Deripaska-Sager: Lech stärkt Fercher den Rücken

Das ARD-Kontraste-Magazin lässt sich den Vorwurf des schlechten Journalismus nicht gefallen und veröffentlich eine längere Version des Interviews.
Lech “Ich kann nur auf unseren Direktor vertrauen, und so hat er es sicher nicht gesagt.“ Mit diesen Worten stellte sich Lechs Bürgermeister Gerhard Lucian hinter den Tourismusdirektor Hermann Fercher. Dieser hatte gegenüber dem ARD Kontraste-Magazin das Hotel Aurelio des russischen Oligarchen Oleg Deripaska als Prestigeobjekt für Lech gelobt. Gegenüber dem ORF Vorarlberg erhob der Lecher Bürgermeister sogar indirekt Vorwürfe gegen das ARD-Investigativmagazin. Man könne alles so rausschneiden und zusammenschneiden, wie man es brauche, sprach Lucian von schlechtem Journalismus.
Ein Vorwurf, den man sich beim ARD nicht gefallen lässt. Am Mittwochabend reagierte der deutsche öffentlich-rechtliche Sender mit einem Video in den sozialen Medien. Darin wird noch einmal die tiefe Verbindung Deripaskas mit Österreich und Lech erklärt – und die Interviewfrage zum Aurelio in scheinbar ungeschnittener Länge gezeigt. Auch hier beginnt Fercher die Antwort mit dem Satz “In dem Zusammenhang muss man einmal Herrn Deripaska gratulieren, dass er diese Investition gemacht hat, weil es ein ganz tolles Hotel geworden ist.” Deripaska sei in Lech trotz des Hotels kaum präsent. Am Schluss bestätigt er den positiven Effekt des Aurelios: “Und dieses Hotel trägt positiv zum Image von Lech Zürs bei.”
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Transkript
Kontraste Herr Deripaska hat vor ein paar Jahren das Grundstück hinter ihnen erworben und da ein neues Hotel darauf gebaut. Was nimmt er seitdem für eine Rolle hier in Lech ein?
Fercher Also, hier in dem Zusammenhang muss man einmal Herrn Deripaska gratulieren, dass er diese Investition gemacht hat, weil es ein ganz tolles Hotel geworden ist. Und er nimmt eigentlich kaum eine Rolle ein. Er ist ja ganz wenig da. Aber das Hotel ist für uns ein ein tolles Prestigeobjekt, mehrfach dekoriert mit internationalen Tourismuspreisen, von einem einheimischen Manager geführt. Also, es hat einen Stellenwert vor allem im PR-Bereich. Nächtigungsanzahlmäßig ist es nicht so bedeutend, da es ja in etwa über zehn Suiten verfügt und damit jetzt keine großen Nächtigungszahlen erwirkt werden. Es ist eher die Wertschöpfung denke ich, die das Hotel ausmacht. Also, es ist einfach ein 5-Sterne-S-Hotel, davon gibt es in Österreich ja nicht so viele. Und hat einen ganz tollen Service. Und dieses Hotel trägt positiv zum Image von Lech Zürs bei.
“Es wird eng”
Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt Ferchers gibt es in der Gemeinde jedenfalls. Allerdings werden diese nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen. Tourismusunternehmer, die namentlich nicht genannt werden wollen, kritisieren im VN-Gespräch aber nicht nur die aktuelle Aussage des Tourismusdirektors im ARD-Interview, die Lech in der Wahrnehmung einen großen Schaden zufüge. Auch gehe es um Ferchers Auftreten in den vergangenen Jahren. Von Fehlverhalten ist hier die Rede. Dass in den vergangenen Monaten so viele von Ferchers Mitarbeitern im Tourismusbüro ihm den Rücken gekehrt hätten, sei jedenfalls ein Zeichen, dass da einiges im Argen liege.
“Es wird eng”, bringt Stefan Muxel von der oppositionellen “Unser Dorf” die Situation auf den Punkt. Das Interview sei dabei längst nicht das einzige Thema: Lech Zürs Tourismus kämpfe mit einem Schwund der guten Köpfe, Fercher habe ganz andere Probleme als überflüssige Interviews zu geben. Der Rückhalt des Tourismusdirektors in der Gemeinde schwinde, bestätigt Muxel.
Lucian verteidigt Fercher
Bürgermeister Lucian sieht Fercher weiterhin nicht korrekt wiedergegeben. Der Tourismusdirektor habe im selben Gespräch den Krieg verurteilt und betont, dass Lech alles tue, um den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Dies habe es aber nicht in das Video geschafft. Hier verweist Lucian auch auf eine große Spendenaktion für die Kriegsopfer und Flüchtlinge.
Im Gesamtkontext sieht er daher keinen Grund, an Ferchers Stuhl zu sägen. Die Aussage habe man aufgeblasen. “Manche sind nie zufrieden, das bringt die Position des Tourismusdirektors mit sich”, relativiert der Bürgermeister. Dies sei schon vor dem Interview so gewesen und werde auch weiterhin so sein.
Seit 2011 Tourismusdirektor
Hermann Fercher übernahm im Jänner 2011 die Funktion als Direktor von Lech Zürs Tourismus von Gerhard Walter. Vor seinem Engagement am Arlberg arbeitete er unter anderem für die Tirol Werbung, Kitzbühel Tourismus oder Swarovski Optik.