Falco kam zu Kultgastronom Sigi Innauer, doch dann …

Vorarlberg / 10.06.2022 • 05:30 Uhr
Ein Original geht in Rente. Sigi Innauer hat in der Vorarlberger Gastronomieszene Geschichte geschrieben. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Ein Original geht in Rente. Sigi Innauer hat in der Vorarlberger Gastronomieszene Geschichte geschrieben. VN/Steurer

Seine Lokale, seine Gäste, seine Konzerte : Der Mann hat einiges zu erzählen. Jetzt geht er in Rente.

Dornbirn Bei Sigi Innauer braucht es nicht lange, um in einen anregenden Gesprächsmodus zu kommen. Zu viel hat der Mann lebhaft und authentisch zu erzählen, um auch nur eine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen.

Sigi Innauer, der Kultgastronom, der, 65-jährig, den Tresen bald zum letzten Mal abwischen wird. Der nach seiner erfolgreichen Karriere als Freestyler die Gastronomie zu seiner Lebensaufgabe auserkor, der mit der “Vakanz” in Bezau, dem “Kiew” in Röthis und dem “Innauer” in Dornbirn Vorarlberger Gastro-Geschichte schrieb. “Ja, ich bin schon erleichtert. Vor allem die letzten Jahre waren hart. Corona, Personalsuche, die Ungewissheit. Es ist Zeit, den Stress zu verbannen”, sagt der Bruder der Skisprunglegende Toni Innauer. Schon ein paar Sekunden später mischen sich dann aber leichte Zweifel in die vermeintliche Gewissheit. “Wer weiß, vielleicht kommt später etwas Wehmut auf.”

Sigi Innauer anlässlich der Eröffnung seines Lokals in der Dornbirner Marktstraße mit seinem damaligen Personal. <span class="copyright">franc</span>
Sigi Innauer anlässlich der Eröffnung seines Lokals in der Dornbirner Marktstraße mit seinem damaligen Personal. franc

Die Jazz-Gitti in der Vakanz

Wen wundert es. Innauer hat Nachtgastronomie zeit seines Wirtelebens verinnerlicht. Mit der “Vakanz” fing es vor rund 40 Jahren an. Der Sproß einer Gastronomenfamilie, seine Eltern führten das Gasthaus Sonderdach ob Bezau, schuf dort eine bemerkenswerte Kulturszene. Neue und arrivierte Bands verschiedenster Stilrichtungen fanden dort eine Plattform. Unvergessen etwa der Auftritt der Jazz-Gitti, die im erfrischenden Wälder Ambiente zur Höchstform auflief.

“Im Moment bin ich erleichtert. Aber wer weiß: Vielleicht kommt später dann doch etwas Wehmut auf.

Sigi Innauer, Gastronom

Das “Kiew” bei Röthis formte Innauer in den 90er Jahren zum Mekka der Nachtgastronomie im Land, attraktive Konzerte inklusive. “Rammstein und Falco sind mir noch in bester Erinnerung. Als Falco kam, lag ich aber leider mit Blinddarm im Spital. Ich habe ihn deswegen persönlich nicht erleben können.”

Sigi Innauer flankiert von seinen beiden Söhnen Mathias und Markus 2007 in der alten Naturschau. Zwei Jahre später eröffnete Sigi dort sein Restaurant samt Bar. <span class="copyright">franc</span>
Sigi Innauer flankiert von seinen beiden Söhnen Mathias und Markus 2007 in der alten Naturschau. Zwei Jahre später eröffnete Sigi dort sein Restaurant samt Bar. franc

Immer etwas im Kopf

Mit dem “Innauer” in der Dornbirner Marktstraße setzte sich der umtriebige Wälder 2009 in der Messestadt ein Denkmal. Es wird die letzte Station des Szenegastronomen sein. Bis im Juli hält er dort noch die Zügel in der Hand. Danach wird er die Schlüssel abgeben und ein neues Leben beginnen. “Ich freue mich natürlich auf Familie, Freizeit und Sport. Aber wie das alles wird? Wahrscheinlich auch ein Abenteuer, so wie das alle meine Unternehmungen waren”, lacht der fünffache Vater. Nachsatz: “Ich hatte als Gastwirt immer etwas im Kopf. Das habe ich hoffentlich auch in der Pension.”

Ein Zeichen

Dass ihm ein etwas beschaulicheres Dasein wohl guttut, ist Sigi Innauer seit dem letzten Oktober bewusst. “Da hatte ich ein leichtes Schlägle. Völlig unerwartet und nicht so schlimm. Aber vielleicht war es ein Zeichen zur rechten Zeit. Mit dem Hinweis, etwas kürzerzutreten.” Bereut hat Sigi Innauer nichts, was er in seinem abwechslungsreichen Berufsleben anfasste. “Ich würde alles wieder so machen.”

Der Szene und seinen zahlreichen Stammgästen wird er abgehen: “Der Sigi ist ein Original”, sagen alle, die ihn kennen. Sie wissen: Ein Original ist nie zu ersetzen.