Unwetter-Bilanz: Rekordregen in Vorarlberg

Vorarlberg / 22.08.2022 • 12:11 Uhr
Der Starkregen füllte auch in Koblach einige Keller. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Der Starkregen füllte auch in Koblach einige Keller. VN/Paulitsch

Mehr als 200 Liter pro Quadratmeter Niederschlag in Bregenz.

Bregenz, Klagenfurt Nach den Unwettern, die in der vergangenen Woche mehrere Bundesländer betroffen haben, ist am Montag Bilanz gezogen worden. In Vorarlberg hat am Freitag stundenlanger Starkregen zu Rekordwerten von 200 Liter pro Quadratmeter Niederschlag in Bregenz geführt. Der bisherige Höchstwert wurde 1968 mit 174 Litern gemessen. Verletzte gab es keine.

Der Starkregen in Vorarlberg hatte am Freitag zu mehr als 1.500 Feuerwehreinsätzen geführt. Die Rekordniederschläge führten zu Überflutungen von Ortsteilen, Straßen und Unterführungen – mehrere Autos steckten in den Wassermassen fest. Keller und Garagen liefen voll und Muren gingen nieder. Abschnitte der Rheintalautobahn (A14) waren stundenlang gesperrt. Verletzt wurde aber niemand.

Die Autobahnausfahrt Dornbirn-Nord stand völlig unter Wasser.<p class="caption">
Die Autobahnausfahrt Dornbirn-Nord stand völlig unter Wasser.

Das Gebiet von Bregenz bis Dornbirn war besonders betroffen, genauer die Gemeinden Wolfurt und Kennelbach. Das Ortszentrum Wolfurt wurde überflutet und von Muren verschlammt. Weiter im Süden, in Götzis im Bezirk Feldkirch, stand nach einem Dammbruch eine 200 Quadratmeter große Tiefgarage zwei Meter unter Wasser, in Altach wurde der Bereich vor dem Schwimmbad Rheinauen geflutet. Laut Daten der ZAMG gab es Rekordwerte an 24-Stunden-Regenmengen. 200 Liter pro Quadratmeter entspricht einer doppelten Regenmenge eines durchschnittlichen August-Monats. Der Pegel der Dornbirner Ache überschritt die Marke eines hundertjährlichen Hochwassers um 20 Zentimeter.

In Wolfurt wurde am Sonntag nach dem Starkregen aufgeräumt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
In Wolfurt wurde am Sonntag nach dem Starkregen aufgeräumt. VN/Paulitsch

Bei der Vorarlberger Landesversicherung (VLV) wurden bisher 400 Schadensmeldungen eingereicht. Allerdings werde mit insgesamt 1.000 Schadensmeldungen gerechnet, so Christian Schertler, Leiter der Schadensabteilung. Eine Schadenshöhe könne noch nicht genannt werden. “Wir haben noch keinen Überblick. Der eine hat nur einen feuchten Betonkeller, der andere dagegen einen voll ausgebauten. Es war ja noch kein Gutachter vor Ort”, so Schertler. Laut Erfahrungswerten komme man bei Einfamilienhäusern auf einen Wert zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Die Schäden für die Landwirtschaft seien laut Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger noch nicht abschätzbar. Ablagerungen seien zwar weniger das Problem, dafür aber Flurschäden wie Unterspülungen und Hangrutschungen, so Moosbrugger.

Zwei Tote in Kärnten

In Kärnten, in St. Andrä im Lavanttal, waren am vergangenen Donnerstag mehrere Bäume an einem Badesee umgestürzt. Zwei Mädchen im Alter von drei und acht Jahren starben, 13 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Die Bäume werden aktuell von einem Sachverständiger untersucht. Es gelte zu klären, ob diese ordnungsgemäß gepflegt worden waren und die Tragödie verhindert werden hätte können. Laut Markus Staatsanwaltschaft Klagenfurt wird wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannte Täter ermittelt.

Insgesamt wurden in Kärnten 640 Unwettereinsätze innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. 172 Feuerwehren mit 2.500 Einsatzkräften rückten aus. Besonders betroffen waren die Bezirke St. Veit an der Glan, Feldkirchen, Völkermarkt und Wolfsberg. Bei den Aufräumarbeiten galt es vor allem Gemeindestraßen und Seitenwege von umgestürzten Bäumen zu befreien und Sturmschäden an Dächern zu beheben. 20.000 Haushalte waren am Donnerstag ohne Strom.