Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Wider alle Vernunft

Vorarlberg / 21.12.2021 • 14:30 Uhr

Man muss mit solchen Aussagen ja vorsichtig sein. So manche Haut ist dünn geworden. Gut nachvollziehbar würden Händler und Gastgeber, Helfer und Verängstigte so einen Satz mit Wucht in die Tonne klopfen, und doch sei er hier hingeschrieben: Schon lange nicht mehr war hierzulande so viel Weihnachten wie am Ende dieses eigentümlichen Jahres 2021.

Wie kann das sein? Nun, Weihnachten ist das Fest der puren Unvernunft. Der irrwitzigste Anlass schlechthin. Mitten hinein in die grausame Welt vor 2000 Jahren, in der ein Menschenleben so wenig zählte, dass es gängige Kriegspraxis war, einfach die Erstgeborenen des besiegten Gegners umzubringen, mitten hinein in so eine Welt brachte ausgerechnet die Geburt eines mittellosen Säuglings Hoffnung. Wider alle Vernunft wuchs diese Geschichte vom Gott, der sich als Mensch ganz klein gemacht hat, so mächtig heran, dass Weihnachten lebt. Es wird selbst dort glitzernd gefeiert, wo die Erzählung selber längst in Vergessenheit geriet. Ohne Weihnachten? Geht gar nicht! Dies ist das Fest der Hoffnung wider alle Vernunft. Schon lange nicht mehr war so viel Weihnachten wie heuer.

P.s: … und auch dieser Christbaum, dessen Ankauf pure Unvernunft, aber viel Mitleid atmet, wird am 24. Dezember hübsch aussehen. Irgendwie. Deutschlands prominenteste Pensionistin würde sagen: Wir schaffen das! Wider alle Vernunft. Aber mit sehr viel Liebe.