Pflegeheim Brachsenweg ersetzt Tschermarkgarten

Vorarlberg / 19.12.2021 • 16:48 Uhr
Die Seniorenresidenz Tschermakgarten hat ausgedient. Als Ersatz wird ein Sozialzentrum im BRachsenweg errichtet.<span class="copyright">fst</span>
Die Seniorenresidenz Tschermakgarten hat ausgedient. Als Ersatz wird ein Sozialzentrum im BRachsenweg errichtet.fst

Neubau mit Platz für zeitgemäße Seniorenbetreuung, Gesundheitszentrum und Kleinkindbetreuung.

BREGENZ Vor über 40 Jahren wurde die Seniorenresidenz Tschermakgarten erbaut. Gedacht war sie für ältere Mitbürger, die ihren Lebensabend gut betreut genießen wollten. Doppelbettzimmer machten es auch für Ehepaare attraktiv. Gemeinschaftseinrichtungen sorgten für soziale Kontakte.

Umbau nicht möglich

Doch die Zeiten haben sich geändert. Betreutes Wohnen hat die Seniorenresidenzen abgelöst, wo einst Ehepaare ihren Lebensabend genossen, stehen heute Pflegebetten. Und dafür war der Tschermakgarten nicht gedacht. „Ein Umbau für den Bedarf von heute ist fast nicht möglich“, meint die zuständige Bregenzer Stadträtin Annette Fritsch. „Man müsste das Gebäude abreißen und neu bauen. So etwa sind die Balkone aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig, Türen und Nasszellen sind nicht auf die Bedürfnisse von bettlägerigen Patienten ausgerichtet.“

Vor 44 Jahren nach damaligen Qualitätsstandards errichtet, erfüllt das Seniorenheim die heutigen Anforderungen an ein derartiges Bauwerk nicht mehr. Eine Anpassung des Bestands an neue Strukturen ist wirtschaftlich nicht möglich. Dazu kommt, dass aus fachlicher Sicht eine bessere Aufteilung der Pflegestandorte auf die einzelnen Stadtteile wünschenswert wäre.

Neues Sozialzentrum

Vor Jahren schon hat sich die Stadt Bregenz deshalb ein Grundstück am Brachsenweg gesichert, das für ein Pflegeheim geeignet wäre. Nun hat sich die Stadt dazu entschlossen, dass als Ersatz für den Tschermakgarten ein neues Sozialzentrum im Brachsenweg errichtet werden soll. Im Stadtrat wurde ein zweistufiges Baurechtsverfahren beschlossen, bei dem zunächst der Kreis der Bewerber für den Bau und den späteren Betrieb erkundet werden soll und danach unter Einbindung einer Kommission die Konkretisierung des Vorhabens erfolgt. Die Grobplanung für den Brachsenweg sieht 90 Betten vor – ebenso viele, wie im Tschermarkgarten derzeit verfügbar sind. Die Stadt stellt dem Bewerber das Grundstück im Zuge des Baurechtsverfahrens zur Verfügung, die Kosten für den Neubau stemmt der spätere Betreiber.

Platz für Gesundheitszentrum

Im Rahmen des Neubaus sind auch ein Gesundheitszentrum für ambulante Dienste sowie eine Kleinkindbetreuung mit zwei Gruppen geplant. „Westlich der Bahn lebt rund ein Drittel der Bregenzer Bevölkerung“, so Annette Fritsch. Vor mehr als einem Jahrzehnt war die einzige Ärztin, die in diesem Bereich praktizierte, in Pension gegangen. Trotz intensiver Suche war es nicht gelungen, Ersatz zu finden. Für Fritsch hat das Vorhaben Sozialzentrum Brachsenweg auch deshalb größte Bedeutung. „Dank bester medizinischer Versorgung und mobiler Hilfsdienste sollen in Bregenz alle Menschen möglichst lange gesund und selbstständig bleiben. Das ist unser Ziel. Darüber hinaus braucht es aber auch eine professionelle stationäre Betreuung, wie sie nur in modernen Sozialzentren mit hohem Qualitätsstandard geboten werden kann“, ist die Stadträtin überzeugt.

Zukunft des Tschermakgartens

Was in Zukunft mit der „Seniorenresidenz Tschermakgarten“ geschehen soll, ist noch nicht entschieden. Kürschnermeister Josef Tschermak (1888–1969), hatte der Stadt das Grundstück für den Bau eines Seniorenheims vererbt. An diese Widmung ist die Stadt gebunden. „Der Tschermakgarten könnte
aber ohne aufwendige Umbauten auch dem Projekt ,Junges Wohnen‘ dienen. Sollte aber ein weiterer Bedarf an stationärer Seniorenbetreuung entstehen werde man die Liegenschaft – dem Testament von Josef Tschermak entsprechend – dafür verwenden, meint Fritsch. Und dieser Bedarf könnte früher als den Verantwortlichen lieb ist, eintreten.

Bedarfserhebung im Gange

Die Altersstruktur der Bregenzer Bevölkerung lässt vermuten, dass in wenigen Jahren weitere Betten benötigt werden. „Die Babyboomer-Generation nähert sich dem Pensionsalter. Jeder fünfte Bregenzer ist bereits über 65 Jahre alt. Zurzeit arbeitet das Land deshalb an einer Bedarfserhebung um für die Zukunft planen zu können. Das Ergebnis wird wohl noch vor der Fertigstellung des Pflegeheims am Brachsenweg vorliegen. Es ist aber zu erwarten, dass in Bregenz und in den umliegenden Gemeinden zusätzliche Pflegebetten benötigt werden. Und dann kommt der Neubau des Tschermakgartens wieder ins Spiel, denn die Grundstücksreserven in Bregenz sind rar. fst