Neue Studie : Wo es in Vorarlberg in Zukunft noch Schnee gibt

Vorarlberg / 05.02.2022 • 04:55 Uhr
Neue Studie : Wo es in Vorarlberg in Zukunft noch Schnee gibt
In niedrigen Lagen, wie hier in Alberschwende, wird es für den Wintersport in den nächsten Jahrzehnten immer schwieriger. Die Zahl der Tage mit einer natürlichen Schneedecke geht deutlich zurück. VN/Steurer

Nach drei Jahren Forschungsarbeit: So wird sich die Schneedeckendauer in Vorarlberg bis 2100 verändern.

Bregenz Der Klimawandel lässt den Schnee schmelzen. Drei Jahre lang haben Forscher unter der Leitung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) die Auswirkungen der Erderwärmung auf die Schneelage in Österreich untersucht. Erstmals gibt es detaillierte Daten für Vergangenheit und Zukunft, konkret auch für Vorarlberg.

Die wichtigsten Erkenntnisse: Selbst im besten Fall, unter Einhaltung des Pariser Klimaabkommens mit Temperaturerhöhungen unter zwei Grad, werden in niedrigen Lagen die Tage mit Schneedecke um 40 Prozent zurückgehen. Es würden bis ins Jahr 2100 in den Tälern gerade einmal acht Schneetage bleiben, so die Prognose. Ohne Klimaschutzmaßnahmen bleibt das Flachland in Vorarlberg in Zukunft grün. „Es gibt viele Winter ganz ohne Schnee, wo es auch gar nicht mehr oder nur vereinzelt schneit“, beschreibt Andreas Gobiet, Leiter des Forscherteams das schlechtestmögliche Szenario.

40 Schneetage bereits verloren

Die Schneelage hat sich bereits in den letzten 60 Jahren deutlich verschlechtert. Über alle Höhenlagen habe die jährliche Dauer der Schneedecke um 40 Tage abgenommen, besonders stark in Lagen unter 1500 Metern. Einen Fokus haben die Forscher auf zukünftige Voraussetzungen für den Wintertourismus gelegt. Demnach sind Klimaschutzbemühungen in Lagen um 1000 Meter Seehöhe in der Wirkung besonders ausgeprägt. Werden die Pariser Ziele eingehalten, gehen die Schneetage um 25 Prozent zurück, werden sie verfehlt, sind es 70 Prozent. Für Skitouren würde das im besten Fall bedeuten, dass die Saison etwas kürzer wird. „Ohne Maßnahmen wird es das Tourenskifahren in mittleren Höhen nicht mehr geben“, so Andreas Gobiet.

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Auch die Voraussetzungen für die Kunstschneeproduktion sind eng mit dem Klimaschutz verbunden. Die Möglichkeiten würden in diesen Höhenlagen um 15 Prozent mit bzw. um 50 Prozent bei einer stärkeren Erderwärmung abnehmen. Allgemein lasse sich die Entwicklung nicht stoppen, sehr wohl aber stabilisieren. Mit den Pariser Klimazielen sei zur Jahrhundertmitte der Temperaturanstieg abgeschlossen, dann ginge auch die Schneedecke nicht mehr zurück.

Saison auch weiter oben kürzer

Entspannter ist die Situation in höheren Lagen. Die Wahrscheinlichkeit von schneereichen Wintern werde aber auch dort kleiner, die Saison in erster Linie kürzer. Gleichzeitig sei mit einer Zunahme des Niederschlags um 20 Prozent im Kernwinter zu rechnen, was in dieser Zeit zu höheren Schneemengen führe. „Die Saison schmilzt von den Rändern ab“, so der Experte. Die Studie selbst sehe er nicht als Hiobsbotschaft für den Wintertourismus, vielmehr solle sie den Betrieben als Information für zukünftige Rahmenbedingungen dienen.

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Andreas Gobiet von der ZAMG leitet das Projekt “Future Snow Cover Evolution in Austria”.