Warum 2022 ein guter Jahrgang sein wird

Winzer Josef Möth spricht heuer von einer besonders guten Weinernte.
von Petra Milosavljevic
Bregenz Kniend auf dem von den Morgenstunden noch feuchten Gras und die Sonne bereits im Nacken, schneidet Winzer Josef Möth einen großen Cluster ab. So finden die ersten Trauben ihren Platz in der Kiste. Ganze drei Hektar müssen noch geerntet werden.
„Die erste Frühsorte ist dran. In 14 Tagen beginnt dann die Hauptlese“, schildert er. „Ich kann jetzt schon sagen, dass wir von der besten Ernte reden, die wir je hereinbekommen haben.“ Der Vorarlberger erntet jedes Jahr zusammen mit seinen Angestellten die Trauben, die anschließend zur Weiterverarbeitung in den “Heurigen” gebracht werden, der gleichzeitig auch eine Gaststätte beherbergt – so kann man den Wein am Ort des Geschehens genießen.

Weinbau
Im Weinanbaugebiet Möth in Bregenz haben es sich unterschiedlichste Sorten wie Grüner Veltliner, Chardonnay, Thurgau, Shiraz und Welschriesling gemütlich gemacht. Aber auch Frühroter Veltliner und Sauvignon-Blanc wurden angebaut, um zu schauen, wie sich die Rebsorten hier entwickeln. Doch allein in Vorarlberg selbst, mit 20 Hektar Weinfläche, variieren die Geschmäcker der Rebsorten vom Walgau angefangen bis zum Rheintal. “Uns zeichnet die hohe Individualität der verschiedenen Regionen, die wir haben, aus”, erklärt der Winzer. Damit meint er spezifisch die Weinbauregion Bodensee, zu welcher die deutsche und die Schweizer Seite dazugehören. Damit kommt das Gebiet auf 1500 Hektar Weinfläche – also 75 Mal so viel wie die Weinbaufläche Vorarlbergs.

Bodenseeweine sind beliebt, am meisten der Müller-Thurgau und Spätburgunder. Dass es den empfindlichen und wärmeliebenden Trauben in der Region gut geht, verdankt man hauptsächlich dem See. Dieser wirkt nämlich wie ein großer Wärmespeicher, der Temperaturschwankungen ausgleicht. “Obwohl wir alle im selben Gebiet sind, unterscheiden sich die Weine voneinander”, erzählt Josef Möth. “Es ist schwer, eine Pauschalaussage zu machen, aber man merkt, dass der Schweizer Wein cremiger ist, der deutsche mineralischer und dass der Vorarlberger Wein beide Komponenten hat.”
Eine Kunst an sich
Das Aroma des Weines wird bestimmt durch das Terroir, im Wein-Jargon die Bezeichnung für die Beschaffenheit des Bodens, die Herkunft, die Lagentechnik, aber auch den Boden: “Ist er aus Lehm, Mergel, Sand, Schotter? Davon hängt alles ab”, erklärt der Winzer. “Die Natur macht den Wein, nicht der Kellermeister. Wir sind abhängig von ihr und durften über Jahrzehnte lernen, dass wir über hohe kellertechnische Qualität auch in durchschnittlichen Jahren gute Weine vinifizieren können. Das liegt an der Handwerkskunst. Man muss mit einem Gefühl dabei sein und mit der Natur zusammenarbeiten.”

Für Weinliebhaber hat Josef Möth auch einen Tipp: “Am besten, man geht zu den kleinen Winzern.” Und dabei sei ganz wichtig, sich auf das Abenteuer mit dem Wein einzulassen. “Der Genuss ist gefragt. Der neue Flirt mit dem neuen Wein.”