Verschwundener RSb-Brief bringt Polizeiarzt in Rage

Vorarlberg / 22.07.2022 • 17:30 Uhr
Verschwundener RSb-Brief bringt Polizeiarzt in Rage
VN

Ein 16-jähriger Lehrling als Chef des Bregenzer Hauptpostamtes – und was Mediziner Wilhelm Gruber und Postgewerkschafter Franz Mähr sonst noch aufregt.

Bregenz, Lustenau Wenn der Bregenzer Polizeiarzt Wilhelm Gruber wüsste, was denn in dem von der Vorarlberger Landesregierung an ihn gerichteten behördlichen Schriftstück steht, könnte er ruhiger schlafen. Noch aber „sitzt er auf Nadeln“, wie der Mediziner, der in Lustenau eine ärztliche Praxis betreibt, gegenüber den VN betont.

Verschwundener RSb-Brief bringt Polizeiarzt in Rage
Polizeiarzt Wilhelm Gruber: “Post kann ihrem Versorgungsauftrag nicht nachkommen.” Vn/gs

Mit dem „gelben Zettel“ – der Verständigung der Hinterlegung eines behördlichen Dokuments – ging er am Donnerstag zum Hauptpostamt in Bregenz. Hinter dem Schalter ein Lehrling und eine junge Bedienstete. Beide machten sich auf die Suche nach dem RSb-Brief. Doch erfolglos. Die wichtige Mitteilung schien wie vom Erdboden verschluckt. „Die beiden waren völlig verzweifelt, der Brief war einfach nicht zu finden, sie mussten kapitulieren“, schildert Gruber.

Verschwundener RSb-Brief bringt Polizeiarzt in Rage
Der Verständigungszettel, mit dem Gruber zum Hauptpostamt in Bregenz ging: “Brief wurde nicht gefunden.” Und das noch abgestempelt. Und die Geschäftszahl fehlt auch.

Eine gewisse Verzweiflung bemächtigt sich jedoch auch seiner selbst. Schließlich befindet sich der Arzt noch immer Unklaren darüber, was der behördliche Bescheid beinhaltet. Schließlich ist ein RSb-Brief nicht etwa nur ein Urlaubsgruß. „Das ist für mich nicht akzeptabel! Ich könnte dadurch wichtige Fristen versäumen. Und das mit massiven rechtlichen Konsequenzen.“

Er, Gruber, habe keinerlei Vorstellung, was in dem Brief stehen könnte. „Da kann es sich um alles Mögliche handeln. Es kann im Zusammenhang mit meiner beruflichen Tätigkeit als Arzt stehen. Oder um etwas Verfahrensrechtliches in Bezug auf die Verkehrsabteilung.“ Denn Gruber fungiert immerhin auch als Polizeiarzt bei Suchtgift-Verkehrskontrollen der Polizei.

„Halten die mich für deppert?“

Beim Hauptpostamt habe man ihm dann die Empfehlung gegeben, sich doch bei der Landesregierung selbst zu erkunden. „Aber auf dem Verständigungszettel der Post war keine Geschäftszahl angeführt. So wie es üblicherweise sein müsste. Dann hätte ich wenigstens erheben können, aus welchem Büro der Brief kommt. Jetzt aber müsste ich persönlich sämtliche Büros im Landhaus durchforsten. Halten die mich für deppert?“

Gruber habe dennoch bei der Landesregierung angerufen. Aber auch hier kein Erfolg. Schließlich gibt es dort kein Zentralregister, bei dem vermerkt wird, an wen der eine oder andere Brief geht. „Ich möchte hier aber nicht den Mitarbeitern am Schalter die Schuld geben, die können nichts dafür“, betont der Mediziner.

„Eine neue Dimension“

„Verantwortlich ist die Struktur der Post, die ihren Versorgungsauftrag offenbar nicht mehr erfüllen kann. Sie lässt ihre Kundschaft ins Messer laufen. Das ist eine ganz neue Dimension“, klagt Gruber.

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Franz Mähr, Landesvorsitzender der Postgewerkschaft, mit dem Beschwerdebrief an Generaldirektor Georg Pölzl.

„Post vor dem Zusammenbruch“

Wird der Postfuchs tatsächlich immer „räudiger“? Auch Franz Mähr, dem Vorarlberger Landesvorsitzenden der Postgewerkschaft, platzt der Kragen. Das bringt er auch im Gespräch mit den VN zum Ausdruck. Er hält sich mit Kritik nicht zurück. Besonders hinsichtlich der Personalproblematik. „Eine Situation wie diese war noch nie da. Wir sind auf dem besten Wege zum Zusammenbruch.“

Personalmangel und -fluktuation, zu geringe Löhne, Überbelastung. Mitarbeiter des Hauptpostamtes in Bregenz richteten kürzlich ein mit zahlreichen Unterschriften garniertes Protestschreiben an Georg Pölzl, den Generaldirektor der österreichischen Post AG in Wien.

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Im Hauptpostamt in Bregenz soll laut dem Postgewerkschafter derzeit ein Lehrling “regieren”. Vn/paulitsch

Lehrling als Filialleiter

Auch Mähr selbst schrieb an den Generaldirektor. Die Zeilen haben es in sich. Unter anderem führt er an, dass das Hauptpostamt in Bregenz derzeit von einem 16-jährigen Lehrling geführt werde. Als Stellvertreter des Filialleiters, der sich im Krankenstand befinde. „Und das für ein paar Hundert Euro Lehrlingsgehalt. Ganz abgesehen davon, dass eine solche ‚Beförderung‘ gesetzlich verboten ist“, bemerkt Mähr noch gegenüber den VN.

Die Situation sei landesweit katastrophal. In allen 16 Filialen. Mähr: „Ganz besonders schlimm ist es auch beim Postamt Feldkirch. Die Postfiliale Klaus etwa ist am Nachmittag geschlossen, weil die dortige Bedienstete in Feldkirch zum Aushelfen gezwungen wird.“

Im Visier des Gewerkschafters steht vor allem der Vorarlberger Verkaufsleiter. Er ist für ihn der Hauptschuldige der Misere. Das schrieb er auch an Pölzl. „Wegen ihm haben schon viele Mitarbeiter gekündigt. Das behaupte ich und dafür stehe ich auch gerade.“