Ist der Notar auch Bauer? Warum das nun die Nenzinger Opposition wissen will

Vorarlberg / 08.02.2022 • 05:00 Uhr
Ist der Notar auch Bauer? Warum das nun die Nenzinger Opposition wissen will
Der Verkauf dieses großen landwirtschaftlichen Grundstücks in Nenzing an den Bruder des Bürgermeisters erhitzt die Gemüter. Gemeinde Nenzing

Starker Wunsch nach Aufklärung über umstrittenen Grundstückskauf des Bürgermeisterbruders.

Nenzing In der Nenzinger Gemeindevertretung segneten am 19. Oktober des Vorjahres 25 von 27 Gemeindevertreter den Kauf eines 900 Quadratmeter großen landwirtschaftlichen Grundstücks der Gemeinde durch Egon Kasseroler, Notar und Bruder von Bürgermeister Florian Kasseroler, ab. Zwei Jahre zuvor konnte der Notar 12.000 Quadratmeter Anbaufläche von einer Privatperson erwerben. Ob diese Transaktionen auch heute so reibungslos über die Bühne gehen würden, steht zu bezweifeln.

Rückblickend erscheinen die Umstände dieser Geschäfte irritierend. Es gab kein zugesagtes Gutachten über den Wert der Liegenschaft, das vom Käufer angebotene Tauschgrundstück für den Erwerb des Gemeindegrundes gehörte zum Zeitpunkt des Kaufes noch gar nicht ihm. Über allem steht jedoch die Frage: Darf sich Egon Kasseroler überhaupt Landwirt nennen? Denn über die Absicht zur Pflanzung von Nussbäumen hinaus, sind vom Notar keine landwirtschaftlichen Aktivitäten bekannt. Bis heute stehen auf den 13.000 Quadratmeter weder Nussbäume, noch sind andere landwirtschaftliche Aktivitäten bekannt.

Fragwürdige Dringlichkeit

“Im Nachhinein betrachtet erschließt sich die Dringlichkeit, mit welcher der Grundstückskauf von der Gemeindevertretung abgesegnet wurde, nicht”, räumt ÖVP-Sprecher Hannes Hackl sein. “Es muss in unser aller Interesse sein, dieses Thema ordentlich aufzuarbeiten. Wir als ÖVP werden bemüht sein, eine einheitliche Linie zu fahren”, fügt Hackl an. Es liege jetzt in der Kompetenz der Experten vom Land, die Landwirtschaftseignung des Käufers zu überprüfen.

Während Hackl auch beim Tauschgeschäft Zweifel versteht, bewertet er das fehlende Gutachten als nicht problematisch. “Da kann jeder seinen eigenen Zugang haben. Die getätigte Einschätzung des Werts des Grundstücks durch die örtliche Grundverkehrskommission kann man aber durchaus teilen”, findet der ÖVP-Mandatar.

Die zweite Gegenstimme

“Ich war neben Johannes Schallert der zweite Gemeindevertreter, der bei der Abstimmung gegen den Kauf des Grundstücks durch Egon Kasseroler gestimmt hat”, outet sich der grüne Fraktionsführer Benedikt Drexel. Den Grund für sein Nein zum Kauf sah er damals jedoch nicht an den Ungereimtheiten des Deals selbst, sondern in einer Befürchtung. “Diese Fläche liegt nur 113 Meter entfernt vom Siedlungsgebiet. Ich möchte absolut sicher sein, dass diese Fläche nie in ein Bauerwartungsland umgewidmet wird. Deswegen stimmte ich gegen den Verkauf.” Der grüne Mandatar hätte am liebsten einen Grundsatzbeschluss der Gemeinde, dass diese Liegenschaft nie Bauland werden darf.

“Auch ich habe gegen den Kauf des Grundstücks gestimmt, weil diese Fläche niemals Baugrund werden darf.”

Benedikt Drexel, Sprecher Die Grünen Nenzing

Auch Drexel vertraute der örtlichen Grundverkehrskommission in ihrer Einschätzung über den Wert des Grundstücks. “Da braucht es kein Gutachten, das mehr kostet als das Grundstück selbst.

Der grüne Nenzinger Gemeindevertreter Benedikt Drexel stimmte am 19. Oktober des Vorjahres mit Johannes Schallert gegen den Verkauf des Grundstücks. <span class="copyright">Drexel</span>
Der grüne Nenzinger Gemeindevertreter Benedikt Drexel stimmte am 19. Oktober des Vorjahres mit Johannes Schallert gegen den Verkauf des Grundstücks. Drexel

Kritik an Schallert

Mit der Frage, ob Kasseroler Landwirt ist oder nicht, hat sich Drexel nicht intensiv beschäftigt. “Grundsätzlich sollten wir solche Fragen in der Gemeinde klären können. Doch bei Zweifel muss natürlich eine höhere Stelle zur Prüfung herangezogen werden.”

Christof Seeberger, Drexels grüner Kollege in der Gemeindevertretung, wartet gespannt auf eine Entscheidung des Landes über den Landwirtsstatus von Egon Kasseroler. “Wir glaubten bei den Abstimmungen, das wäre geklärt. Jetzt dauert diese Klärung seitens des Landes jedoch schon sehr lange. Man hätte das eigentlich schon 2019 zweifelsfrei feststellen müssen.” Johannes Schallert attestiert Seeberger einerseits inhaltlich gute Arbeit, andererseits stößt er sich an der Art und Weise von Schallerts Auftreten. “Klagsdrohungen gegen andere kann ganz sicher nicht der Weg der Zukunft sein, den wir in Nenzing gehen wollen.”