Der Hilflosigkeit etwas entgegensetzen

Cornelia Rieser setzt an diesem Wochenende mit der Initiative PAX ein aktives Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität.
Lech Vizebürgermeisterin Cornelia Rieser fühlte sich angesichts der brutalen Invasion der russischen Armee in die Ukraine macht- und hilflos. Ein Gefühl, das sie mit vielen anderen Menschen teilt. So entstand bei der engagierten Lecherin die Idee, mit PAX eine Initiative zu starten, die Gastfreundschaft und Spendenbereitschaft kombiniert. Über die vielen teilnehmenden Betriebe und die zahlreichen Ideen zur Unterstützung dieser humanitären Aktion in Lech Zürs ist sie überrascht. Offenkundig hat die aktuelle Situation in der Ukraine bei vielen Menschen in den Gemeinden zu einer tiefen Betroffenheit geführt.
Was ist PAX und wer sind die Initiatoren dahinter?
RIESER Der Wunsch nach Frieden ist plötzlich keine Selbstverständlichkeit in Europa und kein abstrakter Wunsch mehr. Das Einstehen für Menschlichkeit wurde vom Bedürfnis, einen Beitrag zu leisten, begleitet. Ein Beitrag, der aus vielen Einzelteilen besteht und in Summe ein großer Solidaritätsbeitrag für die Menschen in der Kriegsregion mit ihrem unsäglichen Leid, das ihnen widerfährt, darstellt. PAX entstand bei mir als Idee und ist nun eine Initiative der Gemeinde Lech gemeinsam mit Lech Zürs Tourismus. Das erklärte Ziel dieser Aktion ist es, ein Netz der Gastfreundschaft über unser Dorf zu spannen und gleichzeitig Spenden zu sammeln.
Was steckt hinter der Idee und was ist das Ziel von PAX?
RIESER PAX ist das lateinische Wort für Frieden. Bei uns in der Gastlichkeit ist PAX auch ein sehr häufiger Begriff für Personen. Die Idee war nun, viele Personen zu verbinden, ins Tun zu bringen und so einen gemeinsamen Beitrag als Dorf zu leisten. Es heißt ja, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das merkt man hier gerade besonders.
Aus welchem Grund entstand diese Idee und Initiative konkret von Ihnen?
RIESER Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich habe mich hilflos gefühlt. Das erste Mal an diesem Morgen, als klar war, dass wir in Europa Krieg haben. Dieser ungläubige Blick in die Nachrichten, in die Zeitung. Und die Fragen meiner neunjährigen Tochter. „Mama, was können wir dagegen tun?“ Die Antwort: „Ich weiß es nicht.“ Pure Hilflosigkeit. Mir ist auch bewusst, dass ich diese Hilflosigkeit teile. Mit vielen Menschen in Lech, in Österreich, in Europa und auf der ganzen Welt. Mein Einflussbereich liegt nun mal in unserem Dorf. Immerhin bin ich hier Vizebürgermeisterin. Und es gibt Augenblicke, in denen eine Position als solche hilfreich ist, um etwas bewegen zu können. Das wollte ich nutzen.
Wer beteiligt sich an dieser Aktion und auf welche Weise? Wie sieht die Resonanz im Dorf im Allgemeinen aus?
RIESER Wir haben unglaubliche Beteiligung erlebt. Mehr als 60 Institutionen, Betriebe und Personen beteiligen sich in unterschiedlichsten kreativsten Formen an der Aktion. Es ging ja darum, nicht nur einfach zu spenden, sondern auch etwas zu tun, dieser Hilflosigkeit mit Tun zu begegnen und das Gefühl der Gemeinschaft zu spüren. Es wäre unfair, hier einzelne Teilnehmer zu nennen, weil jeder Beitrag von einem großen persönlichen Engagement getragen wird. Das Programm reicht von zahlreichen Genussveranstaltungen bis hin zu einem Charity-Lauf der Schülerinnen und Schüler, einem Skirennen am Weltcuphang, einem Abend im Zeichen des Lichts und des Glücks bis hin zu einer Friedensmesse. Ich bin immer noch überwältigt, wie bunt und vielfältig die Ideen sind.
Was bedeutet so eine Initiative für die Orte Lech Zürs?
RIESER Ich denke mir, dem Gefühl der Hilflosigkeit etwas entgegensetzen zu können, macht uns stärker – und zwar als Gemeinschaft und jeden Einzelnen. Diese Aktion zeigt zudem auf, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, dass der Zusammenhalt in Lech Zürs gegeben ist, wenn es darauf ankommt. Und was mich persönlich betrifft, spüre ich eine tiefe Dankbarkeit darüber, hier leben zu dürfen. BI