Der harte Weg zurück nach Long Covid

Vorarlberg / 30.12.2021 • 17:30 Uhr
Der harte Weg zurück nach Long Covid
Neun Monate laborierte Dieter Hennenfeind an Covid-19 und den Folgeerscheinungen. VN/Paulitsch

Dieter Hennenfeind kämpfte acht Monate mit Covid-Folgen.

Dornbirn Ein neues Jahr: Dieter Hennenfeind (54) kann es wörtlich nehmen. Neun Monate laborierte er an Covid-19 und den Folgeerscheinungen. „Es war eine harte Zeit“, resümiert der Dornbirner. Doch nun blickt er zuversichtlich nach vorne, denn am 3. Jänner steigt er wieder in den Arbeitsalltag ein. Dieter Hennenfeind fühlt sich fit für den Neubeginn. Die ambulante Reha hat er vorläufig ruhend gestellt. Jetzt gilt seine Konzentration ganz dem Beruf. Er ist dankbar, dass ihn sein Arbeitgeber, das EHG Stahlzentrum, in jeder Hinsicht unterstützt hat. „Es kam nie Druck“, erzählt der Speditionsleiter. Stattdessen die klare Ansage: „Es gibt jetzt nur deine Gesundheit und keine Firma.“

Lauter negative Tests

Das Ungemach begann am 31. März 2021. Eine Impfung gab es damals noch nicht für ihn. Dieter Hennenfeind war zu diesem Zeitpunkt quasi zu jung. „Erst dachte ich, es wäre nur eine Erkältung“, erzählt er. Trotzdem ließ er sich in den folgenden Tagen immer wieder testen oder testete sich selbst. Sämtliche durchgeführten Antigentests fielen jedoch negativ aus. „Selbst der beim Arzt“, fügt Hennenfeind an. Am Ostermontag suchte er wegen Atembeschwerden den ärztlichen Notdienst auf. Es wurde eine Grippe vermutet. Die verschriebenen Medikamente halfen allerdings wenig. Dafür verschlechterte sich der Zustand des sportlichen Mannes immer mehr. Er ging wieder zum Arzt, der ihn jetzt postwendend ins Krankenhaus Dornbirn einwies. Der dort abgenommene PCR-Test offenbarte schließlich eine schwere Covid-19-Infektion.

Dieter und Manuela Hennenfeind blicken zuversichtlich ins neue Jahr.
Dieter und Manuela Hennenfeind blicken zuversichtlich ins neue Jahr.

Etwa zehn Tage lag Dieter Hennenfeind auf der Intensivstation und stand kurz davor, intubiert zu werden. Er ist froh, dass letztlich eine Maskenbeatmung reichte, um, wie er salopp, aber sichtlich erleichtert anmerkt, wieder die Kurve zu kriegen. Es folgten noch einige Tage auf der Normalstation, dann ging es nach Hause. Viel war von dem einst sportlich-aktiven Menschen aber nicht mehr übrig. Covid hatte seinen Körper aufgezehrt. „19 Kilo habe ich während der Zeit im Spital abgenommen“, erinnert sich Dieter Hennenfeind. Im Gedächtnis bliebt ihm außerdem die Prophezeiung, dass der Weg zurück ein harter werde. Auch er spricht im Rückblick von zähen acht Monaten.

Psychische Belastung

Doch er biss durch, setzte sich Ziele und blieb konsequent dran. „Am Anfang war ich nach einer Runde ums Haus schon fix und fertig“, berichtet er. Vier Wochen später waren aus den 50 Metern schon 250 geworden. So steigerte sich Dieter Hennenfeind langsam. Er verhehlt nicht, dass es ihm auch psychisch schlecht ging. „Die Tage sind sehr lang für das, was man tun darf.“ Geholfen hat ihm, dass er seinen Tagesrhythmus stets beibehielt und die Unterstützung seiner Frau Manuela (53). „Sie musste viele Abstriche machen.“ Dieter Hennenfeind schließt aber auch alle anderen ein, die seine Wege kreuzten: „Nur dank ihrer Hilfe bin ich heute da, wo ich bin.“

Er hatte sich auch für eine Lungen-Reha in Münster angemeldet. Einen Platz hätte der Dornbirner am 15. November bekommen. Schon vorher machte ihn ein Arbeitskollege auf einen VN-Bericht zu einem neuen Angebot für eine ambulante Reha aufmerksam, das von der SMO und Dr. Swen Seewald initiiert wurde. Dieter Hennenfeind brauchte nicht lange zu überlegen. „Ich bekam eine maßgeschneiderte Reha, die mir richtig gut geholfen hat.“ Er würde sie jedem Long-Covid-Betroffenen empfehlen. Inzwischen ist Dieter Hennenfeind bester Dinge, geht seinen geliebten sportlichen Aktivitäten nach und in wenigen Tagen wieder auf Arbeit.