Warum es für das Wälderbähnle neue Gleise und neue Kohle gibt

Vorarlberg / 16.06.2022 • 16:00 Uhr
Warum es für das Wälderbähnle neue Gleise und neue Kohle gibt
Im Jubiläumsjahr gibt es für das Wälderbähnle neue Gleise und neue Kohle. VN/Lerch

Zum 120-Jahr-Jubiläum wurde ein Teilstück der Wälderbähnle-Trasse saniert. Investiert werden rund 1,2 Millionen Euro.

Bezau Während Ivo Weder (64) die Messgeräte vor sich kontrolliert, dampft es schon ordentlich aus dem Schornstein der Lokomotive des Wälderbähnles. Der Schweizer hat um 4 Uhr morgens mit dem Heizen begonnen, um 9 Uhr ist an diesem Vormittag Abfahrt vom Bahnhof Bezau. “Zuerst kommt Holz rein, dann die Kohle”, erklärt Weder und deutet auf die tennisballgroßen schwarzen Kohlestücke am Boden neben ihm. “Bis vor Kurzem hatten wir Kohle aus Sibirien”, erzählt er und zuckt im Hinblick auf die momentane Situation rund um Russland mit den Schultern. Künftig wird die Kohle für das Wälderbähnle jedenfalls aus Wales bezogen.

Ernst Cavegn und Ivo Weder sind ein eingespieltes Team.
Ernst Cavegn und Ivo Weder sind ein eingespieltes Team.

Während das Feuer den Rost des Kessels inzwischen auf 1500 Grad aufgeheizt hat und draußen der Regen auf die grünen Waggons mit den gelb umrahmten Fenstern prasselt, warten auch schon die ersten Fahrgäste auf dem Bahnsteig und machen Fotos. Beliebtes Motiv ist auch Bahnbetriebsleiter und Lokführer Ernst Cavegn (61). Bevor es losgeht, checkt er noch einmal alles durch und klettert dann in die Kabine der Lokomotive. Schaffner Walter Schöch (70) klappt unterdessen die Sicherheitsbügel zu. Mit Pfeifsignal und Dampf rollt das Wälderbähnle schließlich aus dem Bahnhof.

Walter Schöch sorgt als Schaffner auch für gute Laune.
Walter Schöch sorgt als Schaffner auch für gute Laune.

“Die Bregenzerach führt heute ordentlich Wasser”, sagt Wälderbahn-Geschäftsführer Walter Rüf und deutet in einem der Waggons in Richtung Fenster. Der Alberschwender leitet seit acht Jahren die geschäftlichen Geschicke rund um den Verein Museumsbahn. Dessen Mitglieder möchten mit ihrem ehrenamtlichen Engagement einerseits mit den Fahrten von Bezau nach Schwarzenberg und retour die Bähnletradition erhalten und Landschaftserlebnisse ermöglichen, andererseits an den Lauf der technischen Entwicklungen sowie die Bedeutung der ehemaligen Bregenzerwaldbahn und deren Weichen für eine neue Zukunft erinnern.

Walter Rüf sieht das Wälderbähnle als Kulturgut und wichtigen Faktor für den Tourismus.
Walter Rüf sieht das Wälderbähnle als Kulturgut und wichtigen Faktor für den Tourismus.

“Die Fahrgestelle sind noch aus dem Jahr 1902”, erklärt der Geschäftsführer und klopft auf das Holz neben ihm. Eine Erinnerung an die Eröffnung der Bregenzerwaldbahn, welche der Bizauer Gebhard Wölfle mit dem Leitspruch „Meor ehrad das Ault und grüßad das Nü und blibod üs sealb und dor Hoamd trü“ geprägt hatte. Die ursprüngliche Trasse war 35 Kilometer lang und führte bis 1980 von Bregenz nach Bezau.

Wir sind keine Disneybahn, sondern ein Kulturgut, und darauf legen wir auch großen Wert.

Walter Rür, Geschäftsführer Wälderbähnle

“Wir haben mittlerweile 350 Vereinsmitglieder, darunter rund 45 aktive aus Österreich, Deutschland und der Schweiz”, berichtet Rüf. Alle haben natürlich die nötigen Ausbildungen für ihre Bereiche absolviert, wie beispielsweise Heizer Ivo Weder oder Bahnbetriebsleiter Ernst Cavegn.

Im Jahr 2019 zählten die für die Museumsbahn Zuständigen 50.000 Besucher. In den vergangenen zwei Pandemiejahren waren es mehr als die Hälfte weniger. Heuer hoffen die engagierten Ehrenamtlichen wieder auf eine deutliche Zunahme von Gästen, die mit der Dampf- oder Diesellok unterwegs sein werden.

Warum es für das Wälderbähnle neue Gleise und neue Kohle gibt

“Ab hier wird die Fahrt gleich deutlich ruhiger”, sagt Rüf und weist dabei auf die neuen Gleise zwischen der Sporenegg-Brücke und dem Bahnhof Schwarzenberg hin. 1,4 Kilometer der insgesamt fünf Kilometer langen Strecke wurden zwischen März und Ende Mai saniert. Im Herbst sollen die beiden Straßenquerungen noch neue Platten bekommen. “Die Gleise stammten noch von der Deutschen Reichsbahn. Die ÖBB haben die früher nie saniert”, sagt Rüf. Nun musste aus Sicherheitsgründen gehandelt werden. Investiert werden 1,2 Millionen Euro. “Etwa die Hälfte wird von der Regio und vom Land gefördert”, sagt der Geschäftsführer.

Ivo Werder legt sich als Heizer ins Zeug.
Ivo Werder legt sich als Heizer ins Zeug.

Neben neuen Gleisen auf der Teilstrecke gibt es für das Wälderbähnle auch neue Kohle. “Die Kohlequalität ist natürlich ein großes Thema”, sagt Rüf im Hinblick auf Emissionen der Dampflokomotive. In den vergangenen fünf Jahren wurde mit Kohle aus Sibirien geheizt, davor kam sie aus Polen. “Da französische und Schweizer Kollegen die walisische Kohle gelobt haben, werden wir heuer auch auf diese setzen.”

Um die Emissionen so gering wie möglich zu halten, wird auf die Kohlequalität geachtet.
Um die Emissionen so gering wie möglich zu halten, wird auf die Kohlequalität geachtet.

Um die Museumsbahn zu erhalten, veranstaltet das engagierte Team auch Events, die in kultureller Hinsicht stimmig sein sollen. Als nächstes steht am 25. Juni unter dem Motto “Eine kollegiale Zeitreise” ein Oldtimertreffen auf dem Programm. Die 120-Jahr-Jubiläumsfeier ist für September geplant.

Nach 20 Minuten Fahrt ertönt wieder ein Pfiff und Weder und Cavegn kündigen damit die Ankunft am Bahnhof Schwarzenberg an. Lieber wäre es den Wälderbähnle-Akteuren, wenn die Fahrt bis nach Andelsbuch weiterginge. Aber dort sind die Gleise schon längst verschwunden.

“Jedenfalls hat die Bregenzerwaldbahn der Region viel gebracht”, sagt Rüf. Ihm ist wichtig zu betonen: “Und wir sind keine Disneybahn, sondern ein Kulturgut und darauf legen wir Wert.”

Das sagen Fahrgäste zum Wälderbähnle:

Die Lokomotive ist großartig. Ein richtiges Kulturgut. Wie sie schnauft und atmet und dann noch die schöne Landschaft, das ist sehr irdisch. Die Langsamkeit entschleunigt richtig.<br><strong>Peter Pauls und Ulla Schüller-Pauls, Urlauber aus Köln</strong><br>
Die Lokomotive ist großartig. Ein richtiges Kulturgut. Wie sie schnauft und atmet und dann noch die schöne Landschaft, das ist sehr irdisch. Die Langsamkeit entschleunigt richtig.
Peter Pauls und Ulla Schüller-Pauls, Urlauber aus Köln
Das war unsere erste Fahrt mit dem Wälderbähnle und die war echt toll. Zuhause singen wir auch manchmal das Wälderbähnle-Lied.<br><strong>Familie Spiegel, Urlauber aus den USA</strong>
Das war unsere erste Fahrt mit dem Wälderbähnle und die war echt toll. Zuhause singen wir auch manchmal das Wälderbähnle-Lied.
Familie Spiegel, Urlauber aus den USA