Warum Bauer Karlheinz Marte wegen Schlachthofende ans Aufhören denkt

Vorarlberg / 21.12.2021 • 16:00 Uhr
Warum Bauer Karlheinz Marte wegen Schlachthofende ans Aufhören denkt
Karlheinz Marte bei seinen Rindern im Röthner Stall. Nach dem Ende des Schlachthofs Dornbirn bangt er um die Zukunft. Ländle

Keine AMA-Zertifizierung mehr, schlechte Marktlage, Frust. Landesrat Christian Gantner kontert.

Röthis, Bregenz Landwirt Karlheinz Marte ist sehr aufgeregt. “Das Ende des Schlachthofs in Dornbirn ist ein Riesenproblem. Eine andere Lösung wurde nicht gefunden. Obwohl man so lange Zeit hatte. Das mit den drei Betrieben, die jetzt als Alternative angeboten werden, ist keine Lösung.” Der Röthner Landwirt führt für seine Behauptung zwei Gründe an: “Erstens: Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese drei Betriebe die Kapazitäten von Dornbirn abdecken können. Und zweitens: Diese Schlachtstellen haben alle keine AMA-Zertifizierung. Wie sollen wir also unsere Qualität belegen können?”

Bisher fairer Preis

Der 56-jährige Bauer hat in Röthis einen Mastbetrieb mit insgesamt 120 Tieren. Er nimmt für die Fleischproduktion auch Tiere von anderen, kleineren Betrieben. “Wir bieten über die AMA-Richtlinien hinaus noch strengere Qualitätskriterien. Die 3G: gehalten, gefüttert, geschlachtet im Ländle. Spar zahlt für unser Fleisch einen fairen Preis. Dadurch können wir auch unseren Zulieferern einen fairen Preis bezahlen”, beschreibt Marte die bisher für ihn zufriedenstellenden Abläufe.

Ungewisse Zukunft

Die Zukunft seines Betriebes in dieser Dimension sieht Marte gefährdet. “Ich kann ja kurzfristig Tiere nach Salzburg zum Schlachten führen. Doch dann ist es mir nicht mehr möglich, dieselben Qualitätskriterien zu bieten. Abgesehen davon weiß ich nicht, ob die Salzburger uns im Wissen um die mediale Aufmerksamkeit von Tiertransporten überhaupt bedienen würden”, klagt der Röthner Landwirt.

Es brauche im Land Lösungen, ergänzt Marte.

Gantner wehrt sich

Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (41, ÖVP) ist nicht bereit, sich den Schwarzen Peter für die nicht erreichte Lösung mit einem zentralen Schlachthof als Nachfolge des Dornbirner Großbetriebes in die Schuhe schieben zu lassen. “Man kann nicht einfach die Politik dafür verantwortlich machen, dass jetzt kein zentraler Schlachthof mehr zur Verfügung steht. Vielleicht hätten Fleischproduzenten und Handel auch selber mehr initiativ sein müssen, eine Lösung in ihrem Sinne zu schaffen”, spielt Gantner den Ball der Verantwortung zurück. Man habe von der Politik alles probiert, was möglich sei. “Jetzt gibt es eben eine regionale Lösung mit drei Schlachtbetrieben . Und das kann man auch auch als Vorteil sehen. Zudem stehen ja auch weitere Metzgereien zur Verfügung, die Einzelschlachtungen machen können.

“Vielleicht hätten private Fleischproduzenten und der Handel auch selber mehr initiativ sein müssen.”

Dass die drei Schlachthauptbetriebe noch keine AMA-Zertifizierung haben, bestätigt Gantner. Doch er beschwichtigt: “Das kriegen wir bei allen drei bis Anfang Jahres hin.”