Wo in Vorarlberg Roboter das Schnitzel bringen

Vorarlberg / 02.06.2022 • 05:00 Uhr
Wo in Vorarlberg Roboter das Schnitzel bringen
Hanna, Martin, Karin und Josef haben auf der Schnepfegg einen neuen digitalen Helfer. VN/Mef

Im Berghaus Kanisfluh und am Muttersberg bringen seit Kurzem Roboter Entlastung für das Servicepersonal.

Schnepfau “Hallo, ihre Bestellung ist da”, dieser Satz kommt diesmal nicht von Kellnerin Hanna, sondern von ihrem neuen Kollegen mit den blau blinkenden Katzenohren. Während die junge Frau mit Dirndl bekleidet die Gäste auf der Terrasse mit einem herzlichen Lächeln begrüßt und Bestellungen aufnimmt, versucht der Neue in dezentem Schwarz-Weiß, mit Zwinkern und höflichen Floskeln zu überzeugen. Seit einer Woche unterstützt der Roboter das Servicepersonal des Berghauses Kanisfluh in Schnepfau. Er fungiert dabei quasi als rollender Servierwagen.

Schwierige Personalsuche

“Wir müssen uns schon noch an ihn gewöhnen”, sagt Chef Josef Moosmann. Da Personal rar ist, versucht die Gastrofamilie nun die Lücke mit dem digitalen Helfer zu ersetzen. “Das ist mir jedenfalls lieber, als auf Selbstbedienung umstellen zu müssen”, sagt Moosmann. Denn auch Hilfskräfte seien mittlerweile nur noch schwierig zu bekommen.

Derzeit läuft die Probezeit für die moderne Servicekraft. Noch hat er keinen offiziellen Namen. “Den denken wir uns aus, wenn er sich tatsächlich bewährt hat”, sagt Moosmann und lacht. Seine Schwester Karin ergänzt: “Bei mir heißt er jetzt mal einfach Sissi.” Auf die Idee sich einen digitalen Helfer anzuschaffen, kam Josef Moosmann über verschiedene Berichte. “So ein Roboter soll nicht die Servicemitarbeiter ersetzen, sondern sie beim Servieren und Abräumen unterstützen”, erklärt der Gastronom. So sollen sich die Servicemitarbeiter Wege ersparen und dadurch mehr Zeit für die Gäste haben.

Höflich ist er ja schon mal.

Josef Moosmann, Berghaus Kanisfluh

“Bitte lassen Sie mich durch, denn die anderen Gäste warten schon”, sagt der Helfer, während sein Chef die Funktionen präsentiert und an den Einstellungen feilt. “Höflich ist er ja schon mal”, meint Moosmann und muss Grinsen. Über Sensoren schafft es der Roboter Hindernissen auszuweichen. Über einen Touchscreen kann Moosmann Tischnummern auswählen.

Auch Servicemitarbeiter Martin, der gerade mit Getränken vorbei eilt, freut sich über den Neuen. “Aber es wird schon noch eine Weile dauern, bis die Abläufe gut funktionieren. Wenn viel los ist, vergesse ich schon noch, dass der Roboter ja auch noch da ist”, erzählt er. Die Entlastung sei aber schon zu spüren. “Gerade, wenn wir größere Runden haben. Ich gehe mit zwei Tellern vor, der Roboter kommt mit den anderen Tellern nach.”

Beliebtes Fotomotiv

Bei den Gästen sei der digitale Helfer in der ersten Testwoche grundsätzlich schon mal gut angekommen, berichtet Moosmann. “Er wird jedenfalls viel öfter fotografiert als wir.” Auf Wunsch lässt der Chef den Servierwagen mit den Katzenaugen auch servieren. “Gedacht ist das aber natürlich nicht so.”

Was den Look des Neuen betrifft, so ist der Gastgeber schon mal zufrieden. “Das wurde alles so gestaltet, dass sich die Gäste nicht erschrecken und die Kinder haben eine Freude.” Auch Josef Moosmann selbst scheint schon angetan zu sein. Sanft streichelt er über den mit Hightech gefüllten Kopf und zaubert dem Roboter dabei ein Lächeln auf den Display. Ob durch die technische Spielerei auch Geld gespart werden kann, darauf weiß Moosmann noch keine Antwort. “Das wird sich weisen”, meint er.

Am Muttersberg bekommt Servicechef Daniel Unterstützung von "Berta". <span class="copyright">Brandl</span>
Am Muttersberg bekommt Servicechef Daniel Unterstützung von "Berta". Brandl

Der Roboter ist also kein Werbegag, sondern soll den Personalmangel in der Gastronomie abfedern. Auch am Muttersberg läuft derzeit eine Probezeit für einen digitalen Kollegen bzw. eine Kollegin. Hier hilft “Berta” dem Serviceteam ebenfalls seit einer Woche beim Teller tragen und Abräumen. “Das ist schon eine Erleichterung”, sagt Alpengasthof-Chef Johann Bandl und fügt hinzu: “Und der Roboter lernt schnell.”

Aufgepasst bei Getränken

Bereits Erfahrung mit Servierrobotern gesammelt haben die Mitarbeiter im Dornbirner Shao Kao. Hier gibt es seit rund einem Jahr schon zwei “Bellas”. Diese können vier Tabletts mit bis zu 40 Kilo tragen. “Wir sind sehr zufrieden und sind froh, dass wir die beiden haben”, heißt es seitens des Service-Personals. Aufpassen müsse man nur bei Getränken, falls die digitalen Helfer schnell bremsen müssen. Es gilt also aufzupassen.

Während man in Dornbirn schon erfahren ist, heißt es im Berghaus Kanisfluh noch testen. Vorerst gilt es einmal den Neuen mit den Katzenohren Schritt für Schritt zu programmieren und in den Arbeitsalltag einzubauen.