Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Pauker sollte man sein!

Vorarlberg / 25.05.2022 • 14:00 Uhr

Es ist ja pures Glück, wenn ein großes Orchester dieser Tage wieder Aufstellung nimmt und auch der Herr an den Pauken sich seine Schlägel zurechtlegt. Ist er reumütig zurückgekehrt? Hat sich wohl daran erinnert, dass ihm Joseph Haydn sogar seine 94. Sinfonie gewidmet hat. Das tun die Medien nicht.

Immerhin boten sie ihm in den Zeiten der zwangsberuhigten Konzertsäle einen (hoffentlich einträglichen) Ersatz, wo doch der Paukenschlag die Titel erbeben lässt wie nie zuvor: Die Impfpflicht kommt – Paukenschlag! Sie kommt doch nicht – Paukenschlag! Rücktritte aller Art vom Minister bis zum Fußballtrainer werden mit Paukenschlägen verkündet. Wenn Grundstücksdeals platzen, darf das bauchige Instrument nicht schweigen. Wir werden uns das Schnitzel bald nicht mehr leisten können? Da kommen wie in Berlioz Requiem zehn Pauken gleichzeitig zum Einsatz.

Die anderen Musiker des Orchesters müssen den Paukisten scheel angesehen haben. Sie blieben arbeitslos. Niemals erklingt da Posaunenstoß oder ein Hornsignal, vom Bratschenstrich ganz zu schweigen. Das Fortleben als Metapher bleibt einzig dem Paukenschlag vorbehalten. Das geschieht inzwischen derart inflationär, dass es selbst beim verbilligten Sockenverkauf des Betriebsrats dem Verkünder dieser Wohltat in den Schlägeln juckt.

Thomas Matt

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