Was knappe Arzneien mit Asien zu tun haben

Manche Medikamente sind derzeit nicht lieferbar. Für Apotheken wird das zur Herausforderung, auch wenn es meistens Alternativen mit dem gleichen Wirkstoff gibt.
Schwarzach An Kundinnen und Kunden mangelt es den Vorarlberger Apotheken angesichts steigender Coronainfektionen und des Herbstes als Erkältungszeit nicht. Vielmehr sind derzeit nicht lieferbare Medikamente das Problem.

Davon weiß Renate Grotti derzeit ein Lied zu singen. Im Mai dieses Jahres hat sie mit ihrem Team in Feldkirch-Tosters die Apotheke eröffnet. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder vor, dass einige Medikamente, die auf Rezepten ihrer Kundinnen standen, nicht vorrätig waren. “Derzeit bekomme ich zum Beispiel die beiden Antibiotika Ospexin und Unasyn nicht”, erklärt Grotti, die drei Mal pro Tag Medikamentenlieferungen erhält.

“Ich habe zum Glück zwei verschiedene Lieferanten und damit gewisse Jongliermöglichkeiten.” Ebenso seien derzeit Tantum Verde Pastillen, die gegen Halsschmerzen eingenommen werden, sowie der Nureflex Junior Hustensaft nicht zu bekommen.


Prinzipiell gebe es aber bei den meisten Medikamenten Ausweichmöglichkeiten von anderen Herstellern. Bei Tantum Verde wären das zum Beispiel Neo-Angin-Pastillen. “Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich bei anderen Apotheken anfragen musste, ob noch Restposten von rezeptpflichtigen Medikamenten da sind. Im schlimmsten Fall muss Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden, welche Alternativen möglich sind”, sagt Grotti.

Alternativen mit gleichem Wirkstoff
Schauplatzwechsel nach Dornbirn in die Apotheke im Messepark. Auch die Tantum Verde Tabletten sind hier nicht mehr vorrätig. Ebenfalls ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Cefalexin, von dem es eigentlich drei verschiedene Präparate geben würde, sind aktuell nicht erhältlich. “Es gibt aber Alternativen mit ähnlichen Wirkstoffen”, beruhigt der Apotheker. “Es ist nicht so, dass wir Kunden aufgrund der Engpässe nicht bedienen können.” Es könne aber nötig sein, Kontakt zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten aufzunehmen, um die Verschreibung alternativer Medikamente abzuklären.

“Es gibt derzeit Lieferengpässe”, bestätigt der Schrunser Apotheker und Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer Christof van Dellen. Mit entsprechendem Aufwand könne aber in den meisten Fällen auf andere Hersteller ausgewichen werden. “Es gibt ja von vielen Herstellern Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff.” Die Gründe für die Engpässe sieht van Dellen in der Auslagerung der Produktion in den asiatischen Raum, insbesondere nach China und Indien, wo deutlich günstiger produziert wird.

Nur noch eine Penicillin-Fabrik in Europa
Immer wieder komme es zum Beispiel vor, dass es aufgrund von Verunreinigungen zu Produktrückrufen kommt. „In Asien werden inzwischen bis zu 90 Prozent der Wirk- und Hilfsstoffe produziert.“ Dies führe zu einer Abhängigkeit Europas. So gibt es zum Beispiel nur mehr eine einzige Anlage innerhalb Europas, nämlich im Tiroler Kundl, wo Penicillin produziert wird. Der Standort stand in jüngster Zeit ebenfalls auf der Kippe.

Hinzu kommen die langen Lieferketten nach Europa, was etwa durch die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff Ever Given deutlich wurde. Langfristig müsse jedoch das Ziel sein, größere Teile der Produktion wieder zurück nach Europa zu holen, um Abhängigkeiten zu mindern. “Wenn man diese Unabhängigkeit haben will, muss man aber auch akzeptieren, dass es teurer wird.”