Wie auch viele Russen Putins Krieg scharf verurteilen

Vorarlberg / 24.02.2022 • 17:15 Uhr
Wie auch viele Russen Putins Krieg scharf verurteilen
In Moskau wird der rote Platz von Polizeikräften abgeriegelt, um mögliche spontane Proteste zu verhindern. AFP

Die russische Propaganda von der Notwendigkeit der Militäraktion in der Ukraine stößt an Grenzen.

Moskau Das Narrativ des militärischen Eingreifens in der Ukraine aus russicher Sicht: Russland muss sich gegen eine massive Bewaffnung der Ukraine und der damit verbundenen Bedrohung für das eigene Land wehren. Nazis würden in der Ukraine gegen prorussische Bürger vorgehen. Sie müsse man beschützen. Viele glauben dieser Propaganda, viele jedoch nicht. Die Kritiker von Putins Aggression machen ihrem Unmut und ihrer Verzweiflung auf sozialen Kanälen wie Twitter und Instagram Luft. Das zeigt eines deutlich: Die Begeisterung für diesen Krieg hält sich bei vielen Bürgern Russlands in Grenzen, die Folgen davon scheinen ihnen bewusst zu sein.

Heiratsantrag und dann Krieg

Da gibt es zum Beispiel die russische Bloggerin, Influencerin und Entertainerin Kseniya Dukalis mit ihren vielen tausend Followern. Noch am Montag berichtet sie von ihrem privaten Glück mit dem Heiratsantrag ihres Verlobten, zeigt freudestrahlend den Ring. Unmittelbar nach den ersten Meldungen über den Beginn des Krieges, lässt sie am Donnerstag in der Früh wissen, was sie davon hält: „Wachte auf, sah die News, verdammt, ich weinte.“

Andere russische Bürger stoßen ins selbe Horn. „Das ist eine Tragöde und eine Schande für Russland. Dies ist die Tragödie für die Ukraine. Es bedeutet Leid für Millionen Menschen in beiden Ländern. Särge, Tränen von Müttern, Angst der Kinder.“ So beschreibt die Moskauerin Anastasiya Bruhanova ihre Gefühle ob der kriegerischen Ereignisse.

Die Wut auf Putin

Daniil Maslennikov aus St. Petersburg ist besonders entsetzt über den russischen Staatschef: „Putin ist eine Schande für Russland und die ganze Welt. Putin ist ein Bastard, der müde geworden ist, seine eigenen Leute zu töten. Nun löscht er seine Brüder aus. Putin ist ein psychotischer Großvater mit Blut an seinen Händen bis hin zu den Ellenbogen.“

Die Mutter Aleksandra Kim lässt Follower via Twitter noch vor dem Einmarsch der Russen wissen, wie ihr Kind in der Schule von der russischen Propaganda konfrontiert ist. „Mein Kind kam gerade von der Schule nach Hause und erzählt mir: ‚Zelensky breitet einen Krieg vor. Er würde die Russische Föderation mit Bombardierungen drohen. Das ist krank, Kameraden.“  

Depressive Stimmung

Eine russische Managerin, die sich regelmäßig in Vorarlberg aufhält und ihren Namen aus Angst nicht preisgeben möchte, spricht von einer depressiven Stimmung in Moskau. „Ehrlich gesagt, habe ich vor allem wegen der wirtschaftlichen Situation Angst. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich habe eine Ferienwohnung in Spanien und darf derzeit nicht einmal das Land verlassen. Dieser Krieg wird uns wirtschaftlich enorm schaden.“ Die Stimmung in Moskau sei geteilt. „Rund 50 Prozent der Menschen glauben derzeit noch der Regierungspropaganda, die andere Hälfte nicht.“

Mitarbeit: Aspia Altymasheva