Warum Schulverweigerer Rechnung präsentiert erhielten

Bei Externistenprüfungen traten 31 Kinder nicht an, 33 fielen durch. Ausfallsquote: knapp 30 Prozent.
Bregenz Häuslicher Unterricht ist in Österreich gesetzlich erlaubt. Kinder müssen nicht in die Schule kommen, werden extern ohne Schulaufsicht unterrichtet. Am Ende des Schuljahrs müssen sie eine Prüfung ablegen und beweisen, dass sie den Jahresstoff beherrschen.
Während vor Corona in Vorarlberg circa 100 Kinder aus verschiedensten, zumeist nachvollziehbaren Gründen, diese Möglichkeit in Anspruch nahmen, waren es zu Beginn des vergangenen Schuljahrs 370. Der Grund für den explosionsartigen Anstieg: Viele Eltern, vehemente Gegner der Coronamaßnahmen, wollten ihren Kindern die an den Bildungsstätten geltenden Regeln mit Tests und Masketragen ersparen. Sie meldeten ihre Sprösslinge für den häuslichen Unterricht an.
Verpflichtende Rückkehr an die Schule
Während des Schuljahrs ging die Zahl der Schulverweigerer von 370 auf 221 zurück: 140 Volksschüler, 71 Mittelschüler, fünf Sonderschüler und fünf Jugendliche aus AHS/BMHS. Die Bilanz nach den im Juni durchgeführten Externistenprüfungen fiel in Vorarlberg ernüchternd aus. 31 Kandidaten traten erst gar nicht an, 33 bestanden die Prüfung nicht. Eine Ausfallsquote von nahezu 30 Prozent.
Für die nicht angetretenen bzw. bei der Prüfung durchgefallenen Schüler bedeutet das: Sie müssen im kommenden Schuljahr an die Schule zurück und das Schuljahr wiederholen.
Herausforderungen unterschätzt
Die Erstanalyse von Andreas Kappaurer (61), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg: “Wir wissen von jenen Kindern, die vor Corona schon im häuslichen Unterricht waren, dass sie fast allesamt mit den Prüfungen kein Problem hatten. Anders schaut das mit einigen Kindern aus, deren Eltern sie aus Gründen der Coronamaßnahmen nicht mehr in die Schule schickten. Sie haben die Herausforderungen des häuslichen Unterrichts wohl unterschätzt. Und das ist das Resultat.” Viele dieser Schüler seien offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet gewesen, obwohl sie die Fähigkeiten dazu gehabt hätten.
“Jene, die durchfielen, sind zum Großteil die Kinder von Eltern, die die Coronamaßnahmen ablehnen.”
Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter Bildungsdirektion
Klagen befürchtet
Kappaurer befürchtet, dass gewisse Eltern der durchgefallenen bzw. gar nicht angetretenen Schüler diese Entscheidungen nicht einfach akzeptieren. “Ich gehe davon aus, dass es zu Klagen kommt, die bis in die letzte Instanz betrieben werden.” Für viele der im vergangenen Jahr im häuslichen Unterricht befindlichen Kinder dürfte einem Zurück an die Schule nach Aufhebung praktisch aller Coronamaßnahmen nichts mehr im Wege stehen.
Und doch: Auch für das kommende Schuljahr rechnet die Bildungsdirektion mit rund 200 Anmeldungen für den häuslichen Unterricht. Die Anträge werden derzeit bearbeitet.