Darum kämpft die Berufsfischerei um ihre Existenz

Franz Blum der Dritte aus Fußach, weiß nicht, ob er sein Gewerbe Fränzle dem Vierten noch übergeben können wird.
Fußach Das Prozedere ist für Franz Blum (42) aus Fußach dasselbe geblieben. Er fährt jeden Tag in aller Herrgottsfrüh hinaus auf den See und wirft seine Netze aus. Der Unterschied zu früher: Was dort hängenbleibt, reicht kaum mehr aus, eine Familie zu ernähren. Das Gespräch über ein Gewerbe und seine Menschen mit einer unsicheren Zukunft.
Wie viele Fische fangen Sie derzeit?
Die aktuelle Ertragslage der Felchen ist so schlecht, dass es sich nicht mehr rentiert, rauszufahren. An einem guten Fangtag liegen wir bei fünf Stück Felchen auf 600 Meter Netz.
War mit einer solchen Misere heuer zu rechnen?
Es hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet, dass der Felchenbestand ständig abnimmt. Nur dass die Fangerträge so stark einbrechen, hätte ich nicht gedacht. Natürlich spielt dabei auch die Witterung eine Rolle.
Was müsste wettermäßig passieren, damit es doch noch besser wird?
Ich denke nicht, dass wir dieses Jahr noch mit den Felchen rechnen dürfen. Aber ich lasse mich gerne Lügen strafen. Ein Hochwasser von den Zubringerflüssen, vor allem vom Rhein, wäre sehr willkommen. Das würde einiges an Nährstoffeintrag für den Bodensee bedeuten.
Haben Sie noch Hoffnung auf gute Kretzererträge im August?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir hatten diesen Mai ein perfektes Wetter für den Kretzerlaich. Das sieht man am Aufkommen der Jungkretzer.
Welche Hauptfaktoren machen Sie für die niedrige Fangquote aus?
Wenn wir uns auf die Felchen beziehen, spielt der Nährstoffgehalt sicher die größte Rolle. Dann kommen der Sichling, der Kormoran und die Quaggamuschel. Die Stichlinge sind ein Nahrungskonkurrent, fressen den Felchenlaich und auch die frisch geschlüpften Felchenlarven.Von der Quaggamuschel weiß man, dass sie sehr viel Nährstoffe aus dem Wasser filtern kann und somit ein Nahrungskonkurrent ist.

Inwiefern machen Sie der Politik und den Behörden einen Vorwurf für die vorherrschende Misere? Obwohl bei uns wenigstens noch Vergrämungsmaßnahmen gegen den Kormoran möglich sind.
Vorwurf ist vielleicht der falsche Ausdruck. Natürlich sind wir froh, dass wir Maßnahmen gegen den Kormoran setzen dürfen, sonst hätten wir allein im FKK-Gelände schon 10.000 dieser Vögel. Nur reichen diese Maßnahmen hinten und vorn nicht mehr aus. Die Kormoranpopulation am See steigt stetig an. Im Moment haben wir rund 1000 Vögel an den Schlafbäumen in der Bucht, dabei sollten es nur 350 sein. Die Kretzer, wie ich schon sagte, würden funktionieren. Aber diese Horden von Kormorane machen auch diese Bestände komplett nieder. Die Barsche, zu denen die Kretzer zählen, fressen gewöhnlich ja auch Stichlinge. Ihr Fehlen wirkt sich dann auf den Felchenbestand aus. Ich finde es ein Armutszeugnis seitens der Politik, dass sie vor den paar Vogellobbisten in die Knie geht. Die Berufsfischerei ist Tradition und Kulturerbe in Vorarlberg. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Vorarlberger es begrüßen würden, auf den Genuss vom heimischenBodenseefisch wegen eines einseitigen Vogelschutzes verzichten zu müssen.

Können Sie von der Fischerei noch leben?
Mit der momentanen Ertragslage wird das Überleben schwierig. Ich betreibe neben der Fischerei auch das Fischrestaurant “Fränzles” und versuche, mich so über Wasser zu halten.
Kann es als Berufsfischer am Bodensee eine Zukunft ohne den Hauptfangfisch, das Felchen, geben?
Wir Berufsfischer veredeln und vermarkten mittlerweile fast alle Fischarten, die der See zu bieten hat: Rotaugen, Brachsen, Karpfen oder Wels. Aber ohne Felchen und Kretzer ist der Vollerwerb in der Fischerei nicht mehr möglich.
Inwiefern ist auch der Klimawandel schuld an der geringen Fangquote?
Ich nenne es nicht Klimawandel. Ich nenne es Witterung. Natürlich hat die Witterung auch Einfluss auf die Fischbestände. Wie bereits erwähnt: Heuer fehlen die Hochwasser, die einiges an Nährstoffen in den See spülen würden.
Gibt es etwas, was Sie trotz aller Widrigkeiten auch etwas optimistisch für die Zukunft stimmt?
Grundsätzlich bin ich ein positiver Mensch. Auch wenn es im Moment schwer fällt, positiv oder optimistisch zusein. Ich genieße es, mit meinem Sohn auf den See zu gehen und ihm das Handwerk des Fischers beizubringen. Ich träume davon, meinem Junior die Fischerei einmal zu übergeben und ihm in der Rente noch zu helfen, wo ich kann. An das glaube ich, für das kämpfe ich und das hält mich optimistisch.
In der wievielten Generation sind Sie als Berufsfischer am Bodensee tätig?
Ich bin Berufsfischer in der dritten Generation und hoffe mit Unterstützung vom Land Vorarlberg, dass auch mein Sohn Fränzle der Vierte einmal die Fischerei übernehmen und davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.