Oesterreich musste zum Boxenstopp an Land

Vorarlberg / 14.06.2022 • 15:55 Uhr
Kapitän Robert Kössler mit seinem „Taucher“ Felix Brandauer, der bei einem Tauchgang den Schaden am Propeller feststellte.
Kapitän Robert Kössler mit seinem „Taucher“ Felix Brandauer, der bei einem Tauchgang den Schaden am Propeller feststellte.

Bei einem kurzen Aufenthalt in der Fußacher Werft wurde der beschädigte Propeller erneuert.

Fußach Die gute Nachricht zuerst: Die Oesterreich schwimmt wieder – und gleitet auch wieder ruhig über den Bodensee. Das war etwa zwei Wochen lang nicht so, denn einer der beiden Propeller war – vermutlich von einem großen unter der Wasseroberfläche schwimmenden Stück Treibholz – beschädigt worden.

Kleine Ursache, große Wirkung – „Etwa Ende Mai traten heftige Vibrationen auf und unsere Vermutung, dass diese durch einen Propellerschaden verursacht wurden, war zutreffend“, rekapituliert Kapitän Robert Kössler. Crewmitglied Felix Brandauer ging auf Tauchgang und identifizierte die Ursache des Problems: „Propellerblätter sind verbogen, eine Reparatur vor Ort wohl nicht möglich“, so seine Einschätzung nach sorgfältiger Prüfung der Beschädigung.

Ersatz aus Linz angeliefert

„Solche Teile liegen natürlich nicht auf Lager“, so Florian Pausch, schifffahrtsrechtlicher Betriebsleiter der Historischen Schifffahrt Bodensee. Also musste bei der ÖSWAG in Linz ein Ersatzpropeller angefertigt und an den Bodensee geliefert werden. Am Montag trafen dann auch die Techniker Andreas Stöglehner und Roland Hartl in Fußach ein. Während ihrer Anreise wurde auf der Werft das Schiff auf die Helling gezogen und für die Reparatur vorbereitet.

Schiffsrumpf „wie neu“

Während sich die ÖSEAG-Techniker daran machten, den beschädigten Propeller auszubauen und den golden glänzenden neuen Propeller einzusetzen, nützten Kapitän Kössler und sein Kollege Pausch die Gelegenheit, den Unterwasserbereich des Schiffs zu inspizieren. Mit dabei die Crew mit Farbe und Pinsel – aber viel war nicht zu tun. Da und dort eine kleine Ausbesserung, Lackschäden übermalen oder Muscheln, die sich festgesetzt hatten, entfernen – das war’s schon, der Schiffsrumpf präsentierte sich nach vier Jahren Betrieb noch wie neu. Da bestätigte sich, dass bei der Restaurierung ganze Arbeit geleistet wurde.

Doch wenn man schon mal da war, wurde auch da und dort an Bord Hand angelegt. Auch hier nur Kleinigkeiten auszubessern, so dass die Oesterreich nach einem Tag Landgang wieder eingewassert werden konnte.

Verstärkung der Crew gesucht

Sorgen bereitet der Historischen Schifffahrt derzeit die Personalsituation: „Durch die Unsicherheit um den Arbeitsplatz während der Pandemie haben uns bewährte Kräfte verlassen und andere Arbeitsplätze gesucht, das betrifft die nautische Crew gleichermaßen wie die Gastronomie, wo wir beispielsweise dringend einen Koch suchen“, so Kössler. Für seine nautische Crew wird ebenfalls Verstärkung benötigt, nachdem beispielsweise der Chefmaschinist nach 25 Dienstjahren von Bord gegangen ist.

Andererseits gutes Zeichen

Dass an Bord der beiden Prachtschiffe zusätzliches Personal benötigt wird, ist andererseits auch ein gutes Zeichen, denn „nach Aufhebung der Coronaeinschränkungen ist der Betrieb voll angelaufen, wir sind gut ausgelastet und das erfordert natürlich auch erhöhten Personaleinsatz“, so Kössler, der in seinem Bereich vor allem auf zwei Auszubildende setzt: „Abdulsamad Laila und Luca Gehrmann bereiten sich auf die Patentprüfung vor, die sie vermutlich noch heuer ablegen werden, dann sind wir zumindest in diesem Bereich besser aufgestellt. Conny Simma hat die Stelle als Chefmaschinistin übernommen, hier ist aber Verstärkung dringend nötig, damit unsere Crew nicht überfordert wird. In der momentanen Situation ist es schwierig, auch entsprechend Freizeit einzuplanen.“ STP

Die ÖSWAG-Techniker Andreas Stöglehner (l.) und Roland Hartl nahmen auf der Helling der Fußacher Werft den Propellertausch vor. <span class="copyright">STP/3</span>
Die ÖSWAG-Techniker Andreas Stöglehner (l.) und Roland Hartl nahmen auf der Helling der Fußacher Werft den Propellertausch vor. STP/3
<p class="caption">Florian Pausch ist mit dem Zustand des Rumpfes zufrieden, Abdulsamad Laila muss nur einige wenige Stellen nachlackieren.</p><p class="caption"/>

Florian Pausch ist mit dem Zustand des Rumpfes zufrieden, Abdulsamad Laila muss nur einige wenige Stellen nachlackieren.