm erschwert.” Wolle man alle jagdethischen Richtlinien befolgen, tue man sich beim Aufspüren und Erlegen des Rotwildes schwer, meinte der Hegeobmann gegenüber den VN. Zudem gebe es Unstimmigkeiten zwischen der Almwirtschaft und der Jagd, erwähnte der Hegeobmann. Was die Sache nicht erleichtere.
Regulierungsgatter empfohlen
Im Wissen um die Risiken einer hohen TBC-Prävalenz beim Wild zeigt sich auch Landesveterinär Norbert Greber über die Situation im Gebiet Bartholomäberg-Silbertal besorgt. “Eine komplette Trennung zwischen Wild und Vieh ist in einem großen Tal wie dem Silbertal schwierig. Im letzten Jagdjahr lag die TBC-Prävalenz bei 16 Prozent, zuvor war sie konstant bei zehn Prozent”, berichtet Greber. Nur einmal in den letzten zehn Jahren habe man in dieser Region die Abschussquote erfüllt. “Ich wäre für die Nutzung von Regulierungsgattern. Auch wenn es da wieder einen Aufschrei gibt”, sagt der Landesveterinär.

Landesveterinär Norbert Greber wüsste, wie man die Abschussquote auch in Bartholomäberg-Silbertal erfüllen könnte. VN/Hartinger
“Nur einmal in den letzten zehn Jahren hat man in dieser Region die Abschussquote erfüllt.”
Norbert Greber, Landesveterinär
Immerhin bestehe für die Jagd die Möglichkeit, die Abschussquote in den kommenden Monaten noch deutlich zu verbessern. “Oktober, November, Dezember sind die besten Jagdmonate.”