Wie Älpler den Sommer erlebt haben

Alpabtrieb in Au läutete am Freitag das Ende der Saison ein. Das Event lockte Besucher aus Nah und Fern an.
Au Freitagvormittag in der Bregenzerwälder Gemeinde Au: Während auf dem Gelände neben dem Gasthof Uralp die letzten Vorbereitungen für die Festivitäten rund um den Alpabtrieb laufen, verschafft sich Moderator Reinhard Willi den Überblick.

“Heute haben wir ideales Wetter für den Alpabtrieb. Es regnet nicht und für die Kühe ist es nicht so heiß. So benötigen wir nicht so viel Wasser”, erklärt der ehemalige Lehrer und Landwirt und blickt in Richtung der Wolken, die sich gerade vor die Sonne schieben. “Ich denke, die Älpler sind daher später losgegangen und es wird noch dauern, bis sie eintreffen.”

Unterdessen sammeln sich gegen 9 Uhr bereits die ersten Besucher auf dem Gelände und entlang der Landesstraße. Nicht nur Bregenzerwälder Dialekt ist zu hören, auch Deutsche und Schweizer mischen sich mit Smartphones unter das Publikum. Auf dem Parkplatz nebenan rollt gerade ein Bus mit niederländischem Kennzeichen an. Manche Besucher tragen Tracht und Holzschuhe, andere Wanderhosen und Shirts.

VN/MEF
“Früher sind die Älpler erst Mitte September runtergezogen”, erinnert sich Willi, “jetzt ziehen sie halt schon früher rauf und kommen früher wieder heim.” Aufgrund der Trockenheit habe es heuer weniger Milch gegeben. “Es hat aber zum Glück auf den letzten Drücker immer wieder geregnet.” Er weiß aber auch von einer tiefer gelegenen Alpe, die schon vergangene Woche heimgekehrt ist.

Während der Moderator den Besuchern via Mikrofon die Grundlagen der heimischen Alpwirtschaft erklärt, schallen Glockenklänge vom Berg Richtung Tal. “Die größeren Glocken und der schwerere Schmuck wird erst kurz vor Ankunft angelegt”, erläutert Willi den Vorgang.

Um 10.30 Uhr trifft die erste von sechs Alpen ein. Es sind Hirte Andreas Fink (21) und die Mannschaft der Annalp, die mit 45 Kühen die letzten Meter vom Fuß des Zitterklapfens bis zum Ziel zurücklegen.
Sowohl die Hüte der jungen Frauen und Männer als auch die Häupte der Kühe sind mit Rosmarinzweigen geschmückt. “Es gibt keinen Blumenschmuck, da ein Tier nicht wieder heimgekehrt ist”, erläutert ein Älpler die Hintergründe und fügt hinzu: “Die jungen Leute haben trotzdem Großartiges geleistet und sich um fast 90 Tiere gekümmert.”

Auch ohne Blumen sind sie beliebtes Fotomotiv und werden beglückwünscht und gelobt. “Es war ein heißer, arbeitsreicher und ein guter Sommer”, zieht Fink Bilanz und fügt im Hinblick auf die Trockenheit hinzu: “Wir hatten glücklicherweise im Gegensatz zu anderen genug Wasser.”
Wir hatten glücklicherweise im Gegensatz zu anderen genug Wasser.
Andreas Fink, Annalp
Senner Jodok Meusburger kann dem beipflichten. “Es war ein guter Sommer. Ich habe 80.000 Liter Milch verarbeitet. Es hat rund 300 Käselaibe ergeben”, berichtet der 31-Jährige, der für seine Arbeit schon Preise gewonnen hat.
Neben den beiden hat sich auch Älplerin Michaela Metzler (21) auf der Wiese eingefunden. “Das war meine sechste Alpsaison. Ich koche, melke und bin Mädchen für alles”, erzählt die junge Frau mit grünem Älplerhut, lächelt und fügt hinzu: “Jetzt freue ich mich auf daheim.”

Über die Sommermonate gab es kein Internet. “Glücklicherweise haben wir da oben keines”, meint Fink. Während er und das Annalp-Team die Kühe wieder ihren Besitzern übergeben und diese sich mit den Anhängern in Richtung Vorsäße aufmachen, trifft eine Alpe nach der anderen ein.

Gemeinsam lassen sie den Alpsommer bei zünftiger Musik und Sonnenschein ausklingen. Moderator Reinhard Willi hat seinen Job für dieses Jahr wieder erfolgreich erledigt.
