Suizidzahlen auf vergleichsweise niedrigem Niveau

Suizidbericht 2021: Im Vorjahr gab es in Vorarlberg 41 Suizide, österreichweit waren es 1099 Selbsttötungen.
Bregenz Entgegen den Befürchtungen und teils auch anderslautender Gerüchte ist die Suizidrate auf vergleichsweise niedrigem Niveau stabil geblieben. Im Vorjahr gab es in Vorarlberg 41 Suizide, österreichweit waren es 1099 Selbsttötungen. Das geht aus dem Suizidbericht 2021 des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) hervor, der anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. September präsentiert wurde.
„In Zeiten von Krisen kann es zu Spekulationen und Falschmeldungen kommen. Umso wichtiger ist es, Fakten zu liefern“, betont Albert Lingg, ehemaliger Chefarzt des Landeskrankenhauses Rankweil und neben Isabel Bitriol-Dittrich und Reinhard Haller Mitverfasser des Suizidberichts, der seit 1987 veröffentlicht wird.

Suizidrate: Vorarlberg unter dem Schnitt
Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen der Selbsttötungen ist aber die Suizidrate, das heißt die Zahl der Suizide pro 100.000 Einwohner. Sie lag Mitte der 1980er Jahre auch in Vorarlberg noch deutlich über 20, lag 2020 mit 11,7 exakt im gesamtösterreichischen Schnitt und liegt heuer mit 10,3 unter dem nationalen Schnitt. In Vorarlberg waren im Vorjahr – die statistisch kleinen Zahlen verbieten hier allerdings Interpretationen – die Männer nur 2,8 Mal häufiger betroffen. 2021 wurde in Vorarlberg kein Kindersuizid registriert.

Beihilfe zum Suizid als Schwerpunktthema
Das Schwerpunktthema ist in diesem Jahr die Beihilfe zum Suizid. Diese ist seit 1. Jänner 2022 in Österreich nicht mehr strafbar. “Erfahrungen aus einigen Ländern mit langjähriger Praxis in Sterbehilfen wie der Niederlande oder der Schweiz müssten dem österreichischen Gesetzgeber zu denken geben”, warnt Lingg. So stellen etwa in den Beneluxländern immer häufiger nicht mehr Betroffene, sondern deren Angehörige einen Antrag. “Kaum ist das neue Gesetz in Kraft, gibt es bereits Anläufe um eine liberalere Lösung.”
Entwicklung kritisch verfolgen
Auch in Österreich seien Bestrebungen im Gange, das Gesetz zur Sterbehilfe in Richtung niederschwelligen Zugang zum assistierten Suizid oder einer aktiven Sterbehilfe zu ändern. Die Studienlage zeige aber, dass, wo eine solche legal ist, die Suizidzahlen steigen. Es bleibe also die weitere Entwicklung kritisch zu verfolgen. „Die Suizidprävention ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben, die wir in Medizin und Psychotherapie haben“, so die Verfasser des Suizidberichts.
Krisendienste
Anlaufstellen für Menschen mit Suizidgedanken und deren Angehörige:
Sozialpsychiatrischer Dienst: www.spdi.at
Telefonseelsorge: Telefonnummer 142
Kindernotruf: 0800 567 567
Ambulanzen am LKH Rankweil (Erwachsenen- sowie
Kinder- und Jugendpsychiatrie): Die Notfallambulanzen
haben rund um die Uhr geöffnet. Nummer: 05522 403-0
Pro Mente: www.promente-v.
at/kontakt
HPE Vorarlberg: Hilfe für
Angehörige psychisch erkrankter Menschen. www.