ÖGK stellt sich hinter Ärzte, die keine Impfbefreiung ausstellen wollen

Vorarlberg / 27.12.2021 • 18:30 Uhr
ÖGK stellt sich hinter Ärzte, die keine Impfbefreiung ausstellen wollen
Noch ist die Coronaschutzimpfung freiwillig, doch das könnte sich bald ändern. VN/Steurer

Hausärzte sollen beraten und impfen: ÖGK sieht Atteste für Impfbefreiung bei den Amtsärzten.

Dornbirn Die Impfpflicht kommt. Davon ist ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Brunner überzeugt, obwohl die politischen Aussagen der vergangenen Tage nicht mehr so klar waren. Im Zusammenhang mit der Impfpflicht stellt sich für ihn aber auch die Frage, wer die Atteste für eine Befreiung von der Coronaschutzimpfung ausstellen soll. Seine Antwort fällt eindeutig aus: „Diese Aufgabe muss den Amtsärzten der Bezirkshauptmannschaften zukommen“, betont Brunner und ergänzt:

„Die niedergelassenen Ärzte sollen beraten, beraten, beraten und impfen, impfen, impfen.“ Er möchte nicht, dass niedergelassene Mediziner in dieser herausfordernden Phase der Pandemie auch noch mit dem Ausstellen von Attesten zugedeckt werden. Außerdem lassen sich laut Manfred Brunner eine Beratung und das gleichzeitige Verhängen von Konsequenzen nicht vereinbaren. Das schwäche die Bereitschaft, eine ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Konflikte befürchtet

Mit ihrer Forderung, die Amtsärzte in die Pflicht zu nehmen, stellt sich die ÖGK klar hinter das Ansinnen der Ärztekammer. Prof. Johann Steurer, ein gebürtiger Hittisauer, der jahrelang das Horten-Zentrum für klinische Forschung am Universitätsspital Zürich geleitet hat und jetzt die Medizinausbildung in der Schweiz koordiniert, hatte sich unlängst in einem VN-Interview ebenfalls auf die Seite der niedergelassenen Ärzte geschlagen und gemeint: „Schont bitte die Allgemeinmediziner!“ Alles andere würde zu Problemen führen. Die sieht auch Manfred Brunner heraufdämmern, sollten Hausärzte die Atteste ausstellen müssen. „Niedergelassene Mediziner haben in den allermeisten Fällen einen sehr persönlichen Bezug zu ihren Patienten. Das würde den Druck auf sie zusätzlich erhöhen“, vermutet der ÖGK-Landesstellenvorsitzende. Er vertritt zudem die Ansicht, dass Behörden, die Kontrollen durchführen und Strafen verhängen können, ebenso für Impfbefreiungen zuständig sein sollen. „Das gehört in eine Hand.“ Ansonsten, fürchtet Brunner, wären auch zwischen Behörde und niedergelassenen Ärzten Konflikte nicht auszuschließen. Sollte der Bund die Impfpflicht einführen und den niedergelassenen Ärzten das Ausstellen von Attesten zur Impfbefreiung aufs Auge drücken, gibt es für Manfred Brunner nur eine Option: „Der Gesetzgeber hat ganz klar zu regeln und detailgenau bzw. enggefasst festzulegen, bei welchen Indikationen und Vorerkrankungen eine Impfbefreiung gegeben ist.“