Warum Jugendliche in der Pflege arbeiten möchten

Vorbereitungen für neue Pflegelehre gehen in die Zielgerade.
Feldkirch “Mir ist die Gesundheit der Menschen wichtig. Und wenn ich jemanden zum Lächeln bringen kann, dann geht mir das Herz auf”, sagt die 16-jährige Sophia Wachter. Weil die Bürserin gerne im Pflegebereich arbeiten möchte, hat sie sich für die Ausbildungskombination Betriebsdienstleisterin und Pflegeassistenz entschieden.
Mir gefällt, dass ich in verschiedenen Bereichen tätig sein kann.
Sophia Wachter, Lehrling
Die Lehre zur Betriebsdienstleisterin absolviert sie im Antoniushaus in Feldkirch, wo seit neun Jahren Lehrlinge ausgebildet werden. Bei der Ausbildung hat sie es sowohl mit kaufmännisch-administrativen als auch organisatorischen Aufgaben zu tun. “Ich möchte einen Beruf mit Zukunft erlernen. Mir gefällt, dass ich in verschiedenen Bereichen tätig sein kann. Reinigung, Wäsche, Küche, Pflege”, erzählt sie.
Ich hätte gerne eine Pflegelehre absolviert.
Michelle Schöch, angehende Fachsozialbetreuerin
Auch ihre Kollegin Michelle Schöch (17) hat den ersten Meilenstein ihrer Ausbildung hinter sich. Gerne hätte sie eine Pflegelehre gestartet. Nun hat sie den Vorbereitungskurs für die Schule für Sozialbetreuungsberufe abgeschlossen. Im September beginnt sie die Ausbildung zur Fachsozialbetreuerin. “Senioren im letzten Lebensabschnitt zu begleiten und ihnen Wünsche zu erfüllen, ist eine wichtige und schöne Aufgabe”, ist sich die Göfnerin sicher. Worum es dabei geht, habe sie schon bei ihrer Oma miterlebt.
Vorbereitungen für die Pflegelehre
Während Sophia Wachter und Michelle Schöch am Donnerstag im Antoniushaus fleißig ihren Aufgaben nachgingen, soll sich nach vielen Diskussionen auch auf arbeitspolitischer Ebene einiges tun. Wegen des Mangels an Pflegekräften und des demografischen Wandels befasst sich eine Arbeitsgruppe in Vorarlberg schon seit mittlerweile zehn Jahren mit den Vorbereitungen für eine “echte” Pflegelehre. Koordiniert wird das Übergangsmodell “Betriebsdienstleister/Pflegeassistenz” vom Sozialunternehmen Aqua Mühle. Im Herbst 2023 soll in mehreren Bundesländern in Österreich ein Pilotprojekt für eine drei- bzw. vierjährige Pflegelehre starten, wie Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) am Donnerstag sagte.
Finanzielle Anreize geplant
“Es ist nötig, dafür möglichst noch heuer die rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen”, betonte Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Mit den Bewerbungen müsse man Anfang des Jahres starten. Derzeit werde noch am Ausbildungsplan gefeilt. Im Herbst soll dieser stehen. Für Tätigkeiten am Patienten soll laut Kocher das Mindestalter von 17 Jahren eingehalten werden. In finanzieller Hinsicht sollen Anreize gesetzt werden. Vorbild für die neue Lehre soll auch die Schweizer Lehre zur Pflegefachkraft sein.
Zahlen zum Vorarlberger Pilotprojekt
107 junge Menschen haben seit Projektbeginn 2011 die Lehrausbildung Betriebsdienstleistung begonnen, davon sind 83 Prozent Frauen
63 von ihnen haben die Lehre mittlerweile erfolgreich abgeschlossen
43 arbeiten nach Lehrabschluss im Sozial- oder Pflegebereich
22 Lehrlinge sind derzeit in der Ausbildung Betriebsdienstleistung in 13 verschiedenen Ausbildungsbetrieben