Mit Kerzen gegen die Spaltung der Gesellschaft

Privatinitiative rief zu Lichterketten im ganzen Land auf.
bregenz Die einen sind laut und regelmäßig auf der Straße, die anderen leise und beinahe unsichtbar. An diesem Sonntag traten aber auch die Stillen aus dem Schatten ans Licht. Die Privatinitiative „Miteinander“ hatte zu Lichterketten im ganzen Land aufgerufen. Sie setzt sich für ein respektvolles und friedvolles Miteinander in der Gesellschaft ein. Mit Kerzen und Laternen kamen Hunderte Menschen diesem Anliegen trotz klirrender Kälte nach. In den Seeanlagen leuchteten die Lichter zwischen Molo und Fischersteg, Dornbirn am Marktplatz, in Andelsbuch war der Kirchplatz in Kerzenschein getaucht, in Feldkirch der Domplatz, und in Schruns versammelten sich Gleichgesinnte vor dem Münster.

Hoffen auf Dialog
Die Pandemie hat Gräben aufgerissen. Dem wollten die Initiatoren, Birgit Plankel, Veronika Seiffert, Johannes Schmidle und Michael Striebel nicht mehr länger zusehen. „Wir möchten mit den Lichterketten vermitteln, wie Menschen wieder in Dialog treten können“, erklärte Seiffert, denn das Problem lasse sich nur gemeinsam lösen. Heinz Rhomberg hat sich freiwillig für den Ordnerdienst gemeldet. Gleichzeitig möchte er den Gedanken des Miteinanders unterstützen: „Wir sind eine und keine gespaltene Gemeinschaft.” Monika und Ulughan Yurthul aus Schwarzach haben aus Solidarität mit dem medizinischen und Pflegepersonal in den Spitälern zwei Kerzen entzündet. „Ich war selbst lange im Spital und weiß, was diese Menschen leisten müssen“, erzählt Ulughan.

Auch Russpreisträger Hubert Löffler mischt sich unter den stillen Aufmarsch. Er möchte die Demonstrationen nicht den Egomanen überlassen, wie er sagt, „sondern bei denen sein, die an die ganze Gesellschaft denken“. Es sind viele, die gleich empfinden. Eine halbe Stunde stehen sie schweigend bei Minusgraden da und bringen mit ihrem Licht dennoch ein bisschen Wärme an diesen Platz. Auch die Polizei ist präsent, lässt ab und an die Drohne über der friedlichen Versammlung kreisen. Doch es gibt keinen Grund, einzuschreiten.
