Vorarlberger Milizsoldaten unter neuem Kommando

Vorarlberg / 16.09.2022 • 04:55 Uhr
Martin Netzer ist verantwortlich für die Miliz in Vorarlberg. <span class="copyright">Alle Bilder: VLK/Alexandra Serra</span>
Martin Netzer ist verantwortlich für die Miliz in Vorarlberg. Alle Bilder: VLK/Alexandra Serra

Ehemaliger Bürgermeister leitet nun das Vorarlberger Milizbataillon.

Von Matthias Rauch und Emilia Kennerknecht

Bregenz, Bludesch Seit Donnerstagnachmittag gibt es einen neuen Kommandant für das Miliz-Jägerbataillon Vorarlberg.

Im Rahmen eines Festaktes in der Walgaukaserne übernahm Major Martin Netzer das Kommando von Oberst Ralf Bail. Dieser war seit 2014 für das Bataillon verantwortlich. Präsent waren knapp 180 Milizionäre des Jägerbataillons.

Papiertiger Miliz

Die Gelegenheit nutzte nicht zuletzt der Vorarlberger Militärkommandant Gunther Hessel, auch einen Appell an die Politik zu richten. Zu kurz sind die Ausbildungszeiten, die durch Assistenzeinsätze unterbrochen werden. Unter solchen Umständen lassen sich keine Soldaten ausbilden, warnt der Brigadier. “Was nützt uns hochtechnisches Gerät, wenn ich es nicht im Verband einsetzen kann”, fasst er das Problem fehlender Übungsstunden zusammen.

Der harte Kern der Vorarlberger Miliz begrüßte den neuen Kommandanten.
Der harte Kern der Vorarlberger Miliz begrüßte den neuen Kommandanten.

Dies schlägt sich auch auf die Miliz nieder. Denn von den offiziell etwa 800 Milizsoldaten der Vorarlberger Jägerbataillons sind über zwei Drittel zeitlich befristete Grundwehrdiener, die im Einsatzfall eingezogen werden. Mit denen kann jedoch nicht geübt werden. Hessel fordert daher das alte Modell von sechs Monaten Grundwehrdienst und zwei Übungsmonaten zurück, ohne Assistenzeinsätze der Grundwehrdiener.

Fokus auf Ausbildungen

Ein Wunsch, den sich auch Netzer anhängt. “An 6+2 Monaten führt kein Weg vorbei”, betont der neue Bataillonskommandant. “Keine Feuerwehr bildet ihre Leute aus und trifft sich dann erst wieder, wenn was passiert”, betont er die Notwendigkeit von regelmäßigen Übungen. Der frühere Gaschurner Bürgermeister will ebenfalls mit einem Fokus auf Aus- und Weiterbildungen die Einsatzfähigkeit der Miliz erhöhen. Für den Aktivstand der Miliz geht es nun mit dem neuen Kommandanten auf die Lizum zu Waffenübungen.

Mit dem Abschluss der Militärakademie in Wien 1992 begann Netzer seine Karriere als Berufsoffizier in der Walgaukaserne, wo er bis 2002 tätig war. Damals wechselte Netzer zur Gemeinde Gaschurn, wo er mehrere Jahre als Gemeindesekretär beschäftigt war, ehe er zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt wurde. Trotz seiner zivilen Laufbahn blieb er dem Militär immer als Milizoffizier in verschiedenen Funktionen erhalten. Zudem absolvierte er verschiedene Kurse für die Verwendung als Bataillonskommandant. Nach der Ablegung seines Bürgermeisteramtes gründete er 2021 eine Consulting Firma.

Nun beginnt für Major Martin Netzer ein neuer Lebensabschnitt, in dem er das Jägerbataillon Vorarlberg leitet. Der Verband beinhaltet zudem noch einen Personalpool an Freiwilligen für diverse Inlands- und Auslandseinsätze. Auch zu Beginn der Covid-19-Pandemie konnte das Land Vorarlberg auf die Unterstützung des Jägerbataillons zählen. Bei den 100 Milizsoldaten, die für einen Monat zum Einsatz kamen, handelt es sich um Männer und Frauen, die bereits ihren Grundwehr- oder Ausbildungsdienst abgeleistet haben. Nun nehmen sie in der Einsatzorganisation des Bundesheeres weiterhin auf freiwilliger Basis Aufgaben wahr.