Allerletzte Alarmbereitschaft für Notfallmediziner Christian Flaig

Bludenzer Notarzt Christian Flaig (64) zieht sich nach rund 10.000 Einsätzen in 28 Jahren als Ersthelfer zurück.
Bludenz Über 28 Jahre hinweg zählte sie quasi zum Alltag als Notfallmediziner. Am Weihnachtsabend ist für ihn die Alarmbereitschaft Geschichte: Notarzt Christian Flaig zieht nach rund 10.000 Einsätzen, darunter viele mit Helikopter, einen Schlussstrich. Er absolviert damit seinen allerletzten 24-Stunden-Einsatz am Notarztstützpunkt in Bludenz, zieht sich als Ersthelfer zurück und widmet sich künftig nur noch seiner Ordination als Allgemeinmediziner in der Alpenstadt. Der Mediziner gilt als „Notarzt der ersten Stunde“ und darf sich sowohl unter Kollegen beim Roten Kreuz als auch Ärzten über eine hohe Wertschätzung für seine über Jahrzehnte geleistete Arbeit freuen.
S16-Unfallserie als „düstere Zeit“
Flaig, gebürtiger Brandner und Vater dreier Söhne, wollte sich eigentlich zum Kinderarzt ausbilden lassen. Schlussendlich habe er sich jedoch für die Notfallmedizin entschieden, erinnert er sich im Gespräch mit den VN. Grundsätzlich würde jeder Einsatz eine neue Herausforderung darstellen und einen Notarzt ständig mit neuen Situationen konfrontieren. Was hat Flaig an seiner Tätigkeit besonders geschätzt? „Es waren die Begegnungen mit Menschen und die Chancen, jemandem wieder ins Leben zurückhelfen zu können. Allerdings gab es manchmal auch Unfälle und Situationen, bei denen man nicht mehr helfen konnte.“ Dabei denkt Flaig besonders an jene Serie von Verkehrsunfällen auf der S16 im Klostertal zurück, mit der er in seiner Zeit als Notarzt konfrontiert war: „Das war eine düstere Zeit mit insgesamt 23 Todesopfern, ein Unfall, der einer ganzen Familie mit drei Kindern das Leben kostete, war besonders herausfordernd für uns alle.“
Courage und Empathie gefragt
Welche Eigenschaften sollte ein Notarzt mitbringen? „Neben Fachwissen, Courage und Hausverstand in erster Linie Empathie, man muss die Menschen mögen und Mut zu schnellen Entscheidungen haben“, meint Flaig. Außerdem sei bei Einsätzen Besonnenheit gefragt: „Wenn der Notarzt nervös ist, überträgt sich die Nervosität oft auf das Rettungsteam und den Patienten.“ Wie blickte Flaig der letzten Einsatznacht entgegen? „Gelassen und entspannt, das wird ein Dienst wie jeder andere.“