So setzt sich Vorarlberg für die ukrainischen Flüchtlinge ein

Vorarlberg / 16.03.2022 • 15:55 Uhr
So setzt sich Vorarlberg für die ukrainischen Flüchtlinge ein
445 Menschen aus der Ukraine sind derzeit in Vorarlberg. VN/AFP

Bereits 445 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind offiziell in Vorarlberg untergebracht. Zwei Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Bregenz, Schwarzach Immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine kommen nach Vorarlberg. Als Erstunterkunft steht derzeit die Caritas-Notunterkunft in Gaisbühel in Bludesch mit 77 Plätzen zur Verfügung. Von dort werden die Geflüchteten in kleinere, private Quartiere untergebracht. Im Montafon wird diese Woche ein leerstehendes Hotel mit 100 Betten zum sicheren Hafen für Geflüchtete. Ebenso sollen in einem alten Pflegeheim in Bartholomäberg Flüchtlinge untergebracht werden, so Sicherheitslandesrat Christian Gantner im Gespräch mit den VN.

Ukrainische Frauen und Kinder, die in Rumänien ankommen. Ein Großteil der Geflüchteten sind Kinder. <span class="copyright">NIMANI / AFP</span>
Ukrainische Frauen und Kinder, die in Rumänien ankommen. Ein Großteil der Geflüchteten sind Kinder. NIMANI / AFP

Derzeit (Stand Mittwoch) sind 445 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine offiziell in Vorarlberg untergebracht. Ihre Unterkünfte verteilen sich auf 36 Vorarlberger Gemeinden. „Zwei Drittel davon sind Kinder und Jugendliche“, erklärt Gantner. Für den Fall, dass auf einmal eine große Zahl an Flüchtlingen mit Bussen oder dem Zug in Vorarlberg ankommt, sollen im Land kurzfristig Turnhallen als Unterkünfte aktiviert werden. Die Tennishalle in Hohenems könnte zum Beispiel innerhalb von zwei Stunden als Erstankunftszentrum mit 200 Plätzen umgebaut werden. Auch Pflegeheime hätten ganze Stockwerke angeboten, informiert Gantner.  

Nataliia Buinytska, Olena Chernata, Olga Rahimova, Serhii Buinytsky, Anastasiia Furmanova, Andrii Rohatiuk (v.l.): Über Rumänien flohen diese vier Mütter mit ihren Kindern aus der Ukraine nach Vorarlberg.  <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Nataliia Buinytska, Olena Chernata, Olga Rahimova, Serhii Buinytsky, Anastasiia Furmanova, Andrii Rohatiuk (v.l.): Über Rumänien flohen diese vier Mütter mit ihren Kindern aus der Ukraine nach Vorarlberg.  VN/Rauch

Aufnahmezentrum in Nenzing 

„In den kommenden Wochen ist geplant, die Tennishalle in Nenzing als Aufnahmezentrum umzufunktionieren“, sagt Gantner. Dort solle für neu angekommene Menschen aus der Ukraine neben Erstversorgung ein Gesundheitscheck sowie Coronaimpfungen angeboten werden. Am Mittwoch wurde ein neues Onlineformular auf der Homepage des Landes freigeschaltet. Unter www.vorarlberg.at/unterkunft können Privatpersonen unkompliziert eine Unterkunft registrieren, die sie zur Unterbringung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen bereitstellen möchten. Die Kontaktaufnahme erfolgt vonseiten der zuständigen Stellen. Wer auf der Suche nach einer Unterkunft für ukrainische Verwandte oder Freunde ist, kann sich an fluechtlingshilfe@caritas.at wenden. 

LR Christian Gantner.<span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
LR Christian Gantner.VN/Paulitsch

Gezielte Hilfe vor Ort 

Enorm wichtig sei die Solidarität der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in Form von finanzieller Unterstützung. Seit dem Start der Initiative „Vorarlberg hilft“ Anfang März sind auf den beiden Spendenkonten von Caritas und Rotem Kreuz 666.000 Euro eingegangen. Kurz nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatten sich VN, Landesregierung, Caritas, Rotes Kreuz und Diözese zusammengetan, um die Initiative „Vorarlberg hilft“ zu reaktivieren.  

Laura Scherer (r.) von der Caritas Auslandshilfe - hier bei ihrem letzten  Besuch in der Ostukraine vergangenen Herbst -  erklärt, was mit Geld aus der Hilfsinitiative "Vorarlberg hilft" passiert. <p class="caption">
Laura Scherer (r.) von der Caritas Auslandshilfe - hier bei ihrem letzten Besuch in der Ostukraine vergangenen Herbst - erklärt, was mit Geld aus der Hilfsinitiative "Vorarlberg hilft" passiert.

Mit dem Geld aus Vorarlberg soll gezielt vor Ort geholfen werden. Ein Projekt der Caritas unterstützt ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine, darunter überwiegend Frauen und Kinder, in der Republik Moldau mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, aber auch psychosozialer Betreuung vor Ort, erklärt Laura Scherer von der Caritas Auslandshilfe. Es wird von rund 2000 Kindern, Frauen und Männern ausgegangen, die in den nächsten Wochen dort eintreffen und Unterstützung benötigen. Das Geld wird auch für ein Projekt in Rumänien für Binnenflüchtlinge aus der Ukraine eingesetzt. Weiters werden die dringend benötigten Spendengelder für Auffangzentren der Caritas in der West-Ukraine verwendet. Ebenso soll ein Krankenhaus in Lwiw (Lemberg) mit dringend benötigtem medizinischem Equipment unterstützt werden. Das Rote Kreuz Vorarlberg unterstützt das Ukrainische Rote Kreuz vor Ort unter anderem mit groß angelegten Hilfsgüterlieferungen für Menschen in den Krisengebieten.  

Ein siebenjähriges Kind, das aus der Ukraine nach Polen geflüchtet ist.<span class="copyright"> REUTERS/Zohra Bensemra</span>
Ein siebenjähriges Kind, das aus der Ukraine nach Polen geflüchtet ist. REUTERS/Zohra Bensemra

Grundversorgung und Zugang zum Arbeitsmarkt

Der Bund rechnet mit rund 50.000 Ukrainern, die in Österreich Zuflucht suchen werden. Vorarlberg müsste dann nach dem bundesweiten Verteilungsschlüssel 2500 Menschen aufnehmen. Ein Großteil der Flüchtlinge, die im Land ankommen, reist derzeit in andere Länder weiter, um dort bei Verwandten oder Freunden unterzukommen. Durch die erstmals aktivierte EU-Vertriebenenrichtlinie erhalten alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer vorübergehenden Schutz in Österreich. Diese Regelung gilt vorerst bis 3. März 2023 und ermöglicht Flüchtlingen den uneingeschränkten Zugang zu Arbeitsmarkt, Bildung und medizinischer Versorgung. Darüber hinaus können Personen, die unmittelbar Unterstützung benötigen, die Grundversorgung des Bundes und der Länder in Anspruch nehmen. 

“Vorarlberg hilft” – Spendenkonto

Caritas: Raiba Feldkirch, IBAN: AT323742200000040006; Ukraine-Nothilfe;
Rotes Kreuz: Raiffeisen Feldkirch, AT84 3742 2000 0014 3248, „Vorarlberg hilft“

Weitere Informationen unter www.vorarlberghilft.at

Kinder warten auf einen Bus an der polnisch-ukrainischen Grenze. <span class="copyright">GOULIAMAKI / AFP</span>
Kinder warten auf einen Bus an der polnisch-ukrainischen Grenze. GOULIAMAKI / AFP