Montafoner Steinschafe zurück im Tal: “Dankbar, ohne Wolfrisse über den Sommer gekommen zu sein”

Bald beginnt die Ablammzeit. Anna Wittwer
Es war ein friedlicher Sommer für die Montafoner Steinschafe im Verwallgebirge auf der Alpe Käfera, doch die Angst vor dem Wolf bleibt. „Dieses Thema wird uns alle noch sehr fordern, wenngleich wir keinen zufriedenstellenden Lösungsansatz in dieser Problematik erkennen können“, sind sich Schafszüchter Peter Kasper und Martin Mathies einig.
St. Gallenkirch Zurzeit verlassen die Kühe und Schafe die Hochebenen der Alpen und gehen zurück ins Tal. Auch die Montafoner Steinschafe haben Martin Mathies und Peter Kasper aus St. Gallenkirch von der Alpe Käfera im hinteren Silbertal bereits zurückgeholt. Am 23. Juni bezogen 61 Steinschafe von vier Züchtern im Verwallgebirge ihre Sommerresidenz, Anfang September ging es für sie wieder zurück ins Tal.

Langer Fußmarsch
„Verletzungen haben wir über den ganzen Sommer zum Glück keine zu vermelden gehabt“, freut sich Peter Kasper. Nur am letzten Tag hat sich ein Schaf das Bein in einer Felsspalte eingeklemmt. Der Fußmarsch zu den Schafen und der Abstieg ins Tal ist lang und dauert ca. fünf bis sechs Stunden, denn man muss die Schafe auch erst einmal auf der weiten Hochebene finden. Der Abtrieb führt von der Alpe Käfera im Gemeindegebiet Silbertal über das Joch, an der Alpe Netza, dem oberen Maisäß Netza und am Maisäß Montiel vorbei, hinunter nach St. Gallenkirch. „Alles über Stock und Stein und über schmale Fußwege“, beschreibt Martin Mathies den mühsamen Weg.

„Der Alpsommer war für die Schafe sehr gut, mit genug Futter und Wasser trotz der Hitze und Trockenheit“, resümiert er. In diesen Höhen von über 2000 Metern bis teilweise auf 2400 Meter Seehöhe sei die Temperatur für die Schafe in ihrem Wollkleid immer noch sehr erträglich. Die feinen Bergkräuter und der freie Lauf der Schafe über die großen Weiten seien sehr förderlich für die Gesundheit und Vitalität der Schafe.
„Wolf wird uns noch sehr fordern“
Auch wenn es den Schafen dort oben gut geht, so schwingt auch die Angst vor dem Wolf immer mit. „Wir verfolgen das Thema Wolf sehr aufmerksam und sind dankbar, ohne Wolfsrisse über den Sommer gekommen zu sein. Dieses Thema wird uns alle noch sehr fordern, wenngleich wir keinen zufriedenstellenden Lösungsansatz in dieser Problematik erkennen können“, sind die beiden Schafszüchter besorgt. „Unsere Montafoner Steinschafe zählen zur Gruppe der hoch gefährdeten Schafrassen in Österreich. Ein Wolfsriss in einer unserer Herden kann für den Bestand und Fortbestand unserer wunderbaren Montafoner Steinschafe fatale Folgen haben.“
Für sie ist es nicht zu rechtfertigen, dass alte heimische Nutztierrassen wie das Montafoner Steinschaf, welche in ihrem Bestand massiv bedroht sind, durch die explodierende Anzahl von Wölfen, welche schon lange nicht mehr als gefährdet gelten, in ganz Europa immer mehr in Bedrängnis geraten. „Wer kann es vertreten und rechtfertigen, wenn Wölfe im Blutrausch friedvollen Schafen teilweise nur den Bauch aufreißen und diese schwer verletzten Tiere Stunden und Tage unter Schmerzen und Schock auf ihren leidvollen Tod warten müssen? Wo bleibt hier der Tierschutzgedanke?“, fragen sich die Schafszüchter Martin Mathies und Peter Kasper.
Nun kommt aber erst einmal der Herbst und mit ihm die Vorfreude auf die Ablammzeit im Oktober. Diese zählt „in unserem Schäferjahr zu den schönsten und aufregendsten Zeiten“, freuen sich die beiden.