Warum Wissenschaftler ein Vorarlberger Naturjuwel ins Visier nehmen

Vorarlberg / 14.06.2022 • 09:00 Uhr
Europaschutzgebiets-Regionsmanager Martin Bösch hantelt sich gemeinsam mit Experten Schritt für Schritt durch den Aufbau des Naturwalds.<span class="copyright"> Florian Raidt</span>
Europaschutzgebiets-Regionsmanager Martin Bösch hantelt sich gemeinsam mit Experten Schritt für Schritt durch den Aufbau des Naturwalds. Florian Raidt

Im Naturwaldreservat Rohrach kommen modernste Methoden zum Einsatz, um natürliche Veränderungen darzustellen.

Hohenweiler Montagvormittag im Naturwaldreservat Rohrach in Hohenweiler: Vögel zwitschern, ein Wasserfall tost und mitten in der Idylle und zwischen umgestürzten Bäumen nehmen Ökologen gerade Pflanzen und was sonst noch alles so in der Umgebung wächst ins Visier. Dazu haben sie im unwegsamen Terrain ein Raster mit zwei mal zwei Meter großen Feldern ausgelegt. “Bei den Arbeiten handelt es sich schon um Schwerstarbeit im Gelände”, sagt Martin Bösch. Er ist als Regionsmanager für das Europaschutzgebiet im Einsatz. Diesmal geht es im Rahmen eines Medientermins gemeinsam mit weiteren Kollegen und Umweltlandesrat Daniel Zadra auf Lokalaugenschein in einem der ursprünglichsten Winkel des Landes.

Das Rohrach ist eines der naturbelassensten Gebiete im Land.
Das Rohrach ist eines der naturbelassensten Gebiete im Land.

Die Waldschlucht Rohrach erstreckt sich von Hohenweiler bzw. Möggers über die Staatsgrenze bis nach Deutschland. Vor 30 Jahren gab es für das 50 Hektar große Gebiet auf österreichischer Seite, das nah am Siedlungsgebiet liegt, das Prädikat “Naturwaldreservat”. “Jede Bewirtschaftung ist hier verboten”, erklärt Bösch. Ausgenommen ist die Jagd, um Wildverbiss vorzubeugen wie es heißt.

60.000 Euro aus dem Waldfonds

Während sich Bösch und Zadra gemeinsam mit Waldaufseher Florian Kohler und weiteren Experten durch den “Urwald” hanteln, gibt es einiges zu erzählen. So hatten Forscher Mitte der 1990er-Jahre schon einmal ein Wissenschaftsprojekt gestartet. Ziel war es, unter anderem Daten zu Waldstruktur, Totholz, Wildverbiss sowie botanischen Aspekten zu gewinnen. Zum 30-Jahr-Jubiläum gibt es auf Basis der damaligen Erkenntnisse eine Wiederholung der Forschungen, sagt Bösch. Gefördert werden die Untersuchungen mit rund 60.000 Euro aus dem Waldfonds des Bundes.

Klaus Steinbauer und Anna Kovarovics zeigen sich trittsicher und wetterfest.
Klaus Steinbauer und Anna Kovarovics zeigen sich trittsicher und wetterfest.

Gingen Mitarbeiter des Landesvermessungsamts vor dreißig Jahren noch mit Peilkompass auf Tour, so wird jetzt auf moderne Laserscans und Fernerkundung gesetzt. “Zuerst wurde das Gebiet mit einer Drohne überflogen und ein 3-D-Modell erstellt”, skizziert der Regionsmanager die Arbeiten. Nun standen Kartierungsarbeiten im Gelände an. Die 47 Stichprobenpunkte zu finden, die vor fast dreißig Jahren gesetzt worden sind, sei teilweise gar nicht so einfach gewesen.

Die Vermessungspunkte leuchten rot.
Die Vermessungspunkte leuchten rot.

Nun hanteln sich die Experten Schritt für Schritt vor, um Ergebnisse zu liefern. Bei dem Projekt geht es unter anderem darum herauszufinden, was sich in den vergangenen 30 Jahren im Naturwald alles getan hat und wieviel Kohlenstoff dort gespeichert ist. Weiters soll herausgefunden werden, wieviel Totholz sich gebildet hat und wie es mit dem Holzvorrat ausschaut. Angeschaut wird alles, was dicker als zehn Zentimeter ist.

Auf Erkundungstour: Hanns Kirchmeir (E.C.O. Institut für Ökologie), Regionsmanager Martin Bösch, Umweltlandesrat Daniel Zadra, Waldaufseher Florian Kohler und Isolde Miller (BN Lindau).
Auf Erkundungstour: Hanns Kirchmeir (E.C.O. Institut für Ökologie), Regionsmanager Martin Bösch, Umweltlandesrat Daniel Zadra, Waldaufseher Florian Kohler und Isolde Miller (BN Lindau).

Bösch geht davon aus, dass die Arbeiten bzw. Auswertungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Danach soll auch noch die Artenvielfalt in dem naturbelassenen Gebiet genauer erkundet werden. Das Prädikat “Naturwaldreservat” ist übrigens vorerst bis heuer befristet. VN-MEF